ALS: Südwest-Forscher freuen sich über Spenden

Die "Ice Bucket Challenge" sorgt für lustige Videos und Freude bei Empfängern der Spenden. Auch Südwest-Einrichtungen, die über die Nervenkrankheit ALS forschen, profitieren von dem Internet-Hype.

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Nach dem Eiswasser fließt Geld: Im Zuge der "Ice Bucket Challenge" strömen die Spenden auch nach Baden-Württemberg - zum Beispiel zur Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke. Auf 700.000 Euro sei das Spendenaufkommen schon geklettert, sagt Bundesgeschäftsführer Horst Ganter. Vor acht Tagen lag diese Summe noch bei rund 200.000 Euro.

Spenden flössen längst nicht mehr nur aus den Geldbeuteln der Prominenten. Jeden Tag gingen bei der Gesellschaft für Muskelkranke mit Sitz in Freiburg zahlreiche Spenden ein. Um das Aufkommen zu bewältigen, schieben Mitarbeiter Sonderschichten. "Es ist kein Ende abzusehen, weil sich immer neue Kreise erschließen", sagte Ganter.

Dass die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) durch die Eiswasser-Aktion in den Blickpunkt rückt, wird auch an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Ulm begrüßt: Alles, was die Krankheit bekannter mache, sei gut, sagte der Ärztliche Direktor der Klinik und Leiter des ALS-Forschungszentrums, Albert Ludolph. Ob Spenden infolge der Eiskübel-Herausforderung an der Ulmer Klinik und bei der unterstützenden Charcot-Stiftung eingegangen seien, könne er noch nicht sagen.

ALS sei ungefähr so häufig wie Multiple Sklerose, sagt der professor. Seit 35 Jahren erforscht Ludolph die Krankheit, er hat viele der Ärzte, die in Deutschland auf diesem Gebiet tätig sind, ausgebildet. "So viel Aufmerksamkeit haben wir noch nie bekommen", sagt er. An der Ulmer Klinik seien sich alle einig: "Wer die Krankheit und ALS-Patienten kennt, kann gar nichts gegen die Spendenaktion haben", sagt Ludolph.

Profitiert von der Internet-Aktion hat die Universitätsklinik Mannheim. "Wir haben Spenden bekommen und freuen uns darüber", sagte ein Sprecher. Allerdings handele es sich nur um Geld in einem begrenzten Umfang.

In Freiburg zählte das Universitätsklinikum seit Beginn der Eiswaser-Challenge mehr Anfragen für zweckgebundene Spenden. Diese würden sich speziell an die ALS-Ambulanz richten, sagte eine Sprecherin. Ein Spendenkonto sei bereits eingerichtet.

Die "Ice Bucket Challenge" ist eine seit Wochen im Internet kursierende Benefizaktion für Menschen, die an der Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erkrankt sind. Die Krankheit schädigt die Nervenzellen und ist in den meisten Fällen tödlich. ALS beginnt im Gehirn und zerstört Schritt für Schritt das motorische System des Patienten. Das treffe Gestik, Mimik, Körperhaltung und alles, was mit Bewegung zu un ht. "Viele Patienten sind auf einen Rollstuhl angewiesen und können irgendwann nicht mehr selbstständig atmen", sagt Forscher Ludolph. Manche Patienten könnten keinen Kontakt mehr zu ihrer Umwelt aufnehmen, sie seien im eigenen Körper eingesperrt.

Mit Medikamenten, sagt der Ulmer Professor, könne der Krankheitsverlauf nur verzögert werden. "Eine Heilung ist nicht in Sicht." Die Prognose habe sich aber etwas verbessert: Heute überlebten fünf Prozent der Betroffenen mehr als zehn Jahre. Die Gründe dafür seien verschieden: "Wir haben zum Beispiel beobachtet, dass ALS aggressiver verläuft, wenn Patienten massiv an Gewicht verlieren. Wir achten also darauf, dass Betroffene genug Kalorien zu sich nehmen - auch wenn sie nicht mehr eigenständig schlucken können", sagt Ludolph.

Bei der Spendensammelaktion geht es darum, sich einen Kübel mit Eiswasser über den Kopf zu kippen, Bilder davon zu veröffentlichen, Geld für die Forschung zu spenden und weitere Menschen mit einer öffentlichen Nominierung zur Nachahmung zu animieren.

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