Abenteuer im Parkhaus

Das umstrittene Parkhaus am Feldberg ist seit zwei Monaten in Betrieb. Das Verkehrschaos im Skigebiet hat es deutlich verbessert - doch viele finden sich nicht zurecht, und immer wieder streikt die Technik.

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Hat noch Kinderkrankheiten: Das Parkhaus am Feldberg.  Foto: 

Angelo Zuzolo und seine Tochter Alessia irren durch das Parkhaus am Feldberg. Er trägt einen Schlitten, sie sucht nach Schildern, die ihnen den Weg nach draußen zeigen könnten. "Das ist ein bisschen wie ein Labyrinth hier", sagt Alessia. "Ja, alles ziemlich verwirrend", meint ihr Vater. Die beiden sind aus Schaffhausen, zum ersten Mal am Feldberg. Sie waren schon draußen beim Schlittenfahren, sind kurz ins Parkhaus zurückgekehrt - nun suchen sie die Tür nach draußen. Doch sie finden sie nicht mehr.

Auch ihre Suche nach den Toiletten war schwierig - hier sind Pfadfinder-Fertigkeiten gefragt. Das Problem hat auch eine Frau, die durchs Treppenhaus irrt und das WC sucht. In jedem Stockwerk des Parkhauses hängen zwar die Hinweisschilder auf die Toiletten, doch nirgends steht, dass sie auf der zweiten Ebene sind. Ebenso ist das Ski-Depot nicht auf Anhieb zu finden - außer der Besucher ist zufällig gerade auf Ebene drei. Dort ist der Raum, der Wärme ausstrahlt. Er ist gefüllt mit abschließbaren Stahlschränken. Darin können die Wintersportler abends ihre Bretter, Schuhe und den Rest der Ausrüstung deponieren und am nächsten Morgen vorgewärmt wieder nutzen.

Trotz der Mängel, die die Garage noch hat, die Zufriedenheit über deren Existenz ist groß. "Das Parkhaus ist eine prima Idee", sagt Serge Noach aus den Niederlanden. Er kommt seit fünf Jahren zum Skifahren an den Feldberg und kann sich an das Verkehrschaos, das in den vergangenen Wintern herrschte, gut erinnern. An sonnigen Tagen in den Ferien und an den Wochenenden ging auf der Zufahrtsstraße zur Talstation und der Bundesstraße 317 fast nichts mehr. Wintersportler parkten kreuz und quer, stellten Bushaltestellen und die Straße derart zu, dass weder Busse noch Rettungsfahrzeuge noch durchkamen.

Nach mehr als 50 Jahren des Diskutierens, Streitens, Wartens und Suchens nach einem Investor ist das Parkhaus Wirklichkeit geworden. Seit gut zwei Monaten ist es geöffnet und wird gut angenommen. "Das ist schon toll, wenn man vom Skifahren kommt und kann im Trockenen in ein schneefreies Auto einsteigen", sagt ein Skifahrer, der gerade versucht hat, die Parkgebühr mit dem Skipass verrechnen zu lassen. Das sollten die Automaten leisten, die auf jeder Ebene stehen. Doch bei Wolfgang Hund aus Oberkirch klappt es nicht. Der Automat zieht die Parkkarte zwar ein, akzeptiert aber den Skipass nicht.

Er macht sich auf den Weg zum Büro im Einfahrtsbereich. Dort sitzt Andras Skulteti mit einem Kollegen von der Firma Indigo, die das Parkhaus betreibt. Beide beobachten den Verkehr im Haus und helfen den Besuchern, die mit der Technik nicht klar kommen. Ja, es gebe noch Probleme, sagt er. "Aber es wird jeden Tag besser." Auch die VIP-Einfahrt soll bald funktionieren. Die wurde für die Besucher gebaut, die sich übers Internet einen Parkplatz reservieren. Sie müssen nicht mit den anderen in der Schlange stehen, sondern gelangen bequem über "ihre" Einfahrt ins Haus.

Dass die neue Riesen-Garage noch "Kinderkrankheiten" hat, räumt Feldbergs Bürgermeister Stefan Wirbser ein. Die würden in den nächsten Monaten aber behoben. Dann würden auch an der B 317 Hinweisschilder auf das Parkhaus aufgestellt mit der Anzeige, wie viele Plätze darin noch frei sind. Denn manche hätten noch gar nicht mitbekommen, dass es das Parkhaus gibt, sagt Wirbser. Sie parkten noch immer - wohl aus Gewohnheit - an der Bundesstraße.

Eine Tageskarte kostet zehn Euro. "Das ist angenehm", sagt Angelo Zuzolo. Er ist aus der Schweiz offenbar höhere Parkgebühren gewohnt. Andere finden das teuer. Wer einen Skipass hat, kann kostenlos parken.

Das Parkhaus bietet 1200 Pkw Platz, 45 Busse können davor parken. Während der Fastnachts-Ferien und auch in der frühlingshaften Weihnachtszeit sei das Parkhaus oft mehrfach randvoll gewesen, sagt Wirbser. Das Chaos entlang der B 317 habe "deutlich nachgelassen". Er ist mit der Akzeptanz zufrieden und hat bislang "überwiegend positive Resonanz" bekommen. Wirbser hat sich jahrelang für den Bau des Parkhauses eingesetzt. Er musste mehrere Rückschläge einstecken, hatte Investoren gefunden und wieder verloren. Auch Umweltschutzverbände kritisierten den Bau. Mit dem privaten Bankhaus Ellwanger & Geiger aus Stuttgart hat die Realisierung geklappt.

BUND kritisiert riskante Fehlinvestition

Größtes Skigebiet Mit 55 Kilometern Pisten und 37 Liften ist der Feldberg das bedeutendste Skigebiet im Land, jährlich kommen bis zu 500.000 Besucher. Aktuell liegen auf dem Feldberg 75 Zentimeter Schnee. In tieferen Lagen sind einige Lifte geschlossen.

Kurze Saison Die Skisaison am Feldberg konnte überhaupt erst vor vier Wochen starten. Davor lag kein Schnee, es war es viel zu warm. Der BUND kritisiert deshalb den Parkhaus-Bau als Fehlinvestition: Gerade der aktuelle Winter zeige, dass der Betrieb wegen des Klimawandels nie rentabel sein könne, das Risiko trage die hoch verschuldete Gemeinde Feldberg. Das Parkhaus kostete 15 Millionen Euro, ein ursprünglich geplanter Landeszuschuss wurde von der grün-roten Regierung verweigert.

 

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