ZEUGEN JEHOVAS · GLAUBE AN NEUE WELT: Rülke schließt Anerkennung aus

Stuttgart.  Die "Aktion Bildungsinformation" spricht sich gegen eine Anerkennung der Zeugen Jehovas aus. Sie könnten die Gesellschaftsordnung gefährden.

Die CDU/FDP-Landesregierung prüft derzeit, ob sie den Zeugen Jehovas die Anerkennung als Religionsgemeinschaft verweigern kann. Die Anerkennung würde die Sekte den großen christlichen Kirchen gleichstellen. Der Justizminister verschickte unlängst Briefe an Aussteiger, um mehr über die Zeugen Jehovas zu erfahren. Nach Angaben der FDP wolle man es auf einen Prozess ankommen lassen, FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke: "Es gab immer schon Einigkeit zwischen Stefan Mappus und mir, dass wir die Anerkennung nicht wollen. Daran hat sich nach meiner Kenntnis nichts geändert."

Die Zeugen Jehovas sind eine christliche Glaubensgemeinschaft mit eigener Bibel-Auslegung. Die Anhänger glauben an "Jehova" als "allmächtigen Gott und Schöpfer" und sind davon überzeugt, dass eine neue Welt bevorsteht und sie als Auserwählte gerettet werden. Sie stehen dem Staat distanziert gegenüber. An Wahlen nehmen sie aus religiösen Gründen nicht teil. Sie könnten nach Ansicht einer Sektenexpertin die Gesellschaftsordnung gefährden. "Im Falle einer Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts wären sie gesellschaftlich relevant. Sie hätten dann zusätzlichen Einfluss wie beispielsweise im Rundfunkrat - aber in Richtung Unfreiheit statt Freiheit", sagte Helga Lerchenmüller von der "Aktion Bildungsinformation".

Kinder der Zeugen Jehovas sind nach den Worten Lerchenmüllers oftmals hin- und hergerissen zwischen "der Welt da draußen" und den Ritualen der Gemeinschaft, die vieles verbietet, wie etwa das Feiern von Geburtstagen. "Dadurch geraten die Kinder in eine Konfliktsituation, mit der sie aufgrund ihres Alters gar nicht umgehen können." Lerchenmüller kritisiert auch den Umgang mit der Gesundheitsvorsorge. "Sie lehnen die Verwendung von Blut ab und stellen die Frage, ob Bluttransfusionen medizinisch notwendig sind. So beeinflussen sie ihre Anhänger in nicht vertretbarer Art und Weise."

Ehemalige Zeugen Jehovas sind laut Lerchenmüller auch Jahre nach ihrem Ausstieg geprägt von einem "Grundgehorsam". "Dies äußert sich darin, dass sie für jede Konfliktsituation die Schuld bei sich selber suchen, wie es ihnen beigebracht wurde": Die Anhänger sind überzeugt, dass ihr System funktioniert. "Wenn es mal nicht funktioniert, ist der Anwender schuld, weil er sich abgewandt hat oder zu kritisch war. Oder, wenn er unter dem Einfluss einer negativ eingestellten Person steht." Viele Zeugen Jehovas wagten nicht, kritische Gedanken zu haben - "aus Angst, ihr Lebensglück zu verspielen". Bei einem Ausstieg gingen fast alle Kontakte verloren. lsw


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Kommentare (15)

15.06.2010 17:56 Uhr |   nachdenklicher

Menschen- und Gesellschaftsverständnis der Helga...

Mir ist unbekannt, was Frau Lerchenmüller zur Expertin wofür auch immer macht, allerdings stimmt es mich nachdenklich, dass man nach ihrer Meinung noch nicht einmal medizinische Behandlungsmethoden in Frage stellen darf. Frau Lerchenmüller, das ist wissenschaftliche Grundlage jeder Forschung! Durch solche Aussagen disqualifizieren sie sich selbst ins Abseits jeglichen ernstzunehmenden Diskurses.

Auch der Gedanke, dass sich Kinder in Konfliktsituationen nicht zurecht finden ist abstrus. Frau Lerchenmüller, wie eindimensional war ihre Erziehung und Bildung? Offensichtlich so sehr, dass Sie bis heute nicht konfliktfähig sind. Schade.

Liebe Südwestumschau, wie sind Ihre Kriterien für Experten? Ich will auch mal was sagen. Und Sie lassen ja offenbar so ziemlich alle ran. Da hab ich doch gute Aussichten, oder?
27.05.2010 22:59 Uhr |   unbekannt

Zeugen Jehovas

Man kann ZJ werden , muss es aber nicht zwangsläufig bleiben. In jedem Verein gibt es interne Regeln , die ich allerdings schon beim Eintritt kenne(n sollte) . Soweit mir bekannt , haben die ZJ nicht wirklich ernstzunehmende Probleme mit Kindesmissbrauch ,Pädophilie o.ä.; auch AIDS spielt wohl nicht wirklich eine Rolle .Über Ihre Haltung im 3.Reich braucht man nicht zu diskutieren .Sehe ich mich dagegen in den "renomierten Kirchen" um ,drängt sich mir das Jesus-Wort auf :"An ihren Früchten werdet Ihr sie erkennen...." Übrigens : Mein Großvater (katholischer "Mitläufer") starb an einer unnötigen Bluttransfusion ,die er sich aus opposition seiner Tochter gegenüber (eine Zeugin Jehovas ) verabreichen ließ .
27.05.2010 17:07 Uhr |   Turbo

Zeugen Jehovas

Drei Anmerkungen
1.) Was ein Mensch glaubt ist freilich seine Privatsache.
2.) Ich selbst habe für ca. 10 Jahre den Kontakt zu ZJ
abgebrochen-leider- . Die Ältesten hatben mich in der Zeit sporadisch besucht; waren dabei immer zurückhaltend und höflich.
Ich selbst habe den Kontakt nicht gesucht und auch
anderweitig sozialen Kontakt aufgebaut. Jeder ZJ weiss, wann er die Gemeinschaft entzogen bekommt, und dies vor der Taufe, und was dies bedeutet.
3.)Die Rechtsnachfolger derjenigen, die ZJ im Konzentrationslager umgebracht haben, sollten
darüber nachdenken, wessen Geistes Kind sie sind.

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