Ausgelaufene Gülle überschwemmt Straßen und Keller

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Engstinger Bauhof im Einsatz: Mit Schneeschiebern wurde die stinkende Flüssigkeit in Richtung Saugrohr geschoben.  Foto: 

Für die Feuerwehr von Engstingen im Landkreis Reutlingen gehört dieser Umwelteinsatz zu den zeitaufwändigsten ihrer Geschichte. Vom frühen Morgen an bis in den späten Abend waren die Floriansjünger am Mittwoch damit beschäftigt, im Gewerbepark Haid übel riechende Gülle aus Kellern eines Restaurants, eines Gästehauses und einiger Büros zu pumpen. Außerdem musste sie die schwarze Brühe von den Straßen und Gehwegen beseitigen.

Was war geschehen? Ersten Ermittlungen zufolge war Dienstagfrüh kurz nach vier Uhr ein Rohr an einem Silo einer Biogasanlage im Gewerbepark gebrochen. Daraufhin flossen rund 300 Kubikmeter ammoniakhaltige Flüssigkeit ein leichtes Gefälle hinunter. Erst rund eine Stunde später bemerkte ein Angestellter des Entsorgungsfachbetriebs, der dort organische Abfälle verwertet, das Malheur. Der verständigte sofort die örtliche Feuerwehr. Bei dem Einsatz am Mittwoch habe man schließlich gemerkt, dass deutlich mehr Gülle ausgelaufen ist, als zunächst vermutet. Auf eine genaue Zahl wollte sich der Kreisbrandmeister am Donnerstag aber noch nicht festlegen.

Als Gesamtkommandant Anton Hummel und seine drei Abteilungen eintrafen, war der Ammoniakgeruch überall in dem Gebiet zu riechen. Die Männer dichteten das Leck sofort ab. Der Güllestrom hatte sich aber schon einen Weg die Erwin-Rommel-Straße abwärts in Richtung der Zugstrecke  Engstingen–Trochtelfingen gebahnt. Außerdem  wurden zahlreiche Gebäude im Eingangsbereich der ehemaligen Eberhard-Finckh-Kaserne, in denen jetzt Büros untergebracht sind, überflutet, teilte die Polizei mit.

Am schwersten traf es das Restaurant „per Du“, untergebracht im ehemalige Soldatenheim. Im Keller stand die Gülle knapp zwei Meter hoch, informierte Kreisbrandmeister Wolfram Auch. „Wegen eines Unfalls vorübergehend geschlossen“, konnte man am Mittwochabend auf der Homepage des Lokals lesen.

Zeitweise waren im Gewerbepark bis zu 120 Feuerwehrmänner und –frauen im Einsatz. Die Engstinger Einsatzkräfte wurden beim Saubermachen von ihren Kameraden aus Trochtelfingen, Hohenstein und Pfullingen sowie von der Werksfeuerwehr von Bosch unterstützt. Das Deutsche Rote Kreuz stand Gewehr bei Fuß, musste aber nicht eingreifen. Verletzt wurde bei dem Gülleaustritt und beim Einsatz niemand, bestätigte die Polizei.

Die Feuerwehren wurden bei ihrer Arbeit von zahlreichen Landwirten mit ihren Güllewagen sowie von Lohnunternehmen aus der Region beim Abpumpen der schwarzen Brühe unterstützt. Der örtliche Bauhof rückte mit allen verfügbaren Fahrzeugen an. Mit montierten Schneeschiebeschildern wurde die stinkende Flüssigkeit in Richtung Saugrohr geschoben und abgepumpt. Während des Großeinsatzes war die Zugangsstraße in den Gewerbepark Haid gesperrt, sodass die Wege nach und nach mit viel Wasser gereinigt werden konnten.

Die Gülle wurde zunächst in das Rückhaltebecken beim angrenzenden Sportplatz geleitet. Wenig später wurde dann ein leeres Becken eines Landwirtes in Trochtelfingen-Steinhilben (Kreis Reutlingen) für die aufgefangene Brühe genutzt.    

Kreisbrandmeister Auch sagte, durch die „landwirtschaftlich verwertbare Gülle“ habe keine Gefahr für die Anwohner des Gewerbeparks bestanden. Im Freien habe sich das in der Brühe enthaltene Ammoniak schnell verflüchtigt.

Im Innern der Gebäude war der Gestank indes noch stundenlang zu riechen, weshalb die Feuerwehrmänner die Keller mit Atemschutz betraten.  

Der Arbeitsbereich „Gewerbe und Umwelt“ des Polizeipräsidiums Reutlingen hat inzwischen die Ermittlungen zur Ursache des Rohrbruchs an der Biogasanlage aufgenommen. Der Sachschaden war am Mittwochabend noch nicht abzuschätzen. Dem Vernehmen nach bewegt sich die Höhe im sechsstelligen Bereich. Durch die Überflutung wurde anscheinend auch die Technikanlage des Silos in Mitleidenschaft gezogen.

Außer der Polizei waren am Mittwoch Vertreter des Landratsamtes Reutlingen, des Regierungspräsidiums Tübingen und auch der Gemeinde Engstingen am Unglückort, um sich ebenfalls ein Bild vom Ausmaß der Verschmutzung machen zu können.

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Kommentare

12.01.2017 19:02 Uhr

"saubere, erneuerbare Energie"

Die Kohle ist schmutzig, das Atom ängstigt die Deutschen.
Die saubere Gülle wird's richten.

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