Bad Mergentheim richtet die 39. Heimattage aus

Als Gastgeber der Heimattage möchte Bad Mergentheim sein Image aufpolieren. Auch der Bekanntheitsgrad des größten Kurortes ist steigerungsfähig.

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Wie ein Automat zählt Udo Glatthaar (55) viele Vorzüge und die faszinierende Geschichte seiner Stadt auf. Der CDU-Oberbürgermeister von Bad Mergentheim ist nicht zu bremsen, wenn er einmal in Fahrt ist, obwohl er "seit zwanzig Minuten im Auto sitzen sollte". Als Kurort sei der Bekanntheitsgrad der mit über 23.000 Einwohnern größten Stadt des Main-Tauber-Kreises "bundesweit sehr hoch". Auch die Wirtschaft mit diversen Weltmarktführern floriere, "alle Firmen suchen händeringend Mitarbeiter". Die Kommune erlebe "einen Bauplatzboom ohne Ende" auch dank reizvoller Lage und hoher Lebensqualität mit allen nötigen und nützlichen Einrichtungen.

Im Rathaus scheint noch zu gelten, was 1865 der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl notiert hat: "Eine Großstadt im Taschenformat." Zumal sich an der von Riehl gerühmten "unendlichen Fülle mannigfaltigster Bildungsstoffe auf engem Raum" nichts geändert hat.

Doch, räumt der schwärmerische Stadtchef ein, im Südwesten werde Bad Mergentheim nicht richtig eingeschätzt. "Ab Stuttgart südwärts" werde es als Vorort von Würzburg betrachtet. Der hohe Stellenwert der Kur - "Kaiser und Könige waren da" - habe den Nachteil, dass der Ort eben mehr mit Heilung als mit Urlaub verbunden werde. "Wir müssen landesweit besser zur Geltung kommen", nahm sich der aus Sigmaringen stammende OB vor.

Da passen die Heimattage bestens ins Konzept. Zwischen Neujahrsschießen und Weihnachtskonzert sind 140 Veranstaltungen gepackt. Sie sollen besonders Auswärtigen "die ganze Vielfalt lebendiger Traditionen und neuer Ideen" vor Augen und Ohren führen. 100 000 Besucher werden mindestens erwartet. Ein erster Höhepunkt wird an diesem Wochenende der "Baden-Württemberg-Tag" sein, der zweite folgt im September mit dem Landesumzug. Erste Erfahrungen stimmen OB Glatthaar sehr zuversichtlich: "Mehr Besucher als erwartet."

Das Spektrum der Feste und Führungen, Ausstellungen und Abendgalas, Wanderungen und Weinproben, Kirchenkonzerte und Kunst im Kurpark ist so breit gefächert, dass sich Bad Mergentheim optimal inszenieren kann. Ein eigens für die Heimattage organisiertes Jugendfilmfestival kam so gut an, dass sich der aus Hessen zugewanderte Stadtsprecher Carsten Müller (32) vorstellen kann, "dass es öfter gemacht werden könnte". So bedeutend die Kur dank der 17 Kliniken und Sanatorien und einem der zehn schönsten Kurparks der Republik auch sein mag, niemand soll mehr glauben, der Stadt fehle es an Schwung. Dazu tragen schon die Studenten der Dualen Hochschule im Schloss bei. Im Hof vor den Lehrsälen packen Weltstars ihre Instrumente aus. Bob Dylan, Carlos Santana, Bryan Adams, Mark Knopfler, Sting waren schon da, am 22. Juli kommt Simply Red zum Heimattag.

Gut steht es um den Tourismus. Von mehr als 125.000 Ankünften entfällt nur noch ein Drittel auf die Kur, aber dieser Bereich macht noch die Hälfte der 700.000 Übernachtungen aus. Im Taubertal vollzieht sich ein Wandel, weil immer mehr Urlauber kommen. In der Kurkrise der 1990er Jahre wurde erkannt, dass das Heil in neuen Quellen zu suchen ist. Dabei konnte sich zuvor kaum jemand vorstellen, dass Fremde nicht allein wegen ihres maroden Stoffwechsels nach "Merchedol" reisen könnten. Jetzt ist die Stadt auch ein beliebter Etappenort für Radler auf einer der populärsten Strecken des Landes. 1,6 Millionen Tagesbesucher verlustieren sich in der früheren Residenz des Deutschen Ritterordens.

Udo Glatthaar meint freilich, das Image sei "noch nicht ganz optimal". Deshalb setzt er seine Hoffnung eben auf die Wirkung der Heimattage, mit denen er "vollends den Durchbruch schaffen" möchte. Dann will er feststellen: "In allen vier Regierungsbezirken soll gesagt werden, Bad Mergentheim ist super, da musst du hin'."

"Kein Altersheim, sondern ein Mehrgenerationenhaus"

Absicht Neubürger und Alteingesessene sollen sich mit ihrer Gemeinde als Heimat identifizieren - das ist das Ziel der Heimattage, die es seit 1978 in Baden-Württemberg gibt. Alljährlich ist eine andere Stadt oder ein Gemeindeverbund Gastgeber. Die fachliche Begleitung liegt beim Landesausschuss Heimatpflege. Alle gesellschaftlichen Gruppen werden einbezogen. "Heimattage sind kein Altersheim, sondern ein Mehrgenerationenhaus", heißt es im Konzept. Das Land gewährt einen Zuschuss von 155 000 Euro.

Austragungsorte Nach der Premiere 1978 in Konstanz ist Bad Mergentheim der 39. Schauplatz der Heimattage. Nächstes Jahr ist Karlsruhe an der Reihe, gefolgt von Waldkirch, Winnenden, Sinsheim, Radolfzell am Bodensee und Offenburg.

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