Deutschkurs: Flüchtlinge müssen arbeiten

In einer Privatschule sollen Flüchtlinge zum Anstreichen herangezogen worden sein. Dabei sollten sie Deutsch lernen, bezahlt vom Jobcenter.

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"Basisqualifizierung Deutsch für Flüchtlinge" heißt der Kurs, der heute offiziell letztmals stattfindet - nach 320 Unterrichtsstunden. 25 Asylbewerber hatte das Jobcenter der Arbeitsagentur geschickt. Schulungsort ist eine Privatschule im Kreis Göppingen.

Die Klasse hat sich längst aufgelöst. Ein Syrer, der nun bei der Volkshochschule Deutsch lernt, berichtet von haarsträubenden Zuständen. Nach zwei Lehrerwechseln hätten sie eine neue Kursleiterin bekommen - die aber nur Deutsch und Russisch sprach, kein Englisch.

"Wir dachten, wir lernen jetzt viel", erzählt der syrische Flüchtling, der einen Uniabschluss hat - und meint damit keinen Crashkurs in Raumpflege und Anstreichen. Denn die Lehrerin soll eines Tages gesagt haben, dass ihr das Klassenzimmer nicht gefalle, zwei Tage mussten die Schüler ein Zimmer herrichten, putzen und umräumen.

Dann habe die Frau die Kursteilnehmer für "Praxistage" in den Keller geschickt - um Wände zu streichen. Als der Keller gestrichen war, ging der Syrer nicht mehr in die Schule - wie auch die anderen, wenigen verbliebenen Kursteilnehmer nicht. "Warum sollte ich jeden Morgen drei Kilometer dorthin laufen, um nichts zu lernen?"

Die Geschichte kam ans Tageslicht, weil der Syrer vom Jobcenter einen weiteren Deutschkurs vermittelt bekommen sollte. Doch in die Privatschule wollte er nicht gehen, das machte den Arbeitsvermittler stutzig. Er bohrte nach - bis der Flüchtling zu erzählen begann. "Wir sind auch auf Hinweise angewiesen", sagt Arbeitsagentursprecher Michael Ziegler. Die Agentur überweist 4,50 Euro pro Stunde und Teilnehmer an die Träger - macht im aktuellen Fall 3600 Euro. Für einen Kurs, der mit 25 Teilnehmern nicht zu Ende gebracht wurde.

"Das wusste ich nicht", sagt der Schulleiter, konfrontiert mit den Vorwürfen. Die Flüchtlinge hätten "auf eigenen Wunsch" ein Klassenzimmer gestrichen, sagt der Gebietsleiter der Firma. "Ich werde das jetzt bis ins Kleinste zerlegen. Wenn dem so ist, dann hat das auch personelle Konsequenzen", verspricht er.

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