Bäume sollen für Landesgartenschau gefällt werden

Für die Landesgartenschau 2020 in Überlingen sollen mehr als 160 Bäume gefällt werden. Eine Bürgerinitiative hat deshalb ein Bürgerbegehren initiiert.

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„Das darf nicht sein, dass für eine Landesgartenschau diese schönen alten Trauerweiden gefällt werden.“ Silvia Keller aus Überlingen steht am Seeufer und schaut an einem der stattlichen Bäume hoch. „Die sind doch einzigartig. Die kann man nicht einfach fällen.“ Sie irrt. Die Pläne für die Landesgartenschau 2020 (LGS) in Überlingen sehen vor, dass etliche Trauerweiden, die auf dem ehemaligen Campingplatz am westlichen Ortseingang am Ufer stehen, schon im Herbst fallen. Eine Allee aus 80 bis zu 120 Jahre alten Platanen, Kastanien und anderen Baumarten soll folgen. Zudem soll eine historische Trockenmauer entfernt und durch ein aus Granitsteinen gestaltetes, abgeflachtes Seeufer ersetzt werden. Von 200 Bäumen sollen mehr als 160 gefällt werden. Knapp 50 Bäume wurden schon entfernt.

Gegen die Fällaktionen regt sich in der 22 000-Einwohner-Stadt am Bodensee Widerstand. Die Bürgerinitiative „Bürgergemeinschaft für Überlinger Bäume“ (BÜB) hat ein Bürgerbegehren initiiert. „Innerhalb von zweieinhalb Wochen haben wir dafür 3088 Unterschriften gesammelt“, sagt Dirk Diestel, Sprecher der Initiative. Die haben die Initiatoren vor einer Woche im Rathaus abgegeben und einen Bürgerentscheid beantragt. Ob das Bürgerbegehren zulässig ist, darüber entscheidet der Gemeinderat in seiner Sitzung am 27. Juli. Die Verwaltung hält das Bürgerbegehren für nicht zulässig und empfiehlt dem Gemeinderat, dies so zu beschließen.

Den Bürgern seien die Planungen spätestens seit 2012 bekannt, sagt Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Da sei der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs mit fotorealistischen Darstellungen vorgestellt worden. „Da war keine Platanenallee mehr zu sehen.“ Auch sei aus den  damaligen Plänen klar ersichtlich gewesen, dass die Ufermauer abgebrochen wird und ein Teil der Trauerweiden fallen muss und auch, dass die Trockenmauer entfernt wird. „Anders ist ein direkter Zugang zum Wasser nicht möglich.“ Den aber hätten sich die Bürger, die an den Bürgerwerkstätten und Workshops vor dem Architektenwettbewerb teilgenommen haben, gewünscht.

Die Anregungen der Bürger seien in die Ausschreibung für den Architektenwettbewerb eingeflossen, der Siegerentwurf sei vorgestellt worden, und die Stadt sei in die Planung eingestiegen. Jetzt noch zu versuchen, die Bremse zu ziehen, sei nicht machbar. Auch rechtlich nicht. Es sei nicht möglich, gegen ein laufendes Bebauungsplanverfahren einen Bürgerentscheid zu setzen, sagt OB Becker. Außerdem sei die Drei-Monats-Frist abgelaufen, in der gegen den Aufstellungsbeschluss des Gemeinderats ein Bürgerbegehren hätte eingereicht werden können.

Der dritte Punkt in ihrer Begründung dafür, dass das Bürgerbegehren unzulässig sei, sind die Finanzen. In dem Bürgerbegehren werde nicht konkret und schlüssig dargestellt, wie Umplanung und Neugestaltung des Geländes finanziert werden sollen. Für die vorliegende Planung seien erhebliche Fördermittel zugesagt. Werde umgeplant, drohe der Verlust dieser Zuschüsse. In diesem Zusammenhang wirft sie den Initiatoren des Bürgerbegehrens vor, die Bürger, die sich in die Unterschriftenlisten eingetragen haben, nicht ausreichend darüber informiert zu haben. Weiterer Punkt, der das Bürgerbegehren unzulässig mache, sei seine Fragestellung. Die lautet: „Sind Sie für den Erhalt der alten Baumallee am jetzigen Standort und der historischen Trockenmauer auf dem Gelände der LGS 2020?“ Die Verwaltung argumentiert damit, dass in der Fragestellung auf das Gelände der LGS 2020 verwiesen wird. Das könne aber mit dem Erhalt der Baumallee und der Trockenmauer „erst gar nicht entstehen.“

In die Diskussion hat sich auch der Landesverband des Bund Deutscher  Landschaftsarchitekten eingeschaltet. Er verteidigt den Entwurf der Architektin Marianne Mommsen. Er überzeuge durch seine „visionäre Idee, seine vielseitige Nutzbarkeit und durch die naturnahe Gestaltung.“ Dem widerspricht die Architektenkammer Baden Württemberg. In der Präsentation ihres Entwurfs am 20. März 2013 habe sie noch von geringen Eingriffen in den Baumbestand gesprochen. Nun sollen von 200 Bäumen auf dem Gelände 160 gefällt werden. Auch dass seit der Vorstellung des Entwurf die Bürger nicht mehr  eingebunden worden seien, prangert die BÜB an.

Diesen Vorwurf lässt sich OB Becker gefallen und gelobt Besserung: „Wir müssen mehr Bürgerbeteiligung  anbieten.“ Für die Bäume scheint es dennoch zu spät zu sein.

Bürgerentscheid 2013

Für die LGS Zur Landesgartenschau 2020  in Überlingen gab es schon einmal einen Bürgerentscheid. Am 28. April 2013 konnten die Bürger darüber abstimmen, ob sie überhaupt eine Gartenschau in ihrer Stadt haben möchten. 59,6 Prozent derjenigen, die zur Abstimmung gegangen sind, haben mit „Ja“ gestimmt.  Dem Bürgerentscheid voraus gegangen sind Bürgerwerkstätten, Workshops und ein Architektenwettbewerb.

Bürgerentscheid 2013

Für die LGS Zur Landesgartenschau 2020  in Überlingen gab es schon einmal einen Bürgerentscheid. Am 28. April 2013 konnten die Bürger darüber abstimmen, ob sie überhaupt eine Gartenschau in ihrer Stadt haben möchten. 59,6 Prozent derjenigen, die zur Abstimmung gegangen sind, haben mit „Ja“ gestimmt.  Dem Bürgerentscheid voraus gegangen sind Bürgerwerkstätten, Workshops und ein Architektenwettbewerb.

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Kommentare

22.07.2016 09:04 Uhr

Die Architekten...

...sollten in Zukunft lieber Witze schreiben, denn das ist wirklich lächerlich!

Für eine "Gartenschau" (Architektenselbstbeweihräucherungsveranstaltung?) fällt man schöne, Jahrzehnte alte Bäume nur um dann für viel öffentliches Geld ein paar Blumenbeetchen anzulegen...

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