Fußball
: Was TSG Tübingen und SV 03 Tübingen nach einem Aufstieg erwarten würde

Sowohl die TSG als auch der SV 03 sind vier Spieltage vor Saisonende dick dabei im Aufstiegsrennen. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass Tübingen in der kommenden Saison seit langer Zeit mal wieder einen Verbandsligisten stellt.
Von
David Scheu
Tübingen

Könnten sich nächste Saison in der Verbandsliga begegnen: die TSG Tübingen und der SV 03, hier beim Derby im Landesliga-Rückspiel dieser Saison am 9. April.

Ulmer

Doch was würde in der neuen Liga auf die Vereine überhaupt zukommen? Das TAGBLATT hat mit einem gesprochen, der es wissen muss: dem Pfullinger Abteilungsleiter Timo Schyska, dessen Team letzte Saison aufgestiegen ist und derzeit als einziger Vertreter des Bezirks Alb in dieser Liga Rang fünf belegt.

Die Fahrtwege: Natürlich vergrößern sich die Anfahrtswege zu den Auswärtsspielen erheblich. Statt wie bisher vier werden alle 16 Bezirke des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) angefahren. Von Wangen im Allgäu bis Essingen auf der Ostalb ist alles dabei. In dieser Saison fuhr Pfullingen zu 13 von 15 Auswärtsspielen mit einem Reisebus für 50 Personen – nur nach Sindelfingen und Leinfelden nicht. Bei ein paar hundert Euro pro Busfahrt kommt da schnell ein mittlerer vierstelliger Betrag pro Saison zusammen.

Gemeinsame Busfahrten:. Dennoch seien die Buskosten eine lohnende Investition, findet Schyska: „Es stärkt den Teamgedanken und erleichtert die Organisation, wenn alle gemeinsam ankommen.“ Auf der Hinfahrt gibt’s in einer Pause oft Kuchen, den die Spielerfrauen backen. „Das haben wir in der Rückrunde eingeführt – und es ist sehr gut angekommen.“ Nach dem Spiel gibt es dann direkt am Spielort ein warmes Essen, mitgebracht aus Pfullingen in einer Warmhaltebox. „Da essen auch die Fans mit, die uns im Bus zu den Spielen begleiten“, sagt Schyska.

Der Samstag-Spieltag: „Das ist viel besser als Sonntag, weil man so nach dem Spiel im Sportheim noch eine Weile zusammensitzen kann“, sagt Schyska. Am liebsten ist ihm allerdings der Freitagabend. „Weil wir da kaum andere Spiele als Konkurrenz und damit viele Zuschauer haben“, sagt Schyska: „Und die Spieler freuen sich, dass wir dann nur zwei Mal unter der Woche trainieren.“ Möglich sei der Freitagstermin allerdings nur bei Derbys mit kurzen Anfahrtswegen.

Freikarten: Beim Staffeltag auf der WFV-Geschäftsstelle in Stuttgart gab es eine Überraschung. „Da bekommt man Umschläge von den anderen Vereinen mit je 20 Freikarten für das jeweilige Spiel“, sagt Schyska. Für verletzte Spieler etwa, oder für treue Fans. Macht bei 15 Heimspielen 300 Freikarten, die jeder Verein ausgibt. „Das ist nicht vorgeschrieben, aber eigentlich schon ein ungeschriebenes Gesetz“, sagt der VfL-Abteilungsleiter. Zudem erhält jeder Verein vom Verband fünf Verbandsliga-Dauerkarten für seine Funktionäre – mit diesen kann jedes der 240 Spiele umsonst angeschaut werden.

Zuschauerzahlen: „Überraschenderweise haben wir etwas mehr Zuschauer als in der Landesliga“, sagt Schyska: „Natürlich kommen aufgrund der weiteren Anfahrtswege weniger Zuschauer des Gastvereins, dafür aber mehr Heimfans.“ Zwischen 200 und 300 sind es bei den Pfullinger Heimspielen in dieser Saison. „Das sind im Schnitt 50 mehr als letzte Saison in der Landesliga“, sagt Schyska. Zu Auswärtsspielen begleitet den VfL eine kleine Gruppe von bis zu 20 Fans.

Die Schiedsrichterbetreuung: . Die Aufwandsentschädigung für die Schiedsrichter sei natürlich höher, sagt Schyska: „Aber in überschaubarem Maße, das fällt kaum ins Gewicht.“ Nach Heimspielen zahlen die Pfullinger dem Schiri zusätzlich auch ein Essen. Das ist zwar keine Pflicht, so Schyska: „Aber es wird schon erwartet. Wenn man es nicht macht, spricht es sich rum – und das nicht zu deinem Vorteil. Nur eine Flasche Sprudel hinzustellen, reicht da nicht mehr.“

Professionelle Strukturen: Vereine wie Calcio Echterdingen oder Freiberg haben laut Schyska „riesige Etats“, auch allgemein sei die Dichte an Ex-Profis in der Liga deutlich höher. Bei den Auswärtsspielen in Schwäbisch Hall und Schwäbisch Gmünd hat Schyska sogar einen VIP-Bereich entdeckt. „Da merkt man einfach, dass gewisse Vereine in dieser Liga aus der Oberliga kommen und ihre Strukturen mit in die Verbandsliga genommen haben“, sagt Schyska. Etwa jeder zweite Verein hält nach den Spielen eine Pressekonferenz ab, mit einem Vereinsfunktionär als Fragensteller. Zudem werden deutlich mehr Partien gefilmt. Systematische Videoanalyse betrieben sie in Pfullingen nicht, „aber man schaut in die Videos schon rein“, sagt Schyska.

Das sportliche Niveau: „Das Spiel ist deutlich schneller als in der Landesliga“, sagt Schyska. Manche Teams wie Freiberg, Backnang oder Ilshofen seien dem VfL „spielerisch meilenweit voraus“. Folge: ein etwas anderer Spielstil. Schyska: „In der Landesliga haben wir oft das Spiel gemacht. In der Verbandsliga stand für uns als Aufsteiger vor allem in der Hinrunde das Verhindern von Toren und das Spiel gegen den Ball im Fokus.“

Aufstieg? Marco Müller: „Die Landesliga ist für uns die ideale Liga“

N atürlich habe er mit den Trainern über den Aufstieg in die Verbandsliga schon einmal durchgesprochen, sagt Abteilungsleiter Alexander Wütz von der TSG Tübingen. Ergebnis: Außer den längeren Anfahrtswegen zu den Auswärtsspielen würde sich für die TSG nichts groß ändern. Ein Bus für diese Spiele sei ein Thema, sagt Wütz: „Aber die Kaderplanung machen wir wie in den Jahren zuvor auch – unabhängig von der Liga.“ Ziemlich genau hat Abteilungsleiter Marco Müller vom SV 03 Tübingen den finanziellen Aufwand in der Verbandsliga einmal durchgerechnet. Durch höhere Fahrtkosten und Ablösen sowie weniger Gästefans rechnet er mit Mehrkosten von 10000 bis 15000 Euro pro Saison. Und: „Mit unserem jetzigen Kader wäre die Verbandsliga ein Himmelfahrtskommando“, sagt Müller, „die Landesliga ist für uns die ideale Liga. Darauf haben wir acht Jahre gewartet und wollen uns dort erst einmal etablieren.“ Wenn es mittelfristig dann mit dem Aufstieg klappe, hätte keiner was dagegen. „Aber wir werden keine verrückten Dinge machen“, sagt Müller. Und ergänzt mit Blick auf die Summen, die bei manchen Verbandsligisten zu hören sind: „Da müsste ich eine Bank überfallen.“