Bruchlandung im Wipfel

Nach einer Bruchlandung in einem Baum musste im Kreis Göppingen ein Pilot die Nacht in seinem Flugzeug verbringen. Gestern wurde er gerettet.

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  • Das Ultraleichtflugzeug war am 15.08.2016 in dem bergigen Gelände abgestürzt. Eine Bergung war nicht möglich, so dass der leicht verletzte Pilot die Nacht in dem Flugzeug verbringen musste. 1/2
    Das Ultraleichtflugzeug war am 15.08.2016 in dem bergigen Gelände abgestürzt. Eine Bergung war nicht möglich, so dass der leicht verletzte Pilot die Nacht in dem Flugzeug verbringen musste. Foto: 
  • Zeichnungen sollten den Hilfskräften die Lage des abgestürzten Ultraleichtflugzeugs in einem Waldgebiet im Kreis Göppingen zeigen. Der Pilot war zuvor mit seiner Maschine in der Krone eines Baumes gelandet. Dort übernachtete er im Cockpit. Gestern Morgen wurde er gerettet.  2/2
    Zeichnungen sollten den Hilfskräften die Lage des abgestürzten Ultraleichtflugzeugs in einem Waldgebiet im Kreis Göppingen zeigen. Der Pilot war zuvor mit seiner Maschine in der Krone eines Baumes gelandet. Dort übernachtete er im Cockpit. Gestern Morgen wurde er gerettet.  Foto: 
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Als am Dienstag gegen 12 Uhr  Rauch im Wald unterhalb von Weißenstein (Kreis Göppingen) aufstieg, war klar: Die Bergung des Ultraleichtflugzeugs vom Typ „Motte“ war fehlgeschlagen, die Maschine in Flammen aufgegangen. Doch weit wichtiger war, dass der Pilot die Bruchlandung in einem Baumwipfel nicht nur überlebt hatte, sondern gänzlich unverletzt geblieben war.

Gegen 10 Uhr fährt ein Rettungswagen einen Weg am Rand der Lützelalb im Lautertal zwischen Weißenstein und Degenfeld hinunter. An Bord: Der 59-Jährige Hobbyflieger aus dem Kreis Göppingen, der am Vorabend mit seinem Flugzeug in knapp 30 Metern Höhe in einem Baumwipfel gelandet war. Dort hing die blau-gelbe Maschine fest, unter ihr baumelte ein roter Fallschirm. Der gehört zum Rettungssystem der „Motte“, der Pilot hatte es ausgelöst und war samt Flugzeug in der Krone einer Buche gelandet.

Warum der Mann den Fallschirm ausgelöst hat, war gestern unklar. Die Polizei ging zwar von einem technischen Defekt der Maschine aus. Doch nun muss das ausgebrannte Wrack zuerst einmal untersucht werden.  Das Feuer war bei der Bergung ausgebrochen, nachdem Waldarbeiter die Buche, in deren Krone die „Motte“ hing, gefällt hatten. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatten sich auslaufendes Benzin und Schmierstoffe entzündet. Nur noch der dünne Alu-Rahmen ist von dem rund 25 000 Euro teuren Sportgerät übrig geblieben.

Begonnen hatte alles mit einem Tagesausflug bei schönem Wetter. Gegen 10.30 Uhr war der Mann mit einem Bekannten, der eine zweite Maschine flog, auf dem Sportflugplatz Hornberg bei Schwäbisch Gmünd gestartet. Als der Bekannte abends um kurz nach 20 Uhr wieder auf dem Hornberg landete, war die „Motte“ verschwunden – der  Pilot, nach Informationen unserer Zeitung ein Mitglied der Fliegergruppe Waldstetten,  hatte den Tower bereits über seine Bruchlandung informiert. Sofort startete der zweite Flieger wieder, um die havarierte Maschine zu orten, das gelang dem Piloten recht schnell: In 3,5 Kilometern Entfernung entdeckte er das auffällige Fluggerät auf dem Baumwipfel, rund 200 Meter vom Waldrand entfernt an einem steilen und unzugänglichen Hang. Er informierte die Rettungskräfte. Um 20.20 Uhr wurde die Bergwacht Schwäbisch Gmünd alarmiert – irrtümlich ging die Leitstelle in Aalen zu diesem Zeitpunkt davon aus, das Unglück sei auf Gemarkung Degenfeld (ein Stadtteil von Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis) geschehen. Erst gestern Morgen stellte sich heraus, dass die Havarie im Kreis Göppingen auf dem Gebiet der Stadt Lauterstein stattgefunden hatte.

Die Retter sind schnell vor Ort, bis um zwei Uhr nachts sind rund 100 Helfer am Waldrand, berichtet der Sprecher der Göppinger Bergwacht, Raimund Wimmer. Aus Bayern kommt ein Hubschrauber der Bundeswehr, auch ein Helikopter der Polizei ist im Einsatz. Die Bundeswehrmaschine unternimmt einen Versuch, den Piloten aus seiner misslichen Lage zu befreien –  doch der Abwind der Rotorblätter ist zu stark.

Der  Mann muss die Nacht in seinem offenen Cockpit verbringen. Im Morgengrauen unternehmen die Retter einen erneuten Anlauf. Jochen Dikel von der Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Stuttgart ist ab 5 Uhr mit vier Kollegen an der Unglücksstelle. Die Männer von der Bergwacht klettern auf zwei benachbarte Bäume und sichern den Flieger mit Spanngurten. Dikel klettert seinerseits auf den Baum mit der Unglücksmaschine und versucht, den Piloten mit Hilfe einer Winde zu bergen. Das Vorhaben klappt.

„Der Pilot hat einen stabilen Eindruck gemacht und konnte selbstständig aus dem Cockpit aussteigen“, berichtet Dikel. Für die Helfer werde die Rettungsaktion in die Geschichte eingehen, glaubt er: „Ja schon, das war ein absolut außergewöhnlicher Einsatz.“

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