An der Uni heißt es Sie statt Du

Der Grünen-Politiker und Tübinger OB Boris Palmer feiert am Montag den 40. Geburtstag. "Da werd ich gscheit. Da profitiert auch das Amt davon", sagt Schwabe Palmer mit ironischem Unterton.

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Ungewohntes Accessoire: Boris Palmer hat noch immer Probleme mit der Krawatte. Foto: Manfred Grohe

"Herrje! Dem Palmer sei Jonger wird schon 40?" So lassen sich ältere Leute auf den Tübinger Gassen vernehmen. Leute, denen Helmut Palmer noch ein Begriff ist, jener legendäre Mann, der bei 100 Bürgermeisterwahlen kandidiert und stets den Kürzeren gezogen hatte. Dessen Sohn sich aber bereits bei der zweiten Kandidatur durchsetzte. Und nun schon seit fünfeinhalb Jahren Tübingen regiert.

In der Tat: Dass Boris Palmer 40 wird, ist schwer vorstellbar. Der Mann wirkt immer noch wie ein Jüngling, auch wenn er sich gern schwarze Stoppeln stehen lässt, die ihn älter aussehen lassen sollen. Das viele Radfahren, auch zu dienstlichen Terminen, hält Palmer schlank. Von einem Bauch, ungeliebte Folge vieler Sitzungen von Politikern, nichts zu sehen. Wobei sein eigenes Altersgefühl ein anderes ist. Jugendlich, sagt Palmer, fühle er sich "schon lange nicht mehr". Er macht das fest an seinen Erfahrungen, wenn er in Tübingen über den Campus geht. "Da siezen mich die Studenten." Das sei 2007, als er sein Amt antrat, noch nicht so gewesen.

Palmer steht schon recht lange auf der politischen Bühne, er hat eben auch sehr früh angefangen damit. Er war Asta-Referent an der Universität, Landtagsabgeordneter von 2001 an, OB-Kandidat in Stuttgart 2004. Seit 2010 gehört er zum Bundesparteirat der Grünen. Und weil er eloquent ist und bundespolitisch immer am Ball, fragen sich alle: Was wird aus ihm noch? Wird er seinen Mentor Winfried Kretschmann eines Tages beerben? Geht er als Minister nach Berlin, möglicherweise in einer schwarz-grünen Koalition? Fragen über Fragen, auf die Palmer nur vage Antworten gibt. Weiß er doch wohl selbst nicht, wohin es ihn noch verschlägt.

Denen, die ihm Interesse an Posten in der höheren Politik nachsagen, entgegnet Palmer, die Kommunalpolitik mache ihm weiter Spaß - auch wenn es gerade Ärger in der Stadt gibt mit den Händlern, die gegen seine City-Maut-Idee anlaufen. Der Vorteil seines kommunalen Amtes sei, dass man handfest an der Sache arbeiten könne und sich nicht in taktischen Spielchen verlieren müsse. Palmer: "Immer, wenn ich in Berlin war, bin ich froh, im Rathaus sein zu können, Sitzungen zu leiten und am Schreibtisch Entscheidungen treffen zu können."

Seinen Geburtstag am Pfingstmontag will Palmer, der mit seiner Partnerin, der Europaabgeordneten Franziska Brantner, eine Tochter hat, im engen Kreis der Freunde und Verwandten begehen. Einen Empfang gibt es nicht. Selbstverständlich kennt Palmer den Spruch, dass ein Schwabe mit 40 gescheit wird. In den letzten Tagen hat er ihn oft gehört, Kollegen zitierten den Spruch. Palmer macht sich selbstironisch einen Reim darauf. "Wenn ich gescheit werde", sagt er, "dann profitiert auch das Amt davon."

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