"Nicht besser als andere Schularten"

Bildungswissenschaftler aus acht Hochschulen haben die Gemeinschaftsschulen begutachtet. Tenor ihrer Ergebnisse: Das neue Schulmodell reiht sich ein in die Qualität, die auch andere Schularten bieten.

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"Nichts" hat Kultusminister Andreas Stoch (SPD) überrascht in der noch von seiner Amtsvorgängerin groß angelegten wissenschaftlichen Begleitstudie: Die Gemeinschaftsschulen, von Grün-Rot angesichts schwindender Schülerzahlen nach dem Regierungswechsel 2011 eingeführt, heben sich weder besonders positiv noch negativ in der Schullandschaft ab.

"Es gibt keine Ausreißer", sagt der Tübinger Erziehungswissenschaftler Thorsten Bohl bei der Vorlage eines kurzen Abschlussberichts. Die neue Schule müsse aber auch keinen Vergleich mit anderen scheuen. Wie die Schüler motiviert seien, hänge nicht vom Schultyp ab, qualitätsentscheidend seien vielmehr die Lehrer und ihr Unterricht. Ist das nicht eine Binsenweisheit, verpackt in wissenschaftliches Brimborium? Nein, heißt es, die Begleitforschung sei schon allein deshalb nicht wertlos, weil sie viel über den Umgang mit heterogenen Klassengemeinschaften beinhaltet. Davon, so Bohl, könnten aber alle anderen Schularten auch profitieren, denn auch die Gymnasien und die Realschulen sind längst nicht mehr homogen besetzt.

Qualitätsunterschiede zeigten sich im Land sowohl zwischen einzelnen Gemeinschaftsschulen als auch eher unerwartet zwischen einzelnen Lerngruppen. Schwächere Schüler konzentrierten sich zumeist darauf, was die Lehrer an der Tafel bieten. Stärkere nutzten die individuellen Lernzeiten besser, erläutert Albrecht Wacker, Erziehungswissenschaftler an der PH Heidelberg. Für die Lehrer steige deshalb der Aufwand, sich abzusprechen und auf den Mix unterschiedlicher Lernformen vorzubereiten. Zeit sei die knappste Ressource, geben die Lehrer an. Gleichwohl nähmen sie diese Mehrarbeit positiv auf.

Welche politischen Konsequenzen zieht Stoch daraus? Die über zwei Jahre erarbeitete, weitgehend repräsentative Studie sei "weder Heiligsprechung noch Totalverriss", sondern differenzierte Grundlage fürs Nachsteuern, beispielsweise in der Lehrerbildung. Stoch kennt die Belastung der Pädagogen. Gleichwohl werde es keine Deputatserleichterung geben. Der neue Bildungsplan, der im Herbst kommt, biete aber Entlastung, weil er viel konkreter ist als der alte und zahlreiche Hilfestellungen gibt für den gemeinsamen Unterricht leistungsstarker und -schwacher Schüler.

Die ideologische Komponente der Einführung, das Versprechen auf Chancengleichheit für Kinder auch aus bildungsfernen Schichten, findet in der Studie keinerlei Erwähnung. Es ist einfach zu früh für eine solche Analyse, sagt Stoch, gerade weil die Gemeinschaftsschule ja auch Spätzündern noch Korrekturen ihres Bildungsweges erlaubt.

Erste Reaktionen fallen gemischt aus: Der Philologenverband, der vor allem Gymnasiallehrer vertritt, bemängelt, dass der Lernerfolg der Gemeinschaftsschüler nicht Gegenstand der Studie war. Auch die FDP fordert konkrete Ergebnisse aus den zehn untersuchten Schulen; zumal Einzelergebnisse über schwere Mängel in zwei Lerngruppen einer Tübinger Schule berichteten. Die CDU bemängelt das Fehlen der Leistungsstandsdiagnose als blinden Fleck und bildungspolitischer Offenbarungseid.

Die Arbeitgeber hingegen finden, für die Bewertung etlicher Ziele wie bessere Ausbildungsreife, mehr mittlere Abschlüsse, mehr direkte Übergänge in Ausbildung und Beschäftigung sei es noch zu früh, weil es keine Abschlussjahrgänge gibt.

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