"Das rechnet sich einfach nicht mehr"

Heute protestieren Hunderte Apotheker im Südwesten für höhere Honorare. Landesverbandschef Fritz Becker erklärt die Motive seiner Zunft.

|
Fritz Becker ist Vorsitzender des baden-württembergischen Landesapothekerverbands.

Der Protest der Apotheker dreht sich um die anstehende Erhöhung ihres zentralen Geschäfts mit verschreibungspflichtiger Arznei. Bei deren Preiszusammensetzung erhalten Apotheker pro Packung derzeit 8,10 Euro. Dieser seit 2004 unveränderte Betrag müsste ihrer Meinung nach um gut 1 Euro auf 9,14 Euro erhöht werden. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Baden-Württembergs Landesverbandschef Fritz Becker, erklärt die Motive im Interview.

Sie fordern mehr Geld pro Packung und verweisen auf steigende Kosten bei Mieten, Energie und Personal. Die Politik hält dagegen, dass die Apotheken ja auch mehr Packungen abgeben als früher. Lohnt es sich für Sie etwa nicht, bei gleichen Bedingungen mehr abzusetzen?

FRITZ BECKER: Unser Ertrag ist ja nicht mehr umsatzabhängig, sondern er ist packungsabhängig. Das teuerste Medikament, das ich zuletzt verkauft habe, lag bei 40 000 Euro. Das ist aber nur eine einzige Packung, die ich verkauft habe. Und unser Einkommen und unser Rohertrag hängen an der Packungszahl. Umsätze sagen da wenig aus.

Aber die abgegebene Packungszahl stieg doch seit 2004 um fast zehn Prozent. Da bleibt die Frage, inwieweit das Ihre Fixkosten treibt.

BECKER: "Mit steigender Packungszahl steigen im selben Maße auch die Kosten. Ich muss für jede Packung beraten, ich muss mich ja für jede Packung einsetzen beim Patienten. Das ist doch nicht nur ein Griff ins Regal. Nehmen Sie allein die Rabattverträge mit den Kassen, die wir umsetzen müssen. Das ist Riesenerklärungsbedarf, zeitintensiv."

Jetzt sind Sie ja nicht die IG Metall und dürfen - wenn es hart auf hart kommt - nicht einfach schließen. Wie könnten Sie weiter vorgehen?

BECKER: Wir wollen es natürlich nicht auf dem Rücken der Patienten austragen. Tagsüber überall Nacht- und Notdienstklappe ist erlaubt.

Aber wenn alle Apotheken komplett schließen und nur die Nacht- und Notdienstapotheke offen hätte, dann würde es Schwierigkeiten geben.

Was Sie am Mittwoch machen ist also schon das Höchste der Gefühle?

BECKER: Wir könnten diese Aktion natürlich noch länger als nur einen Tag lang ausweiten. Aber mehr Einschränkung - da wird es illegal.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Albi: Edeka übernimmt Mitarbeiter

Der Edeka-Verbund hat am Freitag das komplette Unternehmen der Albi GmbH & Co. KG in Bühlenhausen übernommen. weiter lesen