Hechinger Bürgermeisterin Dorothea Bachmann bleibt abgetaucht

Seit Monaten ist die Hechinger Bürgermeisterin Dorothea Bachmann krankgeschrieben, selbst ihre Adresse ist unbekannt. Ihrer Beliebtheit tut das wenig Abbruch.

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Unklare Zukunft: Bürgermeisterin Dorothea Bachmann.  Foto: 

Bürgermeister“ steht groß über dem klassizistischen Türbogen im ersten Stock des Rathauses von Hechingen (Zollernalbkreis). Seit Januar 2012 hat die Sache einen Haken: Bürgermeisterin müsste da stehen. Damals hatte erstmals in der Stadtgeschichte eine Frau den Posten angetreten. Dorothea Bachmann (51), zuvor Verwaltungschefin in Freudental bei Ludwigsburg, war gleich im ersten Wahlgang mit satter Mehrheit gewählt worden.

Inzwischen stimmt die Bezeichnung des Amtszimmers aus ganz anderem Grund nicht mehr: Seit acht Monaten steht es leer. Das Stadtoberhaupt kann seinen Dienst seit März nicht ausfüllen. Das lässt sich die Bürgermeisterin regelmäßig ärztlich bestätigen. Zuletzt wurde Bachmann bis Silvester krankgeschrieben. Die Kontakte zur Verwaltung sind seit Wochen abgebrochen, nur per Anwalt wird noch kommuniziert. Wo sich die zuletzt wohnsitzlose Diplom-Verwaltungswirtin aufhält, ist nicht bekannt. Ein Hechinger will sie am Bodensee gesichtet haben.

Der Fall Bachmann ist kein Beispiel für die Reihe „unfähiger Schultes ist nicht loszuwerden“, er hat auch tragische Züge. Die Frau, ausgestattet mit enormer Volksnähe, hatte ihr Amt mit viel neuem Schwung angetreten und Hechingen gleich den millionenschweren Hochwasserschutz besorgt, den ihr Vorgänger schon abgehakt hatte. Hartnäckigkeit und Verbindungen in die Landesregierung haben es möglich gemacht. Mit ihrem großen Wahlkampfthema, der Wiederbelebung der Innenstadt, scheiterte sie aber – der Denkmalschutz verhinderte die spektakuläre Idee eines Kaufhauses im Rathaus. In Luft aufgelöst hat sich auch ihre Idee einer Seilbahn zwischen Hechingen und dem Touristenmagnet Burg Hohenzollern.

Private Turbulenzen

Stattdessen gab es private Tiefschläge: Einem Unfall beim Joggen im Sommer 2016 mit langen Krankheitszeiten folgte im März die Trennung vom Ehemann unter Polizeischutz. Seither ist Bachmann dienstunfähig. Es folgten Schlagzeilen in Boulevardmedien: Ein Schäferstündchen im Dienstwagen am Bodensee wurde sogar von Privatsendern im TV nachgestellt. Ihr Mann hatte sie dort mit ihrem neuen Begleiter überrascht, es kam zum Einsatz von Pfefferspray – und wieder der Polizei. Ein Verfahren gegen ihren Mann, der die Gattin per Peilsender verfolgt haben soll, wurde nun eingestellt. Ein Urlaub in Montenegro, der Heimat ihres neuen Begleiters, schaffte es erneut in die Medien.

Wer nun glaubt, dass die absente Bürgermeisterin in der Stadt untendurch gewesen wäre, liegt falsch. In der Bevölkerung ist „Dorle“, wie sie von vielen genannt wird, nach wie vor beliebt. Die Berichterstattung über den Fall war vielen Hechingern zuwider, die Bachmann (nicht zu unrecht) als Opfer eines rabiaten Ehemanns und reißerischer Boulevardmedien sahen. Tenor: Die Frau ist krank, lasst sie in Ruhe!

Am Kranksein zweifelt wohl niemand. Allerdings sind mit der Zeit vor allem im Gemeinderat die Stimmen laut geworden, die wissen wollen, wie es denn nun weitergeht: Kommt sie wieder, bleibt sie weg? Eine Antwort gibt es bis heute nicht. Landrat Günther-Martin Pauli (CDU) schaffte es als Dienstherr zwar, dass die Bürgermeisterin sich amtsärztlich untersuchen ließ, aber das brachte ihn nicht weiter. Binnen sechs Monaten bestehe die Chance auf Wiedereingliederung, hieß es im Attest. Die Frist ist noch lange nicht abgelaufen. Gemeinderatsfraktionen und Landrat schieben sich seither den Schwarzen Peter zu. Jetzt will Pauli nachlegen: Noch dieses Jahr soll ein zweites Gutachten erstellt werden. Damit will der Landrat die kranke Verwaltungschefin dazu bewegen, sich vorzeitig in Pension zu begeben. Doch es gibt Zweifel, ob das klappt.

Pauli tut deshalb das, was alle Landräte in solchen Situationen tun: Er fordert Änderungen in der Gemeindeordnung. Die macht es schwer, gewählte Bürgermeister vor Ablauf ihrer Amtszeit abzusetzen. Dorothea Bachmann hätte sich schon schwerwiegende Vergehen leisten müssen. Hat sie aber nicht. Oder sie hätte Hechingen ins Chaos versetzen müssen.

Dass das nicht geschehen ist, dafür sorgt der Erste Beigeordnete. Philipp Hahn (38), von Bachmann vor vier Jahren aus Stuttgart geholt, macht einen exzellenten Job als Stellvertreter. In Hechingen, so sagen viele Stadträte, laufe es seither deutlich besser. Bei der CDU ist Hahn diese Woche zum Bürgermeister-Kandidaten ausgerufen worden. Er selbst hat dazu nichts gesagt. Wenn es dumm läuft, muss er den Vize noch bis Ende 2019 machen. Dann ist die Amtszeit von Dorothea Bachmann offiziell zu Ende.

Ein Bürgermeister wird im Südwesten für acht Jahre gewählt. Politisch kann ihm so lange nichts passieren: Ein Abwahlverfahren wie in anderen Bundesländern gibt es nicht, auch Aufsichtsbehörden haben wenig Handhabe. Eine Amtsenthebung kann nur ein Verwaltungsgericht bei schwersten Missständen verfügen. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen kann Dienstunfähigkeit attestiert werden. Auch hier sind Klagen durch mehrere Instanzen möglich. eb

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Kommentare

11.12.2017 08:08 Uhr

Noch einer .........

dem diese "pro Bachmann"-Journalistenleistung auffällt! Sind also nicht alle Bürger so blind, demütig und kritiklos gegenüber der - vor allem "Hechinger" Presse! Das freut mich. Aber schon allein die von der HZ ins Leben gerufene "Pro Dorle" Facebook-Seite verrät ja dem kritischen Bürger, woher der Wind bläst bei der Hechinger Redaktion! Die "Pflege" der Seite läßt allerdings sehr zu wünschen übrig ............... schon blöd, wenn man von der protegierten Person dann auch noch komplett links liegen gelassen wird und sich die Informationen, die über sie bekannt werden, teils aus anderen - nicht im Hechinger Bezirk ansässigen - Journalistenkollegen vor"schreiben" lassen muss ........... Peinlich, ärmlich und sehr durchsichtig!

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10.12.2017 15:02 Uhr

Dorothea Bachmann

Seit Wochen/ Monaten wird mit gleich-/ ähnlich lautenden wohlwollenden (nicht NEUTRALEN !) "Berichterstattungen" für diese noch Bürgermeisterin an imaginären Leser-Sympathierädern gedreht - Warum ??
- Sind es schlicht weg Lückenfüller - das wäre nur zu peinlich;
- Wer muss hier für Frau B aus H die Fahne hochhalten?
Stoppen Sie diese protegierenden Massensendungen; die Tage der Frau B sind gezählt;
Nur noch ein drei-Zeiler bei wirklichen Neuigkeiten - danke!

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27.11.2017 09:18 Uhr

Was soll das sein?

Ein neutral berichtender Artikel oder ein Kommentar? - Ich tippe auf letzteres, denn er enthält persönliche Meinungen und stellt Behauptungen auf - allerdings ohne Belege!
Wenn die Dame - Zitat: "In der Bevölkerung ist „Dorle“, wie sie von vielen genannt wird, nach wie vor beliebt." nach wie vor so beliebt ist, warum ist dann z.B. die extra ins Leben gerufene "pro Dorle"-Seite auf Facebook seit Monaten (genauer gesagt seit Juni 2017) nahezu tot? Dort haben sich doch die "Dorle-Sympathisanten" gegenseitig in ihren Sympathie- und Durchhalte-Bekundungen überboten ............... um dann ganz plötzlich in absolutes Schweigen zu verfallen. "Nach wie vor Beliebtheit" sieht in meinen Augen anders aus.
Was mich auch einmal interessieren würde und einem neutral berichtenden und recherchierenden Journalisten eigentlich auch auffallen müsste: In Deutschland gilt m.W. eine "Meldepflicht", d.h. man MUSS sich an seinem Wohnsitz anmelden. Gilt das für abtauchende Bürgermeisterinnen nicht? Nicht einmal ihrem Dienstherrn ist ihre Meldeadresse bekannt ................ das widerspricht eindeutig dem Beamtengesetz und den dazu gängigen Vorschriften bzw. Konsequenzen bei Zuwiderhandlungen! Aber für Frau Bürgermeisterin werden diese Vorschriften anscheinend "personenbezogen" ausgelegt. Dass diese Frau ihr Amt nicht mehr ausführen KANN - als Vorbild und Respektsperson einer Stadt - liegt wohl auf der Hand!

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