Klage zurückgewiesen: Brunnen-Plätschern ist „sozial adäquat“

Der Verwaltungsgerichtshof weist eine Klage aus Ravensburg zurück. Denn sie hätten sich auch die 20 Jahre davor nicht an dem Brunnen gestört.

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Nicht nur das VGH scheint ihn zu mögen, auch einige Menschen: der Schad-Brunnen am Ravensburger Marienplatz.  Foto: 

Der Brunnen auf dem Marienplatz mitten in Ravensburg erhitzte die Gemüter, weil die 1994 aufgestellte Skulptur des Künstlers Robert Schad nicht nur auf Wohlgefallen gestoßen ist. „Caide“ – portugiesisch für Wasserfall – nannte der Bildhauer die sieben dreibeinigen Elemente aus Vierkantstahl, auf denen in fünf Metern Höhe das Wasser dem Gesetz der Schwerkraft gehorcht. Die Aufregung hat sich mit der Zeit weitgehend gelegt. Doch nach zwanzig Jahren musste sich doch noch der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim mit diesem Brunnen und den damit verbundenen Auswirkungen akustischer Art befassen.

Anwohner des Marienplatzes fühlten sich von den Kaskaden derart gestört, dass sie vor Gericht zogen. Weil die Stadt den ihrer Ansicht nach gesundheitsschädlichen Lärm nicht beenden wollte, riefen die Kläger das Verwaltungsgericht in Sigmaringen an. Dieses erteilte ihnen aber eine deutliche Abfuhr, die vom VGH als der höheren Instanz nicht minder eindeutig und unanfechtbar bestätigt worden ist.

Loblied auf den Brunnen

„Schädliche Umwelteinwirkungen“, womit erhebliche Nachteile oder Belästigungen gemeint wären, gingen von dem Brunnen nicht aus, urteilten die Richter. Ganz im Gegenteil: Die Geräusche von Brunnen seien sogar „sozial adäquat“. Anders als die empfindlichen Anwohner des Marienplatzes von Ravensburg sind die Juristen überzeugt, dass das „Naturgeräusch“ ein angenehmer Hinweis sei „auf die Bedeutung von Wasser für die Gründung menschlicher Siedlungen im Allgemeinen“, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Urteil. Was von solchen Brunnen ans Ohr dringe, werde auf öffentlichen Plätzen „als positiv wahrgenommen“.

In ihrem Loblied auf den Brunnen hoben beide Instanzen unisono hervor, dass diese künstlerisch gestalteten Wasserstellen „das Stadtbild aufwerten, zum Treffpunkt dienen, zum Verweilen und im Sommer auch zur Abkühlung einladen und damit zur Steigerung der Lebensqualität innerstädtischer Bereiche wesentlich beitragen“.

20 Jahre nicht beschwert

Der 10. Senat des VGH vermochte auch nicht zu verstehen, warum die Kläger erst jetzt dem missliebigen Brunnen das Wasser abdrehen wollen. Zwanzig Jahre lang hatten sie sich nicht beschwert, ist in der Begründung nachzulesen. Bis 8. Juli 2014 seien sie sogar noch stärkeren Geräuschen selbst während der „besonders kritischen Nachtzeit“ ausgesetzt gewesen, ehe der Wasserdurchlauf auf die Zeiten zwischen 10 und 20 Uhr begrenzt wurde. Offenbar, vermutete der VGH-Senat, hat das Paar erst im Ruhestand bemerkt, wie sehr es unter dem Brunnen tagsüber zu leiden hat. Aber durch die „jahrelange Untätigkeit und Hinnahme der Brunnengeräusche“ hätten sie ihren Anspruch auf „immissionsschutzrechtliches Einschreiten“ verwirkt.

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