Wahlkampf in klirrender Kälte
Lindau. Spannende OB-Wahl in Lindau. Der Rottenburger Ex-Ministeriale Klaus Tappeser (CDU) will sich gegen drei veritable Mitbewerber durchsetzen.
Ein Kandidat muss Zuversicht ausstrahlen, jammern ist kontraproduktiv. Das weiß Klaus Tappeser ganz genau. Auch unter widrigen Umstände achtet er darauf, dass ihm die Gesichtszüge nicht entgleisen. "Heute war ein toller Tag"", erzählt er strahlend, "sechs Grad minus - gestern war es doppelt so kalt." Eben ging er noch dick vermummt in Bad Schachen von Haus zu Haus. Jetzt steht er im warmen Saal des Lindauer Traditions-Gasthauses Köchlin und präsentiert sich, wie man ihn kennt: Im knitterfreien Anzug, mit weiß-blau gestreifter Krawatte, demonstrativ gut gelaunt. Gut 60 Leuten erläutert er, warum sie ihn, den Mann aus Rottenburg und Präsidenten des Württembergischen Landessportbunds, zum Oberbürgermeister von Lindau wählen sollten.
Tappeser betreibt seinen Wahlkampf mit kräftiger Unterstützung der lokalen CSU. Seine Plakate mit dem Slogan "Erfahren, kompetent, bürgernah" hängen an jeder Ecke, die seiner Konkurrenten muss man eher suchen. Der 54-Jährige will die Chance nutzen, wieder das machen zu können, worin er Übung hat: Eine mittelgroße Stadt führen. Tappeser war 13 Jahre lang OB von Rottenburg am Neckar - mit hohem Beliebtheitsfaktor. 2008 holte ihn Ministerpräsident Günther Oettinger als Amtschef ins Wissenschaftsministerium nach Stuttgart. Im Mai 2011 schickte ihn die grün-rote Landesregierung in den einstweiligen Ruhestand. Zu früh für einen wie Tappeser. Deshalb ließ er sich von der Lindauer CSU als Kandidat gewinnen, als der Partei ihr bisheriger Bewerber Rainer Rothfuß im Streit um den Bahnhof abhanden kam. Gerade fünf Wochen hatte Tappeser Zeit, um Stimmen zu werben. Am Sonntag gehen die Lindauer an die Urnen und haben die Wahl unter vier veritablen Kandidaten.
Die amtierende OB Petra Seidl (parteilos) strebt eine dritte Amtsperiode an und hat nach Meinung von Beobachtern an Statur gewonnen, seitdem sie alle Bindungen zu ihrer alten Partei CSU gekappt hat. Den Augsburger Stadtdirektor Gerhard Ecker (SPD) stützen SPD, Freie Wähler und ÖDP, die Alternativen schicken wieder Max Strauß auf die Planche, der vor sechs Jahren Seidl an den Rand einer Niederlage gebracht hat. Scharfe Konkurrenz also für den Baden-Württemberg-Export Tappeser. Der Ausgang ist schwer vorherzusagen. Wenn er nicht wenigstens das zweitbeste Ergebnis erreicht, ist Tappeser schon draußen, denn das bayerische Wahlgesetz schreibt beim zweiten Wahlgang eine echte Stichwahl unter den beiden stärksten Bewerben vor.
Im Köchlin-Saal, der für die Fasnet dekoriert ist, lässt sich Tappeser von Bürgermeister Karl Schober (CSU) als Fachmann vorstellen, der in Rottenburg schon seine Meisterprüfung abgelegt hat. Tappeser selbst räumt gerne ein, dass er noch nicht alle Facetten der Stadt Lindau kennt, aber der neue Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens müsse ja auch nicht jedes Detail kennen, argumentiert er. Und selbstbewusst verweist er darauf, dass er es schon bewiesen habe, die Probleme einer Stadt lösen zu können. Schober setzt auf den Charme des Imports. "Da, wo er persönlich hinkommt, gewinnt er."
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Autor: RAIMUND WEIBLE | 10.02.2012
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OB-Wahlkampf in Lindau: Klaus Tappeser (rechts). Foto: Klaus Franke
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