CDU setzt auf Politik des Gehörtwerdens

Nicht nur Grün-Rot, auch die CDU im Land betreibt jetzt eine Politik des Gehörtwerdens. In Regionalkonferenzen schaut sie dem Parteivolk aufs Maul.

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Die Basis sagt, was anliegt: CDU-Landeschef Thomas Strobl. Foto: dpa

Kein Parteimitglied muss mehr befürchten, wegen kritischen Fragen in die Ecke gestellt zu werden. So machte der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl den versammelten Parteiangehörigen im Lokschuppen von Münsingen (Kreis Reutlingen) Mut. "Nicht Akklamation, sondern Diskussion wollen wir haben", betonte Strobl. In dieser ersten von vier Basiskonferenzen in den Bezirksverbänden konnten die Christdemokraten ihren Kropf lehren. Sie teilten unverblümt mit, wo ihnen der Schuh drückt und was ihnen nicht passt an der Politik der eigenen Partei.

Nacheinander traten die Menschen von der Basis ans Mikrofon. Die Partei solle sich endlich auf die Einführung einer allgemeinen Autobahn-Maut festlegen, forderte etwa eine Frau aus der Mittelstandsvereinigung. Ein Unternehmer verlangte von der CDU, sie solle sich ganz und gar zur Energiewende bekennen. Die Einspeisevergütung reduzieren - "Leut, des goht etta", mahnte der Mann von der Alb.

So kam ein Thema nach dem anderen zur Sprache und es entstand ein buntes Bild der Meinungen. Ein Bauer bat, die Biogaserzeugung mit Mais zu reduzieren, weil sonst die Pachtpreise explodierten. Ein Beitrag, der Unzufriedenheit mit der Rentenpolitik ausdrückte, führte zu einem Disput mit der Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz.

Strobl und der Bezirksvorsitzende Thomas Bareiß indes reagierten moderat und elastisch auf die Kritik der Parteimitglieder. Sie machten deutlich: Die Politik des Gehörtwerdens - das gehört jetzt zum Instrumentarium der CDU. Der Reutlinger Kreisvorsitzende Florian Weller formulierte es so: "In der CDU geht es auch anders, lockerer. Und Streiten und Diskutieren kann Spaß machen." Einen Einwurf, den Frauen in der Partei mehr Geltung einzuräumen, griff Strobl dankbar auf. "Kluge Orts- und Fraktionsvorsitzende", sagte er, "sind schon vor der Bundestagswahl unterwegs und suchen nach attraktiven Damen für die Kommunalwahl in zwei Jahren."

Da die CDU im Lokschuppen tagte, drängte sich dem südwürttembergischen Vorsitzenden Bareiß eine nahe liegende Metapher auf. Die CDU stehe wie eine Lokomotive unter Dampf, sagte der Abgeordnete, und wenn eine Lok in Fahrt ist, "ist sie nicht mehr aufzuhalten".

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