Bürgermeister-Kandidatur von Neonazi Worch löst Unruhe aus

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Der Rechtsradikale Christian Worch. Foto: Peter Steffen/Archiv

Die Bürgermeister-Kandidatur des Neonazis Christian Worch sorgt im badischen Au am Rhein (Kreis Rastatt) für Unruhe. Der 60-Jährige ist Bundesvorsitzender der vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremistischen Kleinpartei Die Rechte. Wie die 3300-Einwohner-Gemeinde am Freitag bestätigte, will der bundesweit bekannte Rechtsextreme als einer von fünf Kandidaten zur Bürgermeisterwahl am 26. März antreten.

„Wir sind nicht begeistert“, sagte ein Rathaussprecher. Die Prüfung durch die Kommunalaufsicht habe aber ergeben, dass der umstrittene Kandidat zugelassen werden müsse. Darüber hatten die „Badischen Neuesten Nachrichten“ und das „Badische Tagblatt“ berichtet.

In Au am Rhein fragt man sich, welche Ziele der Gründer der Partei Die Rechte hat. Der in Mecklenburg-Pommern lebende Worch habe nichts mit dem Ort zu tun. „Die Kandidatur kommt vollkommen überraschend“, so der Rathaussprecher. Es gebe hier keine rechte Szene. Vor Ort befürchtet man, dass Worch mit seinen Gesinnungsgenossen den Bürgermeisterwahlkampf als Propaganda-Plattform für eine größere Rechten-Versammlung am 3. Juni in Karlsruhe missbrauchen könnte.

Worchs neonazistisch ausgerichtete Partei hatte 2013 einen Landesverband Baden-Württemberg gegründet, der laut Verfassungsschutz etwa 80 Mitglieder zählt. Die Bundespartei hatte Worch 2012 in Hamburg mit ehemaligen Mitgliedern der rechtsextremen DVU aus der Taufe gehoben. Sie zählt ihm zufolge „unter 1000 Mitglieder“, der Verfassungsschutz sprach 2015 von 650 Mitgliedern.

Worch selbst erklärte die Kandidatur in Au am Rhein auf Anfrage mit dem Versuch seiner Partei, mehr auf kommunaler Ebene Fuß fassen zu wollen - auch mit Blick auf die Bundestagswahl. Zur Vorstellung der Kandidaten für die Nachfolge des langjährigen CDU-Bürgermeisters Hartwig Rihm am kommenden Mittwoch (15. März) will er kommen. Der Vorteil einer Kandidatur in einer kleinen Gemeinde: Im Gegensatz zu größeren Städten bedarf es keiner Unterstützerunterschriften.

Der gelernte Notargehilfe Worch wurde wiederholt verurteilt, unter anderem wegen Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen. Seine letzte Verurteilung war ihm zufolge 1994 - nicht wählbar laut Gemeindeordnung wäre er jedoch nur, wenn er in den letzten fünf Jahren verurteilt worden wäre. Worch lebt in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) und arbeitet nach eigenen Angaben als Taxifahrer.

Der Landkreis Rastatt machte schon früher Schlagzeilen wegen Neonazis: Mehrere Konzerte mit Skinhead- und Neonazi-Bands im Gasthaus „Rössle“ in Rheinmünster-Söllingen sorgten 2013 für Proteste in der Bevölkerung. Der Kreis mietete die Raststätte daraufhin für einen Abfallwirtschaftsbetrieb an. Heute werden dort Altkleider gesammelt und wiederverwertet, so eine Behördensprecherin am Freitag.

Au am Rhein zur Bürgermeisterwahl

Verfassungsschutzbericht zur Partei

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