Claus Schmiedel: Jetzt müssen neue Leute ran

Wir laufen uns noch über den Weg", sagt Claus Schmiedel beim Hinausgehen. So selbstverständlich klingt's, dass man gleich zu grübeln beginnt, ob man nicht noch intensiver hätte fragen müssen nach seinen Plänen. Zukunft?

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Dabei räumt der 65-Jährige gerade sein Büro leer, nach acht Jahren an der Spitze der SPD-Fraktion und fast einem Vierteljahrhundert im Parlament. Die Zeit als Berufspolitiker ist vorbei, gewiss, "irgendwann hat alles ein Ende". Aber auf die letzten fünf Jahre an vorderster Front könne er mit einer gewissen Befriedigung und dankbar zurückblicken.

Dass er womöglich rausgewählt wird, war ihm schon länger klar, "insofern hat's mich nicht so gezwirbelt." Aber die Dramatik, die im Wahlergebnis für die quasi halbierte Landes-SPD liegt, die treibt ihn weiter um: "Ich werde mich eher erholen als die SPD."

Erholen von den "Tsunamis" der Kretschmann-Begeisterung einerseits und der Wut-und Angstbürger andererseits, die gemeinsam die SPD hinweggefegt haben. Doch hinter der Niederlage stecke mehr, analysiert Schmiedel: die fehlende Verknüpfung beim Wähler von Zukunftsfähigkeit und Sozialdemokratie. 150 Jahre Kampf für Sicherheit, Chancengleichheit, Gerechtigkeit waren nicht folgenlos, "wir leben in einer sozialdemokratisierten Welt". Und zwar so selbstverständlich, dass man jetzt Antworten formulieren müsse, die über den Markenkern der SPD, also den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft, hinausführten. Und dann entwickelt Schmiedel, dem es an Ideen für seine Fraktion noch nie gemangelt hat, eine Fülle von Entwürfen für alle Parteiebenen, dass man glauben möchte, er bewerbe sich um den Job als Generalsekretär.

Der Landtag wird ohne Claus Schmiedel auskommen, aber auch die SPD? "Man soll sich nicht so wichtig nehmen", es würden sich schon neue Leitfiguren herauskristallisieren, mit eigenem Stil. Und mit leichtem Seitenhieb gegen Nils Schmid: Man müsse künftig schon berücksichtigen, wie Einzelne nach außen wirken; reine Sachlichkeit sei zu wenig. Er selbst aber wolle keine wichtige Rolle mehr spielen, "die Zeiten sind rum. Das müssen neue Leute stemmen". Einer wie Andreas Stoch, sein schon gewählter Nachfolger? Ja, sagt Schmiedel, "der hat sich Respekt erarbeitet, der wird schon wahrnehmbar sein". Alles andere ergebe sich vor dem Parteitag, wenn "wir" eine neue Aufstellung machen. Wir, denn Schmiedel sitzt ja noch im Vorstand der Landes-SPD. Führungsfragen indes seien erst am Schluss zu beantworten, "da bin ich ganz bei Nils Schmid".

Wer jetzt das Personalkarussell in Gang setze, "der geht den Ursachen nicht auf den Grund". Und Claus Schmiedel der Politik nicht endgültig verloren: Er wird nicht nur zu Hause die Familie bekochen, sondern wieder aktiver mitarbeiten bei der Steinbeis-Hochschule. "Ich kann schließlich nicht daheim sitzen und zugucken, wie die Tomaten wachsen. Das wäre ein bisschen zu wenig.

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