CDU soll grüner werden

Die CDU steht vor einer Gratwanderung: Um für weibliche Wähler attraktiv zu werden, muss die Partei grüner, moderner und emanzipatorischer werden. Ihre männliche Klientel will aber keinen Kurswechsel.

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Im Ringen um weibliche Wähler hat die Südwest-CDU bislang nicht nur auf die falschen Themen gesetzt. Sie hat auch bei ihrer Kernkompetenz, der Wirtschaft, die Meinungsführerschaft an die Grünen verloren. Das ist das Ergebnis einer von der CDU in Auftrag gegebenen, repräsentativen Telefonumfrage, die durch eine Straßen- und eine Online-Umfrage flankiert wurde. Danach trauen die Frauen im Land der Ökopartei die Sicherung des Wohlstands eher zu als der CDU. Die Männer dagegen sehen Grün und Schwarz bei Fragen der Wirtschaft und der Versorgung mit bezahlbarer Energie immerhin als gleich kompetent an.

Beim für die Bevölkerung wichtigsten Thema Umweltschutz haben die Grünen bei Frauen wie Männern einen großen Kompetenzvorsprung. Beim zweitwichtigsten Thema Alterssicherung wie auch bei der Sozial- und Jugendpolitik trauen die Wähler der SPD am meisten zu. Die CDU liegt in keinem relevanten Bereich an der Spitze.

"Die Kompetenzzuweisungen sind aus Sicht der CDU zum Teil erschütternd", sagte der Stuttgarter Politikprofessor Oscar Gabriel, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat, gestern bei der Vorstellung der Daten. Von einem "ernüchternden Ergebnis" sprach CDU-Landeschef Thomas Strobl. Er sieht die Umfrage aber auch als Grundlage für die "Neuausrichtung und Neupositionierung" des Landesverbands.

"Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Sehnsüchte heute andere sind als noch vor 40, 25 oder zehn Jahren" analysierte Strobl. Der alte Wachstumsbegriff sei für die Lebenszufriedenheit der Menschen nicht mehr maßgeblich. "Die Grünen verkörpern ein Lebensgefühl - bei der Kultur, bei der Umwelt, bei der Bildung."

Die Bürger wollten zwar Wohlstand. "Aber sie wollen nicht, dass die Chemiefabrik oder der Bahnhof vor ihrer Tür gebaut wird." Das sei ein Widerspruch, mit dem sich auch seine Partei auseinandersetzen müsse. "Die CDU muss aufpassen, dass sie nicht zum Opfer ihres eigenen Erfolgs wird."

Strobl fordert daher, dass "die CDU ihre erfolgreiche Erzählung von wirtschaftlichem Wachstum mit Gleichberechtigung und Umweltschutz verbindet". Ähnlich klingt Gabriels Ratschlag: "Die CDU muss sich von der thematischen Verengung auf Wirtschaft und Sicherheit lösen und ihre traditionellen Kompetenzprofile mit neuen Herausforderungen verknüpfen."

Der angepeilte Weg ist indes eine Gratwanderung. Denn laut der Umfrage teilen CDU-affine Frauen bei vielen Themen die Ansichten des Bevölkerungsdurchschnitts. Sie wünschen sich eine Frauenquote, mehr Bürgerbeteiligung und Ganztagsbetreuung. Der durchschnittliche männliche CDU-Anhänger teilt diese Ansichten nicht. "Ich erwarte keine Flügelkämpfe, aber Diskussionen", sagte Strobl dazu.

Bis zur Klausurtagung des Landesverbands im Januar 2013 soll eine Arbeitsgruppe unter Strobls Leitung ein Strategiepapier erarbeiten. Das Ziel ist dabei klar: Die CDU soll deutlich mehr Frauen als bisher erreichen. Bei der verlorenen Landtagswahl 2011 musste die Partei bei den weiblichen Wählern starke Verluste hinnehmen. Nur 22 Prozent der CDU-Mitglieder im Land sind Frauen. "Mehr Frauen in der CDU, mehr Frauen in unseren Vorständen und mehr weibliche Mandatsträger auf allen Ebenen können unsere Politik wieder näher an die Lebenswirklichkeit der Menschen im Land bringen", sagte die Landesvorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz.

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