Drogen-Webshop zerschlagen

Fahnder haben nach eigenen Angaben Deutschlands größten illegalen Internet-Shop für Drogen zerschlagen. Ein Ex-VfB-Spieler wurde verhaftet.

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  • Beschlagnahmtes Koks: Eine Bande namens "Chemical-Love" soll über Online-Bestellungen mindestens 1500 Drogenverkäufe per Postversand abgewickelt haben. Jetzt verhaftete die Polizei mehrere Verdächtige. 1/2
    Beschlagnahmtes Koks: Eine Bande namens "Chemical-Love" soll über Online-Bestellungen mindestens 1500 Drogenverkäufe per Postversand abgewickelt haben. Jetzt verhaftete die Polizei mehrere Verdächtige. Foto: 
  • Unter Verdacht: Walter Kelsch, das Bild ist aus Kickers-Zeiten. 2/2
    Unter Verdacht: Walter Kelsch, das Bild ist aus Kickers-Zeiten. Foto: 
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Der ehemalige Fußball-Nationalspieler und Profi des VfB Stuttgart und der Stuttgarter Kickers, Walter Kelsch, sitzt wegen Verdacht des Drogenhandels in Untersuchungshaft. Der 60-Jährige wurde Mitte April in Stuttgart verhaftet, wie die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Verden am Montag mitteilte. Kelsch soll zusammen mit anderen Personen in Deutschlands größten illegalen Internet-Shop für Drogen verwickelt gewesen sein.

Über seine mögliche genaue Beteiligung an dem Fall wollte ein Sprecher der Anklagebehörde auf Anfrage keine genauen Angaben machen. Er gilt wohl nicht als einer der Hauptverdächtigen. Die Festnahmen von insgesamt fünf Personen erfolgte am 14. April. Sowohl in Stuttgart und in Weissach als auch im rheinland-pfälzischen Rülzheim erfolgte der Zugriff der Drogenfahnder. In Rheinland-Pfalz beschlagnahmte die Polizei in einem Haus 54 Kilogramm Amphetamine, vier Kilogramm Heroin, 1,3 Kilogramm Kokain und 25.000 Ecstasy-Tabletten. Die mutmaßliche Bande namens "Chemical-Love" soll über Online-Bestellungen mindestens 1500 Drogenverkäufe per Postversand abgewickelt haben.

Kelsch befindet sich inzwischen im Gefängnis in Stammheim. Er war einst auch Präsidiumsmitglied der Stuttgarter Kickers. Der einstige Stürmer, der in vier Länderspielen drei Tore erzielte, hat nicht nur in Niedersachsen Ärger mit der Justiz, sondern auch an seinem bisherigen Wohnort.

Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen Verdacht des Anlagebetrugs. Seit 2014 ist die Behörde aktiv, wie ein Sprecher sagte. Es gehe um Immobiliengeschäfte. Offenbar fühlten sich Geschäftspartner von dem Mann hinters Licht geführt. Der mögliche Schaden soll sich im Bereich einer sechsstelligen Summe belaufen. Nähere Angaben wollte der Sprecher nicht machen.

Die Stuttgarter Staatsanwälte waren in die Aktion ihrer niedersächsischen Kollegen wohl nicht direkt eingebunden. Dafür aber das baden-württembergische Landeskriminalamt. Die mutmaßliche Drogenbande soll das Rauschgift seit Mai 2015 sowohl im offenen Internet vertrieben haben als auch im Darknet, in dem Nutzer anonym surfen. Das sei wie bei einem normalen Online-Shop gewesen, sagte der Sprecher in Verden auf Nachfrage.

Den Angaben zufolge wurde das Rauschgift mit Bildchen angeboten und konnte per Mausklick bestellt werden. Die abgewickelten Verkäufe sollen einen Wert von mindestens 1,3 Millionen Euro haben. Pro Tag gingen den Angaben zufolge bis zu 50 Postsendungen raus. Als Bezahlung sei ausschließlich die Cyber-Währung Bitcoin akzeptiert worden. Die seit 2009 existierenden Digitalwährung wird nicht von einer Notenbank ausgegeben. Stattdessen wird sie von Nutzern kreiert, deren Computer die dafür komplexen Algorithmen berechnen.

Das verhaftete Quintett im Alter von 21 bis 60 ist in unterschiedlichen Gefängnissen. Es bestehe Verdunklungs- und Fluchtgefahr. Es soll weitere Beschuldigte geben - zwei Männer und zwei Frauen. In Holland und Bulgarien beschlagnahmte die Polizei noch mehrere Server, über den der Online-Webshop abgewickelt worden ist. Auf die Spur von "Chemical-Love" waren die Ermittler im Zuge einer internationalen Initiative zur Bekämpfung illegaler Handelsplätze im Internet gestoßen. Mittlerweile führt die Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz in Zusammenarbeit mit der Polizei Hannover die Ermittlungen.

Vertriebswege abseits der Straße

Internet Drogenhändler nutzen neben den bekannten Schmuggelrouten und dem Straßenverkauf zunehmend das virtuelle "Darknet", um ihr Rauschgift zu vertreiben. Dochdie F ahnder folgen ihnen und hatten auch schon vor der jüngsten Zerschlagung des bundesweit größten Drogen-Webshop einige Erfolge im Kampf gegen die "Underground economy".

Beschlagnahmungen "Rauschgifthändler nutzen neben ihren herkömmlichen Strukturen die vermeintlichen Anonymisierungsmöglichkeiten im Darknet aus", sagte Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA). Nach Ermittlungen in Sachsen und Nordrhein-Westfalen gegen Internethändler seien 2015 große Mengen Drogen beschlagnahmt worden. Anfang 2016 habe das BKA mit internationalen Partnern kriminelle Drogen-Onlinemarktplätze vom Netz genommen. Schnell hätten sich aber "neue kriminelle Onlinemarktplätze" gebildet, erklärte Münch.

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