Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Windreich-Gründer

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Willi Balz. Foto: Bernd Weißbrod/Archiv

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen acht Verantwortliche des Windpark-Projektentwicklers Windreich AG erhoben. Den Managern - darunter Windreich-Gründer Willi Balz - wird neben Insolvenzverschleppung und Beihilfe dazu bei mehreren Gesellschaften auch Betrug in Höhe von mehreren Millionen Euro vorgeworfen, wie die Behörde am Freitag in Stuttgart mitteilte. Darüber hinaus sollen sie sich laut Anklage wegen Kreditbetrugs, Bilanzfälschung, Verletzung der Berichtspflicht, Gläubigerbegünstigung und Insiderhandels verantworten.

Zu den Details und der Schwere der Vorwürfe im Einzelnen wollte sich ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Das Landgericht Stuttgart muss nun über die 600 Seiten lange Anklageschrift und die Eröffnung des Verfahrens entscheiden.

Balz selbst bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass er unter den Angeklagten ist. Das Gros der Vorwürfe dürfte sich nach dpa-Informationen auf ihn konzentrieren. Der Windreich-Gründer hält die Vorwürfe für haltlos. Schon bei der ersten Durchsuchung sei die Staatsanwaltschaft an entscheidender Stelle von völlig falschen Voraussetzungen ausgegangen. Er wittert eine Verschwörung früherer Gläubiger. Seine Firma sei nie zahlungsunfähig gewesen.

Tatsächlich hatte Windreich auf Druck eines Gläubigers im März 2013 wegen hoher Schulden Insolvenz angemeldet. Das Insolvenzverfahren wurde im Dezember des gleichen Jahres eröffnet.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Frühjahr 2013 Ermittlungen aufgenommen und im Verlauf auf 20 Beschuldigte ausgeweitet. Die Ermittlungen gegen 12 davon wurden eingestellt.

Unter den Beschuldigten ist auch der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring. Döring teilte der dpa mit, die meisten Vorwürfe seien fallengelassen worden. Es sei aber gegen ihn Anklage wegen Beihilfe zur Insolvenzverschleppung erhoben worden. „Diesen Vorwürfen trete ich mit aller Entschiedenheit entgegen.“ Zuvor hatte die „Heilbronner Stimme“ über seine Anklage berichtet.

Die Windreich AG, die inzwischen in eine GmbH übergegangen ist, plante und entwickelte Windparks, um sie dann an Investoren zu verkaufen. Das Geschäft birgt hohe finanzielle Risiken. Schon vor der Insolvenz zeichneten sich Probleme bei Windreich ab: Ein 2012 zunächst geplanter Börsengang wurde verschoben. Im gleichen Jahr half ein schottischer Investor Balz mit Krediten aus einem Liquiditätsengpass und kaufte ihm ein Windpark-Projekt ab.

Im vergangenen Jahr war es dem Insolvenzverwalter gelungen, Anteile an einem Offshore-Projekt an Finanzinvestoren zu verkaufen. Dennoch müssen die Gläubiger nach Einschätzung des Insolvenzverwalters mit hohen Ausfällen rechnen. Die relevanten Forderungen bezifferte er 2016 auf rund 270 Millionen Euro. Zu verteilen gab es damals allerdings nur noch etwa 86 Millionen Euro. Nach einem Urteil könnte der Insolvenzverwalter prüfen, ob sich weitere zivilrechtliche Ansprüche ergeben.

Besonders hart dürfte es die Anleihenzeichner von Windreich treffen. In den Jahren 2010 und 2011 hatte Windreich mehrere Anleihen aufgelegt, die Anleger zeichneten Papiere im Wert von knapp 130 Millionen Euro. Doch nach dem Insolvenzrecht werden sie wie Darlehensgeber nachrangig behandelt, also zuletzt ausbezahlt.

Staatsanwaltschaft Stuttgart

Windreich Rückzug nach Insolvenz

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