"Elefantenrunde" bringt SWR nur Ärger

Drei statt zwei? Fünf statt vier - oder gar sechs? Der Südwestrundfunk tut sich seit Monaten schwer mit der Frage, welche Spitzenkandidaten für die Landtagswahl wo im Fernsehen aufeinandertreffen sollen.

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Peter Boudgoust, Intendant des Südwestrundfunks (SWR), hat Post von der Partei Die Linke bekommen. Deren Landesgeschäftsführer Bernhard Strasdeit moniert in dem seit Freitag offenen Brief, für die SWR-Fernsehrunde der Spitzenkandidaten drei Tage vor der am 13. März stattfindenden Landtagswahl "gibt es bislang keine Einladung an Die Linke". Und das, obwohl sie 2011 dabei war.

Dagegen haben sich die vier Landtagsparteien den 10. März längst dick angestrichen für die Elefantenrunde mit Amtsinhaber Winfried Kretschmann (Grüne), Herausforderer Guido Wolf (CDU), Nils Schmid (SPD) und Hans-Ulrich Rülke (FDP). Denn schon am 20. Juli hatte SWR-Landessenderdirektorin Stefanie Schneider den Parteien schriftlich mitgeteilt, man wolle, der Tradition folgend, die Spitzenkandidaten aller im Landtag vertretenen Parteien kurz vor der Wahl zusammen vor die Kameras holen. Der Zusatz "sowie die Spitzenkandidaten der aussichtsreichen Parteien" stand auch im Brief.

Das blieb so lange ungerügt so stehen, bis im Dezember SWR-Überlegungen die Runde machten, eventuell auch die AfD, die in den letzten Monaten mit bis zu acht Prozent in Umfragen notiert worden ist, zur Wahlsendung dazu zu bitten. Umgehend erklärten Kretschmann und Schmid, sich mit den Rechtspopulisten nicht an einen Tisch zu setzen. Man wolle die AfD nicht aufwerten, wird argumentiert. Eine Position, die schwerlich nochmal geräumt werden kann. Wolf hingegen würde im Fall des Falles kommen und "auf die Kraft der besseren Argumente" setzen. Die Bürger hätten ein Anrecht zu vergleichen, und zudem könne er deutlich machen, "dass die AfD nur Ängste schürt, statt Antworten zu liefern".

Die Linke nennt die Konkurrenz auf der Rechten "eine reine Umfragepartei" ohne Mandate im Landtag oder Bundestag. Dort sei hingegen sie stärkste Oppositionsfraktion. Im Land aber kommt die Linke in Umfragen wie 2011 nicht über vier Prozent hinaus. "Wir werden Mitte Januar entscheiden", sagt SWR-Sprecher Wolfgang Utz. "Eine Vorfestlegung gibt es nicht."

Beim MDR dagegen schon. Und die bringt den SWR in die Bredouille. Denn vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bietet der Mitteldeutsche Rundfunk nur den Spitzenkandidaten der Landtagsparteien - CDU, die Linke, SPD und Grüne - am 7. März in der Sendung "Fakt ist!" ein Podium. Die außerparlamentarische AfD, die am 13. März laut jüngster Umfrage 13,5 Prozent wählen wollen, kann nur zuschauen. SWR-Justitiar Hermann Eicher zufolge müsse ein öffentlich-rechtlicher Sender gerade vor Wahlen den aussichtsreichen Parteien eine "abgestufte Chancengleichheit" gewähren, andernfalls drohten Klagen. In Magdeburg lässt man es darauf ankommen.

Am Donnerstag wird der SWR die neueste Infratest-Dimap-Umfrage veröffentlichen, die zwar nicht das einzige Kriterium, aber ein sehr wichtiges sein wird, wenn es um den 10. März geht. Konfrontiert mit den Daten werden die beiden Spitzenkandidaten Kretschmann und Wolf in der TV-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg", wenn sie "zum ersten Mal im Fernsehen" aufeinander treffen.

Dass das "Streitgespräch" explizit nicht Duell heißen darf, geht auf Landessenderdirektorin Schneider zurück. Erstmals in dieser Rolle mit einer Landtagswahl befasst, hatte sie sich (gegen Vorbehalte in den Redaktionen) im Sommer für einen sonderbaren grün-rot-schwarzen "Dreikampf" statt eines Duells stark gemacht. FDP-Mann Rülke drohte mit Klage, Wolf sagte das "Triell" ab.

Befördert haben wird das Zweier-Streitgespräch der Termin am 20. Januar im Stuttgarter Theaterhaus. Da stellen sich Kretschmann und Wolf den Fragen der eng mit dem SWR verbundenen Journalisten Wieland Backes und Michael Zeiss. Die 900 Plätze sind ausverkauft.

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