Abschied von den Eschen

Ein Pilz bedroht die Eschen im Land. 90 Prozent der Bäume sind erkrankt, die meisten müssen gefällt werden. Der ökologische und wirtschaftliche Schaden ist enorm. Besonders betroffen ist der Oberrhein.

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    Die Krone lichtet sich von Jahr zu Jahr mehr. Foto: 
  • Der so geschwächte Baum kann sich auch gegen andere Krankheiten und Insekten nicht mehr wehren. Er stirbt langsam ab. 2/3
    Der so geschwächte Baum kann sich auch gegen andere Krankheiten und Insekten nicht mehr wehren. Er stirbt langsam ab. Foto: 
  • Über die Blattstiele gelangen die Sporen des Pilzes in die Triebe der Esche, die daraufhin absterben. 3/3
    Über die Blattstiele gelangen die Sporen des Pilzes in die Triebe der Esche, die daraufhin absterben. Foto: 
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Radfahrer, die bald wieder auf dem Rheinradweg zwischen Basel und Karlsruhe unterwegs sind, erwartet streckenweise ein ungewohntes und für manchen erschreckendes Bild: Die urwaldähnlichen Wälder der Rheinauen sind verschwunden. Kahlschlag soweit das Auge reicht. Der kann sich über Kilometer hinziehen. Entweder sind nur noch die Baumstümpfe übrig, oder die Fläche wurde schon wieder aufgeforstet und der Besucher fährt an Feldern vorbei, auf denen massenhaft helle Plastikröhren stehen. Darin steckt der neue, noch junge Mischwald aus Eichen, Ahorn, Ulmen und Pappeln. "Wenn das so weiter geht, müssen wir die Esche abhaken", sagt Jürgen Schmidt. Er ist Leiter des Forstamtes im Landkreis Emmendingen.

Das tut deshalb besonders weh, weil die Esche der "Hoffnungsbaum" für den Klimawandel war. Die Baumart galt im Land als besonders zukunftsfähig, weil sie gegenüber Feuchtigkeit und Trockenheit sehr tolerant ist. Sie wächst fast überall, sowohl in den feuchten, warmen Rheinauen als auch auf der trockenen und kühlen Alb. Außerdem ist ihr Holz gut zu vermarkten. Ein Pilz macht dieser Hoffnung den Garaus. Sein Name "Falsches Weißes Stängelbecherchen" klingt harmlos schön, täuscht aber. Der Pilz ist dafür verantwortlich, dass im ganzen Land die Eschen zuhauf absterben und gefällt werden müssen. Der Pilz, der 2006 erstmals im Land festgestellt wurde, stammt aus Ostasien und hat sich im Zuge der Globalisierung inzwischen weltweit ausgebreitet - ohne dass gegen ihn etwas getan werden könnte.

Im Sommer produziert der Pilz riesige Mengen an Sporen, die mit dem Wind verteilt werden. So landen sie auf den Blättern der Eschen und beginnen ihr zerstörerisches Werk. Sie gelangen über die Blattstiele in die Triebe, die daraufhin absterben. Die Krone lichtet sich von Jahr zu Jahr mehr. Der so geschwächte Baum kann sich auch gegen andere Krankheiten und Insekten nicht mehr wehren. Er stirbt langsam ab. Gerade am Oberrhein kommt noch hinzu, dass die Eschen auf den feuchten Böden am Stammfuß anfangen zu faulen. Manche fallen deshalb ohne erkennbares äußeres Zeichen einfach um.

Weil die Gefahr für Waldbesucher groß ist, werden die Eschen gerade am Oberrhein, dem Zentrum des Eschenvorkommens im Land, großflächig gefällt. "Wir schlachten Kälber", sagt Detlef Franke, Leiter des Forstreviers Weisweil (Kreis Emmendingen). Er meint damit, dass die Eschen schon als junge Bäume im Alter von 10, 20 oder 30 Jahren gefällt werden müssen und so für den Holzmarkt nicht interessant sind. Immerhin: "Sie liefert ein hervorragendes, gut spaltbares Brennholz."

Trotzdem: Der wirtschaftliche Schaden ist enorm. In Zahlen sei der schwer zu beziffern, sagt der Leiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA), Konstantin von Teuffel. Der Verlust betreffe mit dem Staatswald nicht nur das Land, sondern auch Kommunen und Privatwald-Besitzer, sagt Forstamts-Chef Schmidt. Alle Bestände, die mehr als 80 Prozent Esche haben, werden gerodet. Betrage der Anteil der Esche nur 30 Prozent, "lassen wir sie stehen, um die Kahlflächen nicht zu groß werden zu lassen", sagt Schmidt.

Die kahlen Flächen werden schnell wieder aufgeforstet. Die Förster setzen dabei auf Laub-Mischwälder. Was geschieht, wenn man zu große "Reinbestände" hat, zeigt das Beispiel Esche. "Die Eiche ist unsere große Hoffnung", sagt Franke. "Für die Natur ist das großflächige Abräumen eine Katastrophe", sagt Johannes Ensle, Waldreferent des Naturschutzbundes (Nabu). Dadurch verlören Spechte, Fledermäuse und viele Insekten ihre Heimat. Er plädiert dafür, auf Flächen, auf denen es gefahrlos möglich ist, die Natur sich selbst zu überlassen und zu schauen, was passiert. Denn es hat sich gezeigt, dass in manchen Beständen mit kranken Eschen immer wieder auch Bäume stehen, die gegen den Pilz resistent sind.

Land hilft beim Aufforsten

Vorkommen Nach der Buche und heimischen Eichenarten ist die Esche die dritthäufigste Laubbaumart im Land. Vor allem in der Oberrhein-Ebene und auf der Schwäbischen Alb ist sie von sehr großer lokaler Bedeutung. Die hat sie gewonnen, weil sie als ökologisch wertvoll gilt, schnell wächst und sehr gute Holzeigenschaften hat.

Schaden Fünf Prozent der Bäume in den baden-württembergischen Wäldern sind Eschen. 90 Prozent davon sind vom Eschentriebsterben befallen. Forstfachleute fürchten, dass vier von fünf der betroffenen Bäume in den nächsten zehn Jahren ganz absterben werden.

Hilfe bei Aufforstung Das Land unterstützt Waldbesitzer, die vom Eschentriebsterben betroffen sind, bei der Wiederaufforstung. Sie können finanzielle Förderung beantragen.

 

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