"Werden mit Peanuts abgespeist"

Helmut Klotzbücher, Sprecher des Vereins ehemaliger Heimkinder, hält die nun für Misshandlungen angekündigten Entschädigungen für "Hohn angesichts dessen, was wir erlitten haben".

120 Millionen Euro hat der Runde Tisch Heimerziehung als Entschädigung für ehemalige Heimkinder vorgeschlagen. Wie stehen Sie dazu?

HELMUT KLOTZBÜCHER: Das Ergebnis hört sich gewaltig an. Aber was am Ende für uns ehemalige Heimkinder herauskommt, ist wenig. Mit etwas Glück bekommt jeder vielleicht 1000 Euro. Dieses Geld gibt es aber erst nach einer vorherigen Prüfung, bei der jeder nachweisen muss, dass sein derzeitiger Zustand ein Folgeschaden der Heimunterbringung ist. Das sind Peanuts, mit denen uns Deutschland da abspeist.

Wie waren die Reaktionen anderer Betroffener?

KLOTZBÜCHER: Die Anfragen sind enorm. Allein bei mir haben jetzt innerhalb von zwei Tagen 240 ehemalige Heimkinder angerufen. Die E-Mails habe ich noch gar nicht gezählt. Viele haben das Thema jahrzehntelang verschwiegen und trauen sich erst jetzt, offen über ihre Zeit im Heim zu reden. Insgesamt gehen wir von 800 000 bis zu einer Million Betroffener aus.

Wie sehen Ihre Forderungen aus?

KLOTZBÜCHER: Wir wollen eine ähnliche Entschädigung wie sie ehemalige Heimkinder in anderen europäischen Staaten erhalten. Irland zahlt etwa 74 000 Euro pro Person. Wir sind deshalb für eine monatliche Rente von 300 Euro oder eine Einmalzahlung von 54 000 Euro.

Sie selbst haben während ihrer Zeit im Heim für das Zementwerk Schelklingen gearbeitet und dabei ein Bein verloren. Zahlen die Firmen mit ein in den Entschädigungsfonds?

KLOTZBÜCHER: Nein, auch das hat der Runde Tisch nicht geschafft. Die Industrie ist geschont worden. Ursache dafür ist, dass die Entschädigungsregelung sehr kurzfristig und nur mit Druck auf die Vertreter der Heimkinder erreicht worden ist.

Wie sehen jetzt Ihre nächsten Schritte aus?

KLOTZBÜCHER: Wir gehen vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Der Runde Tisch hat ja anerkannt, dass Grundrechtsverstöße in der damaligen Heimerziehung Menschenrechtsverletzungen waren. So etwas verjährt nicht, und jeder Einzelne von uns wird für diese Zeit eine angemessene Entschädigung einfordern.

Haben Sie das St. Konradihaus in Schelklingen nach ihrem Heimaufenthalt jemals wieder besucht?

KLOTZBÜCHER: Das habe ich schon ein paar Mal gemacht. Den jetzigen Direktor des St. Konradihauses hätten wir früher haben sollen, das ist ein prima Mann. Aber ich bin natürlich nicht unbefangen dort. Ich habe seit meiner Zeit im Heim eine starke Abneigung gegen die katholische Kirche. Ich bin auch ausgetreten. So, wie wir als Kinder damals behandelt wurden, verhöhnt es das Christentum.


Kommentare (1)

17.12.2010 00:29 Uhr |   unbekannt

MIt Peanuts abgespeist - Das Ende des Runden...

Der Abschluss ist ein Witz!

Frau Volllmer jedoch nennt ihn erfolgreich!
Für wen?
Für Kirchen und Staat, für Caritas und Diakonie mit Sicherheit!
Da heißt es jetzt:
Prima, die blöden Heimkinder über den Tisch gezogen, den runden!
Gesicht gewahrt!
Geld gespart!
Hoch die Tassen!

Kinder prügeln bis die Knochen splittern, treten, mit Stromschlägen foltern, nachts im Schnee stehen lassen, urinnasse Laken um die Ohren hauen, in Badewannen fast ertränken, halb verhungern lassen, Erbrochenes zu essen zwingen, vergewaltigen... billig!

ABER - man kann sie ja auch noch für sich schuften lassen! Unter Zwang und ohne Lohn versteht sich! Dann verdient man noch ein paar Milliarden an ihnen!

Man weiß ja: Kirche will auch leben, Staat und Industrie sind immer froh über ein kleines Zubrot. Und auch des Bischofs Rente will ja schließlich bezahlt sein...

Wofür werden die Blagen denn in die Welt gesetzt?

Hoch die Tassen!

Aber: JETZT ERST RECHT! NOCH SIND WIR NICHT TOT!

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Autor: BERNHARD RAIDT | 15.12.2010

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