Wie viel Nähe dürfen Seelsorger, Lehrer und Jugendleiter noch wagen?
Der Missbrauchsskandal in der Kirche hat vieles verändert. Er hat, neben anderem, auch für Verunsicherung gesorgt darüber, wie viel menschliche Nähe noch sein darf zwischen Pfarrern und Ministranten, Lehrern und Schülern, Freizeitleitern und Jugendlichen, Dirigenten und Domsingknaben. Denn jeder weiß in der Kirche, dass die Mitarbeiter unter starker Beobachtung stehen. Dass genau hingeschaut wird, dass Eltern misstrauischer geworden sind.
Diese stärkere Kontrolle kann mögliche Täter abhalten. Doch leicht wird eine harmlose Berührung falsch interpretiert. Absolut korrekte Mitarbeiter können unbeabsichtigt in Verdacht geraten. So gilt es, schon den Anschein eines sexuell geprägten Körperkontakts zu vermeiden. Sensibilität ist gefragt. Eine Umarmung, ein Tätscheln, um ein Kind zu trösten, könnte als sexuell geprägte Berührung missdeutet werden.
Viele Seelsorger wüssten nicht mehr, ob sie überhaupt noch Begegnung und Nähe wagen dürften, sagt der Rottenburger Domkapitular Paul Hildebrand. "Das zerstört seelsorgerliche Beziehungen", klagt der Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal im Bischöflichen Ordinariat. web
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Autor: SWP | 22.03.2011
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