Bessere Hilfe für die Opfer von Straftaten

Mehr Aufmerksamkeit für die Täter als für die Opfer? Das soll nicht mehr vorkommen. Eine Expertengruppe wechselt radikal die Perspektive.

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Eine Kommission soll die Interessen und den Schutz von Opfern und Zeugen in Strafverfahren in den Fokus rücken. Die Empfehlungen des Gremiums sollen unter anderem dazu beitragen, in der alltäglichen Praxis die Belange der Geschädigten besser zu berücksichtigen, sagte Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) in Stuttgart. "Opfer spielen in der Diskussion in den Medien eine kleine oder gar keine Rolle mehr", monierte er. Innerhalb von einem Jahr sollen die Experten unter Leitung des Karlsruher Generalstaatsanwaltes Uwe Schlosser Vorschläge erarbeiten.

Schlosser sagte vor der ersten Sitzung der elfköpfigen Gruppe: "Die angemessene Behandlung stärkt die Bereitschaft, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Denn ohne Zeugen sind wir vielfach machtlos." Dem pflichtete Innenminister Reinhold Gall (SPD) bei. Er habe den Eindruck, es mangele den Menschen gelegentlich an Zivilcourage. "Straftaten geschehen, und am Schluss steht kein Zeuge zur Verfügung."

Eine erste Kommission war 1998 eingerichtet worden. Sie hatte etwa den Platzverweis für schlagende Partner und kindgerechte Video-Anhörungszimmer nach sich gezogen. Stickelberger erläuterte, man wolle prüfen, ob die Maßnahmen ausreichend und mit Leben erfüllt worden seien. "Wir müssen dafür sorgen, dass sich Opfer in einem Strafverfahren nicht ein zweites Mal in die Opferrolle versetzt fühlen."

Die Kommission will sich mit Zwangsheirat, Gewalt im Namen der Ehre sowie Kriminalität, die die Hilflosigkeit von Senioren ausnutzt, beschäftigen. Gewaltopfer sollen zudem raschen Zugang zu Trauma-Ambulanzen erhalten. Besonderes Augenmerk wollen die Vertreter des Justiz-, Innen- und Sozialministeriums, von Gerichten, Staatsanwaltschaften und Opferschutzorganisationen auf Sensationsberichterstattung bei Straftaten lenken. Anlass ist der Amoklauf von Winnenden, in dessen Folge Medien versuchten, Bilder mit viel Geld zu kaufen. Hier wird an einen Medienanwalt gedacht, der rücksichtslose Veröffentlichungen über Opfer und deren Angehörige unterbinden könnte.

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