Bilder und Bänke bleiben - Papst-Besuch in Freiburg ist Geschichte

Papst Benedikt XVI. war vor fünf Jahren zwei Tage in Freiburg. Kirche und Kommune profitieren bis heute – auch wenn wenig Sichtbares geblieben ist.

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Für Freiburg war es das Jahrhundertereignis: Im September 2011 kam Papst Benedikt XVI. für zwei Tage in die Stadt. Mehr als 150 000 Menschen folgten ihm und feierten Gottesdienste mit dem Pontifex. Heute, fünf Jahre später, ist wenig geblieben davon. Und im Vatikan steht nun Papst Franziskus im Mittelpunkt. Der Papstbesuch in Freiburg hat dennoch Spuren hinterlassen – und wirkt bis heute.

Die Fünf-Jahres-Bilanz von Kirche und Kommune fällt positiv aus. Tourismuschef Bernd Dallmann sagt: „Zum ersten Mal hat ein Papst Freiburg besucht und der Stadt eine große mediale Aufmerksamkeit geschenkt.“ Dem Image der Universitätsstadt mit ihren 220 000 Einwohnern habe dies gut getan, ihre Bekanntheit sei rund um den Globus gestiegen. Davon profitiere sie bis heute.

„Es bleibt die Erinnerung an ein großes Ereignis, das viele auch nicht gläubige Menschen in Freiburg beeindruckt hat“, sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne). „Es war ein heiteres und friedliches Fest für alle Menschen.“

Dies sieht auch der Freiburger Domkapitular Peter Birkhofer so. Der katholische Geistliche war 2011 der Koordinator des Papstbesuchs. „Rückblickend kann in der Tat gesagt werden, dass die Stadt Freiburg solch ein Glaubensfest noch nie erlebt hat“, erinnert er sich. Dies habe die Stadt, die Erzdiözese Freiburg sowie das Land nachhaltig geprägt. „Es ist in diesen Tagen ein Funke der Freude und der Begeisterung übergesprungen, der nachhaltig weiterwirkt.“

Gestärkt worden sei der Glaube. „Nach innen ist deutlich geworden, dass es die Herausforderung für uns Christen ist, sich der Gottesfrage zu stellen und sich ganz persönlich von der Liebe Gottes anrühren zu lassen.“ Dem Papst sei wichtig gewesen, Menschen zu begegnen. Und so gab es neben Großveranstaltungen eine Reihe kleinerer Begegnungen im Freiburger Priesterseminar. 

Am Gelände neben dem Freiburger Flugplatz, auf dem Benedikt XVI. die Heilige Messe feierte, erinnert nichts mehr an das Großereignis. Hier soll das neue Fußballstadion des Bundesligisten SC Freiburg gebaut werden. Sichtbare Zeichen der päpstlichen Visite sind die sogenannten Papstbänke. Die großen Holzbänke dienten Besuchern der Open-Air-Messe als Sitzgelegenheit. Einige von ihnen finden sich heute in Freiburg und gehören hier neu zum Stadtbild. „Manche Touristen fragen nach den Papstbänken“, sagt Dallmann. So bleibe das Großereignis weiter ein Thema und der Tourismus der Profiteur. 

Werbung mit dem Papst machen weder Stadt noch Kirche. Papst-Souvenirs seien aus den Regalen wieder verschwunden, sagt ein Andenkenhändler am Münsterplatz. Freiburg- und Schwarzwaldmotive ohne Benedikt bestimmen das Bild. Im Münster, etwas versteckt, findet sich ein Relief des Papstes. Vor fünf Jahren hat er es selbst enthüllt.

Kritik kommt von der Reforminitiative „Wir sind Kirche“. Der Papstbesuch habe keine dauerhafte Wiederbelebung des Glaubens bewirkt, sagt Christian Weisner, Bundessprecher der Initiative. „Was damals als Dialog-Reise angekündigt war, war dann doch eher eine Vortragsreise über die Herzen und Köpfe der Menschen hinweg.“ Eine Stärkung der Ökumene oder andere Reformen seien aber ausgeblieben. Entsprechende Wünsche habe der Papst in Deutschland „völlig ignoriert“.

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