Brandstifter hoffte auf besseres Los im Jenseits

Ein 42-jähriger Münsinger hatte im November sein Haus angezündet, um seine Familie zu töten. Beim Prozessauftakt gestern gestand er die Tat.

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Er wollte seine Frau und seine vier Kinder verbrennen - und hoffte, dass nach dem Tod alles besser würde. Ein 42-Jähriger hat gestern gestanden, in einer November-Nacht 2012sein eigenes Haus in Münsingen (Kreis Reutlingen) angezündet zu haben. Er habe den Gedanken nicht ertragen, dass seine Frau ihn samt der Kinder verlasse, erklärte er vor dem Landgericht Tübingen. "Ich wollte alle mitnehmen und im nächsten Leben wieder zusammen sein."

Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als versuchten Mord in fünf Fällen. Der Mann sei sehr gezielt vorgegangen: Acht Kanister mit Heizöl habe er ins Haus getragen und im ersten Stock verteilt. Vor die Schlafzimmer hatte er mit Öl getränkte Kleidung gelegt. Laut Staatsanwaltschaft wurde die Ehefrau rechtzeitig wach. Zwar sei es ihr nicht gelungen, die Brandstiftung zu verhindern. Aber sie schlug Alarm und verhinderte so Schlimmeres.

Als erstes war ein Nachbar am brennenden Haus. Er stellte eine Leiter an ein Kinderzimmer, über die ein neunjähriges Mädchen und ein siebenjähriger Junge herunterkletterten. Ein Feuerwehrmann drang mit Spezialkleidung ins Haus ein, in dem sich die Flammen rasch ausgebreitet hatten. Er brachte die beiden zweijährigen Zwillinge in Sicherheit. Auch den 42-Jährigen retteten die Einsatzkräfte: Er war nach der Brandstiftung in sein Zimmer gegangen und hatte die Rettungsaktionen von dort aus beobachtet.

Seine Tat war der Tiefpunkt eines jahrelangen Ehestreits und finanzieller Probleme. Der Mann hatte seine Stelle gekündigt und die Landwirtschaft im Nebenerwerb aufgegeben, um mehrere Geschäftsideen zu verwirklichen. Ohne Erfolg: Das Ehepaar fiel mehrfach auf Schneeballsysteme herein. Der Schuldenberg wuchs, immer häufiger gab es Streit ums Geld. Am Ende lag die Ehe in Scherben. Die Frau plante, samt der Kinder auszuziehen. Da sei für ihn alles vorbei gewesen, erklärte der 42-Jährige. Alkoholisiert kam ihm die Idee, dass im nächsten Leben alles besser würde.

Die Tat tue ihm leid, beteuerte er vor Gericht. "Das ist mit nichts zu rechtfertigen, was ich getan habe." Die Schwurgerichtskammer hat für den Prozess sieben Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Ende Juli fallen.

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