Drohanrufer von Gaggenau noch nicht gefunden - Stadt sucht Gespräche

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Wurde bedroht: Das Rathaus von Gaggenau.  Foto: 

Knapp eine Woche nach der anonymen Bombendrohung gegen das Rathaus in Gaggenau (Landkreis Rastatt) ist der Anrufer noch nicht gefunden. Die Ermittler suchten weiter, sagte eine Polizeisprecherin gestern.

Nach dem politischen Wirbel um einen abgesagten Auftritt des türkischen Justizministers Bekir Bozdag und der folgenden Bombendrohung sieht Oberbürgermeister Christof Florus keinen dauerhaften Schaden für das Zusammenleben in der Stadt. Auch bei den türkischen oder türkischstämmigen Bürgern gebe es Verständnis. „Aber vereinzelt gab es auch Unmut“, teilte der parteilose Oberbürgermeister mit. Die Stadt suche das Gespräch mit türkischen Gruppen.

„Wir gehen aber davon aus, dass die langjährigen Beziehungen, die wir hier in der Stadt pflegen, davon nicht erschüttert wurden beziehungsweise diesen Konflikt nun aushalten können“, sagte Florus. Er verwies auf eine lange Zusammenarbeit mit türkischen Vereinen. 2011 habe es dafür sogar den Deutschen Bürgerpreis der Sparkasse gegeben.

Viele Gaggenauer hätten ihre Unterstützung für die Entscheidung der Stadt und Stolz auf das Auftreten in den Medien ausgedrückt. Florus hatte seinen Urlaub abgebrochen, Bürgermeister Michael Pfeiffer hatte die Entscheidung der Stadt nach außen vertreten.

Lob bekam Pfeiffer vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke während einer Landtagsdebatte zum Umgang mit Wahlkampfauftritten türkischer Politiker in Deutschland. Der Bürgermeister von Gaggenau sei der einzige in diesem Land mit Mumm in den Knochen.

„Mit Mumm in den Knochen“

Am 2. März hatte Bozdag bei der Versammlung eines türkischen Verbandes auftreten wollen, um für das von Staatspräsident Erdogan angestrebte Präsidialsystem in der Türkei zu werben. Die Stadt untersagte die Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken. Am nächsten Morgen war eine telefonische Bombendrohung im Rathaus eingegangen. Das Gebäude wurde geräumt, gefunden wurde aber nichts.

Die Reaktionen aus der Türkei seien sehr irritierend gewesen, sagte Florus. Für die Entscheidung habe es ausschließlich Sicherheitsgründe gegeben. „Wir bedauern es sehr und halten es auch schlicht für unpassend, ja überzogen, dies nun als faschistische Handlungsweise zu verun­glimpfen.“ Das seien gefährliche und undemokratische Äußerungen, die dem deutsch-türkischen Miteinander schadeten.

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