Diakonie fordert mehr Geld für Schuldnerberatung

Die Zahl der überschuldeten Bürger wächst - auch im reichen Südwesten. Die Diakonie Baden verlangt mehr Geld, um Verschuldeten zu helfen.

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Trotz rekordverdächtig niedriger Arbeitslosigkeit steigt die Zahl überschuldeter Haushalte in Baden-Württemberg. "Wir brauchen dringend präventive Angebote", forderte André Peters, Finanzvorstand des Diakonischen Werkes Baden, gestern in Karlsruhe. Die Schuldnerberatung sei außerdem unterfinanziert und die Zahl der Berater unzureichend. In Stuttgart etwa müssten Verschuldete 18 Monate auf einen Termin warten, in Baden zwölf. Solche Wartezeiten seien für die Betroffenen sinnlos.

Das Geld für die Schuldnerberatung komme zu 80 Prozent vom Land; 20 Prozent müsse die Diakonie zuschießen, sagte Peters, ohne präzise Zahlen zu nennen. Präventive Angebote würden vom Land überhaupt nicht bezahlt.

Mitschuld an der Entwicklung der Überschuldung seien die Banken, sagte Vize-Vorstand Holger Hoffmann. Der Zugang zu Krediten sei viel zu einfach.

Die Quote überschuldeter Haushalte, die sich in juristischen Schwierigkeiten befinden, ist laut Armutsbericht 2015 im Vergleich zu 2012 von 4,3 auf 4,6 Prozent gestiegen. Das entspricht 400.500 Menschen, die älter als 18 Jahre sind. Eine Überschuldung liegt vor, wenn finanzielle Verpflichtungen nicht mehr aus dem laufenden Einkommen bedient werden können.

Neben der Überschuldung will die Diakonie Baden im laufenden Jahr auch die Frauen- und Altersarmut in den Blick nehmen. Unter anderem habe das neue Unterhaltsrecht, das seit 2008 gilt und Mütter mit Kindern über drei Jahren zur Arbeit verpflichtet, zur Armut von Frauen beigetragen. Da müsse der Gesetzgeber nachjustieren.

Die Flüchtlingskrise ist Schwerpunktthema Nummer drei im Jahr 2016 - und die Suche nach Sozialarbeitern inzwischen ein großes Problem, sagte Oberkirchenrat Urs Keller. Der Markt sei leergefegt. Fachkräfte seien kaum noch zu finden. Dass die Stimmung im Land zu Ungunsten der Flüchtlinge kippe, sei aus seiner Sicht aber nicht der Fall. "Das Engagement ist ungebrochen", sagte Keller.

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