"Unsere Jungs" bleiben in der Winzerhalle

Eine geplante Verlegung von Flüchtlingen ist in Weinheim vom Tisch. 120 Männer bleiben in der Gemeindehalle - auf Wunsch der Einheimischen.

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"Eine sagenhafte Entwicklung", bejubelt Heiner Bernhard, SPD-Oberbürgermeister von Weinheim, eine Seltenheit in der aufgeheizten Asyldebatte. In Lützelsachsen, dem größten Ortsteil der Stadt in der Nordwestecke Baden-Württembergs, wollen die knapp 5000 Einwohner "ihre" Flüchtlinge nicht mehr hergeben. Dabei hatte die Unterbringung von 120 Männern - zumeist aus Syrien, Afghanistan und dem Irak - anfangs wenig Begeisterung ausgelöst.

Der Stadtteil wird wegen seiner guten Lage von gut situierten Bürgern bevorzugt. Als sich das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises im Herbst letzten Jahres zur Umnutzung der "Winzerhalle" entschloss, sei die Stimmung "skeptisch" gewesen, erinnerte sich Bernhard. Der Sportverein musste das Training verlegen, dem Heimatverein fehlt der Schauplatz für sein Winzerfest.

Gravierende Bedenken gibt es offenbar nicht mehr. Stattdessen sei dank der Arbeit eines ehrenamtlichen "Standort-Teams" eine "optimale Infrastruktur entstanden", stellte die städtische Flüchtlingsbeauftragte Ulrike Herrmann fest. Neben den Kirchen engagieren sich die beiden Vereine, die "ihre" Halle verloren haben.

Dort ist die Unterkunft allerdings weiterhin notdürftig. Die Schlafbereiche mit den Feldbetten sind durch abgehängte Bauzäune getrennt. Weil oft die Heizung ausfällt, organisierten die Betreuer ein mobiles Provisorium. Für Unterstützung und Gastfreundschaft bedankten sich die Flüchtlinge kürzlich vor einem Supermarkt mit Pralinen.

Um die Halle ihrer eigentlichen Zweckbestimmung zurückzugeben, wollte das Landratsamt die Schutzsuchenden eigentlich am 14. Februar nach Sinsheim verlegen. Auf Initiative von Ortsvorsteherin Doris Falter (Freie Wähler) trafen sich aber Vertreter von Kirchen und Vereinen, Anwohner und Kommunalpolitiker, um über die Zukunft der Flüchtlinge zu entscheiden. Das Votum fiel einstimmig gegen die Verlegung aus. "Unsere Jungs dürfen bleiben", machte als Nachricht die Runde.

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