AfD Wahlkampfauftakt im Südwesten

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Während sich im Großen Kursaal von Bad Cannstatt AfD-­Bundes­sprecher Jörg Meu­then in Fahrt redet, platschen draußen erste dicke Tropfen aus dem Abendhimmel auf die gekiesten Wege des Kurparks. Die bisher entspannt in Grüppchen herumstehenden Einsatz-Polizisten eilen unter Vordächer und Baumkronen, als ausgerechnet jetzt eine kleine Demonstration naht.

Doch die Lage bleibt ruhig. Der Kursaal ist sorgsam mit Metallgittern abgesperrt, die Eingänge sowieso Türsteher-bewehrt und die Demonstranten, die zuvor schon in Cannstatt-Mitte ihre Parolen skandiert haben, sind eher mäßig motiviert. Von dieser Abteilung der „antifaschistischen Krawallerie und Berufsdemonstranten“, von diesem „linksbuntblöden Querfrontbündnis“, wie Meuthen drinnen unter Gelächter ruft, geht gerade keine Gefahr für jene Zuhörer aus, die gekommen sind, um dem Auftakt des AfD-Bundestagswahlkampfes im Land beizuwohnen.

30 Kandidaten vorgestellt

Es ist zuletzt ruhiger um die AfD geworden. Seit nicht mehr jeden Abend Bilder von Flüchtlingstrecks und überfüllten Turnhallen in der „Tagesschau“ laufen, fällt es der Partei schwerer, ihre Botschaften medienwirksam anzubringen. Meuthen findet das nicht. „Dieses Geschwätz, wir hätten keine Themen als die Migrationspolitik, ist Unsinn“, sagt er, um dann weiter über Migrationspolitik zu reden, über kriminelle Ausländer in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ und über die „Angriffe unserer Gegner aus dem politisch-medialen Komplex“. Er endet schließlich mit dem Satz: „Es ist an der Zeit, dass die schon länger hier Lebenden die schon länger hier Regierenden aus dem Amt jagen.“

Ähnlich hält es, nach weiteren Redebeiträgen und der Vorstellung der 30 baden-württembergischen AfD-Kandidaten für die Bundestagswahl, die frisch gekürte Spitzenkandidatin Alice Weidel. Dass auch sie vornehmlich über illegale Einwanderung, kriminelle Ausländer und den Islam spricht, begründet sie mit der Feststellung: „Keine bedeutende Frage unserer Zeit lässt sich von der Migrationsfrage trennen.“

Abgesehen davon kündigt sie an, im Fall eines Wahlsiegs die Mehrwertsteuer um sieben Prozentpunkte zu senken und Fälle von Steuerverschwendung strafrechtlich zu verfolgen. Zu den jüngsten Debatten um die Traditionen der Bundeswehr sagt sie: „Jetzt suche ich erst Recht die Bilder meiner Großeltern in Wehrmachtsuniformen heraus und hänge sie auf oder stelle sie mir hin.“ Beim Publikum kommt das alles sehr gut an, mehrfach gibt es „Bravo“-Rufe, am Ende stehenden Applaus.

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