Billige Gewinne und teure Nummern

Falsche Gewinnversprechen, teure 900er Telefonnummern, ein Millionenschaden: In einem Prozess in Mannheim geht es um Abzocke von Senioren.

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Sie sollen ältere Menschen mit falschen Gewinnversprechen um mehr als fünf Millionen Euro geschädigt haben. Zu gewinnen gab es wertlosen Kram, dafür liefen hohe Telefongebühren auf. Seit gestern müssen sich deshalb zwei Angeklagte vor der Wirtschaftsstrafkammer des Mannheimer Landgerichts verantworten. Staatsanwalt Peter Lintz wirft Ihnen gewerbs- und bandenmäßigen Betrug sowie strafbare Werbung vor.

Ein 58-jähriger Angeklagter aus Offenburg befindet sich auf freiem Fuß. Der 53-jährige Mitangeklagter sitzt. Er ist vom Mannheimer Landgericht im März 2012 wegen ähnlicher Straftaten zu über sieben Jahren Haft verurteilt worden. 2010 war er auf Mallorca gefasst worden.

Mit einer miesen Masche sollen die Männer vor allem Senioren abgezockt haben. Diese erhielten mit der Post die Mitteilung, sie hätten etwas gewonnen. "Sie haben einen Gewinnscheck über 60 000 gewonnen", hieß es da beispielsweise. Das Wort Euro war nicht zu lesen. Und: "Melden Sie sich, damit der Gewinn gutgeschrieben werden kann."

Die Gewinnmitteilungen ähnelten den Schecks der Volks- und Raiffeisenbank, sagte Lintz. Das sei "bewusst irreführend". Die Auszahlung des Gewinns sei garantiert, wurde versprochen. Eine Lüge wie alles andere auch.

Über fünf Millionen Gewinnmitteilungen sollen 2007 und 2008 von Offenburg aus verschickt worden sein. Gezielt seien ältere Menschen angeschrieben worden, sagte Lintz. "Sie sind leichter zu täuschen." Rund 320 000 Empfänger fielen darauf herein. Sie dachten, eine Summe in der genannten Höhe gewonnen zu haben. "Es wurde suggeriert, dass es sich um Beträge in Euro handelt", sagte der Staatsanwalt. Tatsächlich waren es nur Wertpunkte, mit denen man angeblich attraktive Sachpreise einlösen konnte, wie einen Zwiebelschneider oder Schirm.

"Gewinner" mussten eine teure 900er Nummer wählen. "Die Verbindung wurde möglichst lange aufrecht erhalten", sagte Lintz. Laut Anklage kamen so rund 3,3 Millionen Telefonminuten zusammen. Und das bei einem Minutenpreis von 1,99, später 2,99 Euro. Der Gesamtschaden beläuft sich nach den Ermittlungen auf mindestens 5,4 Millionen Euro. Der Wert der vereinzelt übersandten Gewinne war gering.

Für den Prozess sind 13 Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil ist für 26. September geplant.

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