Bögerl-Tat im Knast geplant?

Der geheimnisvolle neue Zeuge im Mordfall Bögerl soll konkrete Angaben gemacht haben. Demnach habe er von Mithäftlingen von den Tatplänen erfahren - und sogar vor der Tat die Polizei gewarnt.

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Plötzlich klingt alles viel konkreter: Der im Mordfall Maria Bögerl aussagende Zeuge behauptet offenbar, im Gefängnis von den Kidnapping-Plänen eines Mithäftlings erfahren zu haben. Trifft dies tatsächlich zu, dürfte er die auf der Stelle tretenden Ermittler auf eine heiße Spur führen.

Quelle dieser Nachricht ist die Bild-Zeitung, die nach eigenen Angaben aus Ermittlerkreisen einiges über die Angaben erfahren haben will, die der real existierende und dennoch bisher geheimnisvoll bleibende Zeuge bei zwei Vernehmungen durch die Polizei gemacht haben soll. Demnach hat er der Kripo erzählt, früh in die Heidenheimer Tatpläne eingeweiht gewesen zu sein.

Wegen einer Autoschieberei sei er in einem deutschen Gefängnis gesessen. Dort habe er engen Kontakt zu einem Mithäftling gehabt, der wegen verschiedener Delikte zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt gewesen sei. Im Knast habe dieser Mann mehrfach Skizzen und Pläne für eine Geiselnahme in Heidenheim angefertigt - und über ein in den Knast eingeschleustes Handy immer wieder Kontakt zu einem Komplizen gehabt.

Besonders brisant: Glaubt man dem 46-jährigen jetzt als Zeuge auftretenden Mann, waren die Sicherheitsbehörden im Mordfall Bögerl sogar frühzeitig gewarnt, bevor der oder die Täter im Mai 2010 zuschlugen. Nach seiner Haftentlassung, die noch rechtzeitig vor dem Verbrechen erfolgt sei, habe er die Polizei über die Pläne seines Mithäftlings in Kenntnis gesetzt und über seine Beobachtungen im Gefängnis berichtet.

Wurde die Entführung Maria Bögerls also im Knast geplant - und wusste die Polizei tatsächlich frühzeitig Bescheid? Schlüssige Antworten auf diese Fragen gibt es weiterhin nicht. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen nimmt zu dieser in Medienberichten wiedergegebenen Version gewohnterweise keine Stellung - und wiederholt auf Anfrage nur den schon Anfang der Woche gegebenen Hinweis, wonach die Aussagen des Zeugen jetzt bewertet und überprüft werden. Offen bleibt auch die Frage, warum der Zeuge sich erst knapp fünf Jahre nach der Tat wieder bei den Sicherheitsbehörden gemeldet hat - und dabei auch noch gleichzeitig den Weg über die Öffentlichkeit, namentlich die "Bild"-Zeitung, nahm.

Im Übrigen geht Presse-Staatsanwalt Armin Burger davon aus, dass der nach seiner zweiten Einvernahme in München wieder ins Ausland - vermutlich in die Niederlande - gereiste Zeuge auch für weitere noch nötig werdende Vernehmungen zur Verfügung stehen wird.

Bislang ging man davon aus, dass die Kontaktaufnahme mit dem seit längerem in ein Strafverfahren verwickelten Mann über einen Rechtsanwalt in Augsburg herbeigeführt worden ist, wo er früher einmal gelebt hat. Neue Medienberichte bringen nun als weiteren Anwalt den Stuttgarter Strafverteidiger Tobias Vogel ins Spiel. Welche Rolle diese Kanzlei aktuell spielt, wollte die ermittlungsführende Behörde in Ellwangen nicht bewerten und nicht kommentieren. Der Fachanwalt selbst stand gestern für Auskünfte nicht zur Verfügung.

Schon früher auf angeblichen Informanten hereingefallen

Tat Am 12. Mai 2010 wird die Frau des früheren Heidenheimer Sparkassenchefs Thomas Bögerl aus ihrem Haus entführt. Die Täter verlangen 300.000 Euro, doch die Übergabe des Lösegelds scheitert. Anfang Juni findet ein Spaziergänger die Leiche der 54-Jährigen im Wald. Die Frau wurde erstochen.

Informant Die Polizei hat bereits schlechte Erfahrungen mit einem Informanten gemacht. Sie gingen einem 40-Jährigen auf den Leim. Der Mann hatte die Soko über sieben Monate mit gefälschten Beweisen hinters Licht geführt und Tausende Euro kassiert. Er bekam schließlich zwei Jahre Haft auf Bewährung.

DNA Das Amtsgericht Ellwangen macht unterdessen Druck bei den Gen-Tests. Im Auto von Bögerl hatte die Polizei DNA-Spuren entdeckt - mutmaßlich von den Entführern. Nach Massentests im vergangenen Jahr in Neresheim und Giengen an der Brenz fehlen immer noch Proben von rund 100 Männern.

 

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Kommentare

16.03.2015 23:59 Uhr

Man nehme: die Grillen im Keller, Serienplanungen im Knast, Leute aus dem Osten ?

Ich frage mich, mit welch dreisten Ideen man dann noch aufwartet .. und wenn
4 Administratoren an der Zahl - nach amerkanischem Vorbild, Leute derart o h n e Schutz-
kleidung Spuren an entscheidenden Stellen hinterlassend, auch noch zu Tätern werden !?
Man wird den Gedanken nicht los - wie eingangs / 2010 - die Quarantäne voll über die Region
ohne wenn und aber - hätte verhängen müssen.
TB aus dem Verkehr schon in Niederstotzingen hätte ziehen sollen !
Waldbegeher udgl. hätten mit dem Forstpersonal u.U. noch mehr Chancen gehabt.
Nehmen wir den Witz beiseite und fragen uns: Was wäre, wenn ..
Auguren sind gestört worden, na ja, das reicht ja auch schon ..
Die Antwort klingt sehr nach "versteinert"..

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