ALTERNATIVE: Warum nicht wie in Bayern?

Bayern ist das waldreichste Bundesland. Die Holzvermarktung ist dort wettbewerblich organisiert. Wäre das System eine Option für den Südwesten?

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. Immer wieder Bayern. Stets nennt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, den Freistaat, wenn er nach Beispielen für eine wettbewerblich organisierte Holzvermarktung gefragt wird. Dabei hatte das Amt auch Bayern Anfang der 2000er mal kritisch beleuchtet. Zu einem Verfahren kam es aber nie. 2005 setzte der Freistaat eine Forstreform um.

"Die Privat- und Kommunalwaldbesitzer in Bayern vermarkten ihr Holz in eigener Verantwortung", sagt ein Sprecher des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München. Die bayerischen Staatsforsten, die als Anstalt des öffentlichen Rechts die Bewirtschaftung und Holzvermarktung des Staatswaldes verantworten, sind dabei außen vor. "Auch die bayerische Forstverwaltung, die von staatlicher Seite für die Unterstützung der Privat- und Kommunalwaldbesitzer zuständig ist, nimmt auf deren Holzverkauf keinen Einfluss." Dies gelte ebenso für jene Körperschaftswälder, für die die Forstverwaltung vertraglich die Betriebsausführung und die Betriebsleitung übernommen hat.

Während Baden-Württemberg darauf pocht, dass das Auszeichnen der Bäume zum Fällen eine hoheitliche Aufgabe sei, ist es in Bayern "die Regel", dass die Waldbesitzer diese Serviceleistung an nichtstaatliche Anbieter vergeben. Bayern subventioniert offen. 2013 flossen mehr als 20 Millionen Euro in die forstliche Förderung. Im Südwesten läuft diese Subventionierung bisher meist indirekt ab, was das Kartellamt kritisiert: durch dass staatliche Angebot nicht kostendeckender Preise für Dienstleistungen. Vergleicht man die Ergebnisse der Bundeswaldinventur, steht es um den Wald in Bayern ähnlich wie im Nachbarland.

Da drängt sich die Frage auf: Warum organisiert der Südwesten die Holzvermarktung nicht wie die Bayern? "Möglich wäre das", heißt es aus hochrangigen Kreisen der baden-württembergischen Forstverwaltung. "Aber das war wegen höchst unterschiedlicher Interessen der Beteiligten bisher nicht umsetzbar. Außerdem fehlt es in Baden-Württemberg an einer flächendeckenden Struktur von nicht-staatlichen Vermarktungsorganisationen, die es in Bayern schon seit langem gibt." Stuttgart weist darauf hin, dass man sich dem bayerischen Modell mit der anvisierten Trennung der Holzvermarktung zwischen Staatswald und anderen Waldbesitzarten annähere.

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