Abenteuer ohne Computer

Ob Familien, Studenten-Gruppen oder Firmenabteilungen: "Exit Games" begeistern. Eine Stunde lang tauchen die Gruppen in eine Abenteuerwelt ein - eingeschlossen und ganz ohne Computer oder Konsole.

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Viel Vegrnügen im Horrorkeller: Alexander Strohkörndl von "Exit Games Stuttgart" zeigt den Raum, in dem Spielegruppen in eine Abenteuerwelt eintauchen können - in echt, nicht an Computer oder Konsole.  Foto: 

Die Tür fällt ins Schloss. Vier Studenten sind eingesperrt - in einem Gewölbekeller in Stuttgart. 60 Minuten haben sie Zeit, um aus dem Raum zu finden. Nur mit einer Taschenlampe bewaffnet, muss das Quartett zwischen Totenköpfen, schaurigen Puppen und einer blutverschmierten Leichenattrappe nach Symbolen oder Werkzeugen suchen. Jeder noch so kleine Hinweis kann entscheidend sein, um am Ende den Zahlencode des Safes zu lösen. Denn dort ist der Schlüssel aufbewahrt, der den Studenten den Weg ins Freie ermöglicht.

Während die vier das "Exit Game" spielen und den Raum auf den Kopf stellen, werden sie von Kameras gefilmt. So kann Leiterin Anja Ettischer von der Exit Games AG in Stuttgart sehen, was die Gruppe macht. Sollte einer in Panik geraten, kann sie ihn ins Freie lassen. Ein Telefon, das die Gruppe erst aufstöbern muss, stellt den Kontakt zur Spielleiterin her. Denn das Rätsel ohne Tipps zu lösen, ist fast unmöglich. "Nur zwei Gruppen haben es bisher komplett ohne Hinweise geschafft", sagt Ettischer. Die Rekordzeit liegt bei knapp 34 Minuten und ist nur für geübte Exit-Gamer zu knacken.

Die Idee der "Exit" oder auch "Escape Games" kommt aus der digitalen Unterhaltung. Das Konzept der Abenteuerspiele an Computer und Konsole wurde in die Realität übertragen. Das Motiv der Spieler beider Formate könnte dasselbe sein, vermutet Maximilian Schenk vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware. "Viele Spieler nutzen digitale Spiele, um Abenteuer fernab ihres Alltags zu erleben, entweder allein oder mit anderen zusammen." Dieser Entdeckerdrang sei wohl auch Grund für die Begeisterung an Exit Games, sagt Schenk.

Die realen Abenteuerspiele werden in ganz Deutschland angeboten. Zwar hat jeder Betreiber sein eigenes Konzept, die Idee ist aber ähnlich: Eine Gruppe von Spielern ist eingesperrt und soll den Raum schnell wieder verlassen. Dazu muss sie nach Hinweisen suchen und eine Denkaufgabe nach der anderen lösen. Die Gruppe kann erst dann ins Freie, wenn der entscheidende letzte Hinweis gefunden - oder die Zeit abgelaufen ist. "Nur die Genres und Rätsel variieren je nach Anbieter", sagt Alexander Strohkörndl. Er und seine beiden Mitgründer der Exit Games AG, Dinela und Michael Bierhahn, bieten die Gruppenspiele in Stuttgart an.

Begonnen haben sie im März 2014 mit einem 60er-Jahre-Raum, seit Oktober gibt es den Horror-Raum. Das Ehepaar Bierhahn sei in Ungarns Hauptstadt Budapest auf die Exit Games aufmerksam geworden und habe sie nach Deutschland gebracht. In Budapest würden die realen Adventure Games schon länger angeboten. "Ursprünglich stammt die Idee aber aus Asien", sagt Strohkörndl.

Die Klientel, welche die Räume bucht, ist unterschiedlich: Studenten, Familien oder auch Firmen, die das Spiel als teambildende Maßnahme sehen, kommen in den Gewölbekeller nach Stuttgart. "Man kann nicht unbedingt sagen, dass es hauptsächlich Computer-Spieler sind", sagt Strohkörndl. "Die Leute haben Spaß in der Gruppe und es ist eben etwas komplett anderes."

Schenk führt das Interesse an Exit Games auf einen Trend zurück. "Grundsätzlich wird das Spielen von immer mehr Menschen wieder entdeckt, unabhängig davon ob digital oder analog gespielt wird". Die vier Studenten im Horror-Raum geraten langsam in Panik. Der Countdown läuft, nur noch Sekunden bleiben dem Quartett, um den Safe zu öffnen. Geschafft: Die vier rennen mit dem Schlüssel zur Tür. Als sie sie öffnen, ertönt Applaus. Ettischer und Strohkörndl beglückwünschen die Gruppe. "Das war eine Punktlandung", sagt Strohkörndl und zwinkert der Gruppe zu.

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