Brokkoli für den Kinderteller

Brokkoli, so lecker, dass sogar Kinder sich danach die Lippen lecken. Dieses große Ziel haben sich drei Forscher der Uni Hohenheim gesetzt. Die kleinen Probeesser im Test langen nicht alle begeistert zu.

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Johanna gefällt die Blitzlicht-Brokkoli-Kombination in der "Speisemeisterei" nicht. Erst, als niemand mehr hinschaut, langt sie zu. Foto: Dana Hoffmann

Brokkoli. Brokkoli. Immer nur: Brokkoli. Insgesamt vier Portionen kommen nacheinander auf den Tisch. Vier Schälchen aus feinstem Porzellan. Mit Brokkoli. Und während Jakob sogleich die Gabel in die saftig grüne Blume stößt, blicken Johanna und Marlene skeptisch drein.

Die drei Kindergartenkinder sind Teil einer Fachjury bei einem harten Test umrahmt von Blattgold, Stuck und Spiegeln. "Überlegen im Geschmack" und "das ideale Kindergemüse" seien die neuen Öko-Brokkoli-Sorten aus ihrem Forschungsprojekt, behaupten drei Studierende der Uni Hohenheim. Im Sterne-Restaurant "Speisemeisterei" wurden gestern die Ergebnisse präsentiert. Es soll eine Rückbesinnung auf alte Werte sein: "Unser Projekt versucht die alten, samenfesten Brokkoli-Sorten weiterzuentwickeln, die fast schon in Vergessenheit geraten waren", sagt Stefanie Wolf, Projektbetreuerin am Lehrstuhl für Pflanzenbau.

Die Rückzüchtung traditioneller Sorten hat nicht nur geschmackliche Gründe: Die massentauglichen Arten im Supermarkt sind meist Kreuzungen. Brokkoli mit Brokkoli oder Brokkoli mit Rettich für einen intensiveren Geschmack - der Prozess der Zell-Verschmelzung zur Züchtung von CMS-Hybriden ist ein gängiges Instrument. Allerdings dürfen die Produkte solcher als "gentechnisch-ähnlich" eingestuften Prozesse künftig kein Öko-Siegel mehr tragen. Zudem dominieren diese Kreuzungen den Markt bereits in einem so sehr, dass nur noch wenige verschiedene Sorten erhältlich sind. Diese Verarmung könne, sagt Wolf, allein durch das Anlegen von Samenbanken nicht kompensiert werden. "Denn wirksame Vielfalt muss in die Nutzung, also auf Acker und Teller kommen."

In dem Schälchen auf dem Tisch vor Johanna liegen immer noch die Bröckchen der ersten Runde. Auch die liebevolle Überzeugungsarbeit ihrer Mutter kann sie nicht dazu bringen, die Gabel in die Hand und den Brokkoli in den Mund zu nehmen. Erst, als das Blitzlichtgewitter abzieht, langt Johanna zu, und auch Tischnachbarin Marlene ist jetzt dabei.

Aber das Urteil der Mädchen hätte ohnehin nichts mehr am Forschungsergebnis geändert: In mehreren Testreihen wurden vier alte Sorten von geschulten und ungeübten Probanten auf Farbe, Geruch und Geschmack geprüft. Als klarer Favorit ist hier "Micha" hervorgegangen: Der ursprünglich aus der DDR stammende Brokkoli überzeugte die Probe-Esser durch Geschmack und Süße - vor allem im Rohzustand. Gourmetkoch Frank Oehler, der sich gestern ebenfalls durch das grüne Angebot probierte, hat hingegen nur ein schwaches Urteil für "Micha" parat: "Also meine Papillen schlagen da jetzt keine Kapriolen."

Deutlich angetaner waren Oehlers Geschmacksknospen von Nummer drei im Rennen: "Ramoso Calabrese" ist bereits wieder im Handel erhältlich und vor allem bei Hobbygärtnern sehr beliebt. "Mördergeil", sagt Oehler und kündigt an, Ramoso in sein kulinarisches Programm integrieren zu wollen.

Test-Esser Jakob hat keinen Liebling unter den Brokkoli-Sorten. Mit sichtlichem Genuss verputzt der Dreijährige auch die vierte Portion und strahlt in eine der vielen Kameras: "Lecker", ist sein allgemeingültiges Urteil.

Dass Brokkoli trotz seines typisch süßen Geschmacks bei Kindern nicht gerade als Renner unter den Gemüsen gilt, liegt an den oft bitter-scharf schmeckenden Senfölen. Deren krebshemmende und antioxidative Wirkung ist es aber zugleich, die Brokkoli und seine Artverwandten so gesund machen. Für Jakob ist es schon jetzt das ideale Kindergemüse. Und sein Vater meint: "Wenn die Eltern sich mehr Mühe geben würden, wäre Brokkoli überhaupt kein Problem."

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