Festveranstalter setzt nach Randale mehr Security ein

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Besucher des Open-Air-Festivals „Das Fest“ verfolgen ein Konzert. Foto: Uli Deck/Archiv  Foto: 

Nach den Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen auf zwei junge Frauen auf dem Schorndorfer Stadtfest wird über Sicherheitsvorkehrungen bei anderen Veranstaltungen diskutiert. „Schorndorf hat uns hellhörig gemacht“, sagte Axel Heldmann, Chef des Handels- und Gewerbevereins im Stuttgarter Bohnenviertel, am Dienstag. Deshalb habe er die Zahl der Securityleute für das Bohnenviertel-Fest nochmals erhöht. Er erwarte ein friedliches Fest mit täglich rund 6000 Besuchern zwischen Donnerstag und Samstag. Die „Stuttgarter Zeitung“ hatte zunächst darüber berichtet.

Unterdessen ermittelt die zuständige Polizei in Aalen weiter gegen drei Afghanen und einen Iraker wegen des Verdachts sexueller Belästigung einer 17-jährigen und einer 25-jährigen Frau am vergangenen Wochenende in Schorndorf. Die vier jungen Männer sind auf freiem Fuß. Bei den Belästigungen hatte auch Alkohol eine Rolle gespielt. Suchtprobleme von Flüchtlingen müssen nach Ansicht eines Experten stärker in den Blick genommen werden.

Die Polizei eruiert noch die Zahl der in der Nacht zum Sonntag durch Flaschenwürfe verletzten Gäste. Die Geschosse wurden aus einer Ansammlung von 1000 jungen Menschen im Schorndorfer Schlosspark geworfen. Die Beamten seien wegen ihrer Schutzkleidung unverletzt geblieben, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen.

Für Konzerte gelten etwa beim Tübinger Veranstalter Koko&Dtk Entertainment GmbH bereits seit dem Terroranschlag bei einem Musikfestival im bayerischen Ansbach vor einem Jahr schärfere Sicherheitsvorkehrungen. Deshalb sind am Wochenende bei Konzerten der Fantastischen Vier und des Sängers Zucchero keine zusätzlichen Kontrollen geplant. „Der Eintrittspreis hält viele ab, die böse Absichten haben“, sagt der Geschäftsführer des Konzertveranstalters, Marc Oßwald.

Auch die Veranstalter von „Das Fest“ in Karlsruhe sehen keinen Anlass für erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. „Unser Besucherprofil unterscheidet sich deutlich von dem in Schorndorf“, sagte der Sicherheitsbeauftragte des Open-Air-Festivals, Markus Wiersch. Bei „Das Fest“ handele es sich um ein Familienfestival. Bereits nach den Übergriffen in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln habe man Konsequenzen gezogen und das Personal aufgestockt.

Das Stadtfest in Schorndorf verlief am Montagabend friedlich, sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Es sei weniger los gewesen als am Wochenende. Die Polizei hatte nach den Krawallen mehr Kräfte eingesetzt und dunkle Bereiche ausleuchten lassen.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer warb für einen Schulterschluss von Politik und Polizei. „In Zukunft noch mehr, um zu sagen: Da gibt es null Toleranz für Gewalt gegen die Polizei“, sagte der SPD-Politiker am Dienstag im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF. Er räumte ein, dass Stadt und Politik am Wochenende zu spät reagiert hätten, betonte aber auch, dass in Schorndorf kein Ausnahmezustand geherrscht habe. Laut Polizei war es ein Anliegen der Stadt, den Zeitpunkt für den Zapfenstreich für die im Schlosspark feiernden jungen Leute nach hinten zu verlegen.

Als „völlig inakzeptabel“ bezeichnete Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Vorfälle. „Schuld ist nicht die Polizei, sondern schuld sind die, die Frauen begrapschen, übergriffig sind, Straftaten begehen, Polizisten mit Flaschen bewerfen, Gewalt ausüben.“

Faruk Özkan von der Stuttgarter Drogenberatungsstelle Release warnte vor negativen Langzeitfolgen, wenn man sich den Herausforderungen der Suchtprobleme von Flüchtlingen jetzt nicht stelle. Menschen aus islamischen Ländern seien mit Alkohol und möglicher Suchtgefahr bis zur Ankunft im Westen nie konfrontiert worden.

Die AfD-Fraktion hat für Donnerstag zur Landtagssitzung eine aktuelle Debatte ansetzen lassen mit dem Titel „Schorndorfer Stadtfest: Die „Kölner Silvesternacht“ ist in der schwäbischen Provinz angekommen“.

Die Landesregierung hatte am Sonntag unabhängig von den Ereignissen in Schorndorf beschlossen, sich von alten Stellen-Einsparprogrammen bei der Polizei zu verabschieden. Aus Polizeikreisen wurde Kritik an den Plänen der Koalition laut, das nächtliche Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen und in Supermärkten wieder einzukassieren. Das könne letztlich zu mehr Gewalt führen.

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