Bilkay Öney: Bei Wahltipps richtig gelegen

Bilkay Öney hat jetzt ganz augenscheinlich mehr Zeit denn je: Der Kurznachrichtendienst Twitter scheint ihr zum bevorzugten Kommunikationskanal geworden.

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Hier erfährt man, wie ihr Lieblingskellner heißt ("Alessandro"), wer ihr Lieblingspolitiker ist (Kanada-Premier Justin Trudeau), wo sie grad im Auto unterwegs ist und auch, dass ihre neue Brille spiegelt. Mehrmals täglich twittert sie, was in maximal 140 Zeichen passt und eigentlich niemand so recht wissen will und/oder muss. Nur über die Frage, wie es denn weitergeht mit der Noch-Integrationsministerin, erfährt der Twitterer nichts. Kein Piep über den Verlust des Amtes, nur ein wenig Wahlanalyse zum Abschneiden ihrer SPD: "Es mag sein, dass die Grünen durch den ,Wohlfühl-CDU'- Stil hinzu gewinnen. Sorge macht mir trotzdem der Abgang von CDU/SPD/Grüne zur afd."

Leider will Öney auch anderen Medien gegenüber nicht offenbaren, wie sie sich fühlte am Wahlabend und nun beim Zwangsabschied aus ihrem Ministerium, das eigens für die Koalitionsarithmetik zwischen Grünen und Roten geschaffen wurde. Es kämen zu viele derartige Anfragen, bescheidet einer ihrer Sprecher nach einem Tag des gründlichen Nachdenkens. Es muss Öney, dem sonst so eloquenten Jungstar des ersten Kabinetts Kretschmann, wohl doch nachhaltig die Sprache verschlagen haben seit dem Verlust der Mitregierung. Andererseits: Genau so hat sie das Wahlresultat ja wohl erwartet. Jedenfalls bekennt Bilkay Öney, dass sie sich mit ihren Wahltipps wohl die eine oder andere Currywurst erwettet hat. Zu den Verlierern, auch das lief über den Dienst, zählt unter anderen ein ehemaliger Sprecher von Innenminister Reinhold Gall, der, ganz Gentleman alter Schule, von sich aus an die Einlösung seiner Wettschuld erinnert.

Dass Öney ihren jetzt ablaufenden Fünf-Jahres-Vertrag allein der Machtbalance zwischen Grünen und Sozialdemokraten verdankt, wusste sie von Anbeginn: "Es war nun einmal so, dass eine Frau für dieses Amt gesucht wurde. Außerdem sollte es jemand mit Migrationshintergrund sein, um einen thematischen Bezug zu haben", bekannte sie in einem Interview mit der "Zeit". Sie erkennt aber auch: "Regieren lohnt sich, der Amtsbonus hat sich durchgesetzt in allen drei Ländern." Was sich offensichtlich für sie, die eigens aus Berlin an den Neckar zog, nicht gelohnt hat, war eben das Mit-Regieren.

Und nun? Wie weiter? Bemühen wir ein allerletztes Mal Twitter: Am 3. März, also kurz vor der verlorenen Landtagswahl, schreibt Öney: "Ich will auch mal BND-Chef werden. Bevor ich nicht BND-Chef werde, ist Integration für niemand gelungen. Basta." Und wäre da nicht das Punkt-Strich-Klammer-Lachgesicht, wir nähmen diese Aussage für bare Münze. Und wer so unverstellt charmant Basta sagen kann, kriegt bestimmt einen neuen Job in Berlin.

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