Blick in die Welt der Mönche

13 ehemalige Klöster sind unter dem Dach der Staatlichen Schlösser und Gärten versammelt. Morgen haben Besucher die Chance, mehr über die Geschichte der Anlagen und das Leben im Kloster zu erfahren.

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Nur noch zum Teil erhalten: Das Kloster Hirsau bei Calw war einst eines der bedeutendsten Deutschlands. Diese gotischen Spitzbögen gehören zum Kreuzgang der Anlage.  Foto: 

Klöster strahlen eine ganz eigene Atmosphäre aus. Das spüren auch Menschen, die mit der Kirche nicht so viel am Hut haben und trotzdem mal ein Kloster besuchen. Manche Mönche sagen, die Klostermauern seien "durchgebetet", und das mache diese besondere Atmosphäre aus. Wie dem auch sei. Klöster sind besondere Orte, auch wenn sie von den Mönchen längst verlassen oder von ihnen fast nur noch Mauerreste übrig sind wie bei den Klöstern Hirsau bei Calw und Allerheiligen in der Ortenau. Morgen können Interessierte in diese besondere Atmosphäre eintauchen und dabei Schätze entdecken, die sonst nicht zugänglich sind. Die Staatlichen Schlösser und Gärten laden zum ersten Mal zum "Erlebnistag im Kloster" ein.

Zustande gekommen ist das Angebot "durch engagierte Menschen, die für ihren Job brennen", sagt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten. Seit 2011 gebe es den jährlichen Schloss-Erlebnistag, der von Jahr zu Jahr mehr Besucher anlocke. "Weil es schwierig ist, am Schloss-Erlebnistag Klöster zu präsentieren, führen wir nun diesen Klostertag ein." Er soll künftig jedes Jahr immer Anfang Oktober stattfinden und den Menschen "das in Stein gemeißelte kulturelle Erbe" nahe bringen. "Egal, wo die Menschen wohnen, ich bin sicher, es gibt in ihrer Nähe ein Kloster."

Die 13 Anlagen, die unter der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten stehen, sind übers ganze Land verteilt. Jede bietet morgen ihr eigenes Programm. Als 14. Veranstaltungsort lädt das Kloster Bronnbach bei Wertheim ein. Das frühere Zisterzienserkloster ist seit 1986 im Besitz des Main-Tauber-Kreises und das einzige Kloster in der Reihe, das noch von Mönchen bewohnt wird - keine Zisterzienser, sondern eine Abordnung der Kongregation der Missionare von der Heiligen Familie. Sie beleben nur einen Teil der Anlage. Daneben sind etliche Institutionen untergebracht - auch Forschungseinrichtungen von Unis. Am Sonntag werden mehrere Führungen angeboten sowie eine Schatzsuche für Kinder.

Die 13 anderen Anlagen sind zwar durchgebetet, bekommen darin aber keinen Nachschub mehr, weil sie seit Jahrhunderten von ihren Orden verlassen sind. Ein Großteil der Klöster wurde während der Reformationsbewegungen im 16. Jahrhundert verweltlicht. "Oft wurden darin Klosterschulen untergebracht, um am Bildungs-Gedanken festzuhalten", sagt Hörrmann.

Im Kloster Maulbronn im Nordschwarzwald hat sich die Klosterschule bis heute gehalten. Darin haben schon der Astrologe Johannes Kepler und der Schriftsteller Hermann Hesse ihre Bildung erhalten. Das Kloster Maulbronn gilt als die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage der Zisterzienser nördlich der Alpen. Gelungen ist die Erhaltung, weil die Anlage UNESCO-Weltkulturerbe ist. Zum Erlebnistag werden etliche Führungen angeboten sowie mittelalterliche Spiele für Kinder.

Nur noch rudimentär erhalten ist das Kloster Hirsau im Nagoldtal. Im Mittelalter war die Benediktinerabtei von höchster Bedeutung, sowohl politisch als auch kirchlich. Das zeigt sich unter anderem in der Architektur der Anlage. Die Ruinen, die aus der Romanik, Gotik und der Renaissance stammen, sind bis heute von baugeschichtlicher Bedeutung. Sie sind frei zugänglich. Nur die Türen zur Marienkapelle und zum Bibliothekssaal sind verschlossen. Am Sonntag werden sie für eine Führung geöffnet.

In ihrer Blütezeit waren die Klöster Orte des Wissens, der Bildung und der Kunst. Deshalb bieten mehrere Häuser Konzerte an. Im Kloster Schöntal werden Opernchöre aufgeführt, im Kloster Lorch Gesänge aus den Lorcher Chorbüchern. Weil Mönche in manchen Bereichen Enthaltsamkeit üben sollten, gönnten sie sich wenigstens gutes Essen und Trinken. Was bei ihnen früher auf die Tische kam, das erfahren die Besucher im Kloster Bebenhausen.

Vielfältiges Programm

14 Klöster dabei "Zwischen Himmel und Erde" lautet das Motto des ersten "Erlebnistags im Kloster" der Staatlichen Schlösser und Gärten. 14 frühere Klöster öffnen dafür am Sonntag von 10 bis 17 Uhr ihre Türen, bieten Einblicke in das monastische Leben von früher und heute: vom Kloster Salem am Bodensee ganz im Süden bis zum Kloster Schöntal im Norden des Landes. Jedes Haus bietet ein für die Geschichte des Klosters typisches Programm an. Es reicht von Führungen zu klösterlichen Themen, über Vorträge, Workshops, Mitmachaktionen bis hin zu Konzerten und Schauspielen.

Mehr Infos im Netz Die detaillierten Programme der einzelnen Klöster finden Interessierte unter:
schloesser-und-gaerten.de

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