Bauernfamilien sorgen auf der Muswiese für volle Mägen

Immer im Oktober erlebt Musdorf einen Urknall: Der winzige Weiler wird zur Hohenloher Hauptstadt und lockt tausende Gäste an. Seit mindestens 1434 gibt es dort die Muswiese. Am Samstag geht's wieder los.

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Ruhe vor dem Sturm: Gerhard Uhl erwartet Tausende Gäste.  Foto: 

Man sieht es Musdorf mit seiner Handvoll Häusern und Höfen nicht an, aber: Für eine Oktoberwoche ist das Örtchen der Nabel Hohenlohes. Die Einwohner des Weilers, der zu Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) gehört, rufen selbstbewusst eine eigene "5. Jahreszeit" aus - so nun wieder am Samstag. Dann locken nicht nur exakt 279 Marktstände, 135 landwirtschaftliche Aussteller und 59 Gewerbestände, sondern auch die elf traditionellen Bauernwirtschaften.

Tradition ist das Stichwort. Im Mittelalter noch kreuzten sich im Ort zwei Fernhandelswege. Weil die kleine Dorfkirche obendrein noch Ziel von Wallfahrten war, konnte spätestens im 15. Jahrhundert ein Markt entstehen, der bis heute weithin bekannt und von den Einheimischen heiß geliebt ist.

Für letztere beginnt eine Woche Ausnahmezustand. Wer in Musdorf lebt, hat von alters her Schankrecht und eröffnet für die Tage eine Bauernwirtschaft. Wie die Uhls: Keine andere Familie sorgt schon so lange ohne Unterbrechung für volle Mägen. Früher öffneten sie dafür ihr altes Bauernhaus. Dieses wurde im 18. Jahrhundert nur mit den nötigsten tragenden Wänden gebaut, um für die Muswiesen maximalen Platz schaffen zu können. So waren die Zimmer lediglich durch ausbaubare Holzelemente voneinander getrennt. Bis zu 180 Leute konnten so in dem Haus verköstigt werden.

Gerhard Uhl, Jahrgang 1957 und heute Festwirt, weiß noch genau, wie das war: Wie die Familie eine Etage höher zog und sich zu acht auf gerade mal zwei Zimmer beschränkte. Wie einmal ein Gast in den Mist vor dem Haus gefallen ist und vom Hausmetzger mit dem Schlauch abgespritzt wurde. Wie zuerst der blinde Musiker Schneck und dann seine Schwägerin, die "flotte Olga", die Musik für das Spektakel beisteuerten.

Seit 1976 werden die Gäste in einer Maschinenhalle empfangen. Jetzt passen rund 320 Besucher hinein. Für die Uhls heißt das: viel Arbeit. Das Kraut wird eine Woche vorher gehobelt und eingelegt, zwei Tage vor der Muswiese wird geschlachtet und dann noch einmal am Montag, dem Ruhetag. Etwa 30 Leute sind für die Wirtschaft eingespannt. Von Stress will Festwirtin Ute Uhl aber nicht sprechen: "Die Muswiese ist auch so schön."

Info: Festende ist am 15. Oktober. Mehr unter www.muswiese.com

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