Wahlbeteiligung entscheidet über die Volksabstimmung

Ulm.  Komplizierte Volksabstimmung am Sonntag: Stuttgart-21-Gegner müssen mit Ja stimmen, Befürworter mit Nein. Dazu gibt es auch noch ein Quorum.

Nicht verwirren lassen: Wer Ja sagt zum neuen Tunnelbahnhof, muss Nein ankreuzen. Wer Nein sagt, muss Ja ankreuzen. Der Grund: Die grün-rote Landesregierung fragt die Wähler nicht einfach nach ihrer Meinung zum Stuttgarter Mega-Projekt. Das Volk muss über ein Gesetz abstimmen, mit dem das Land versuchen kann, aus der Finanzierung auszusteigen. Ja zum Ausstiegsgesetz oder Nein zum Ausstiegsgesetz - das ist die Frage am Sonntag. Verwirrend für viele. Anfang November sagten in einer Umfrage 18 Prozent der Befürworter, dass sie fälschlicherweise mit Ja votieren - wo sie doch gegen einen Ausstieg sind.

Inzwischen ging ein Infoheft an alle Haushalte. Das sei "fair gestaltet", urteilt die "Initiative Mehr Demokratie", die sich für mehr Bürgerbeteiligung einsetzt. "Insgesamt ist das Abstimmungsheft zur Volksabstimmung ausgewogen, es erleichtert die Meinungsbildung", findet Tim Weber von "Mehr Demokratie". "An einigen Stellen hätte man sachlicher formulieren können, aber von einseitiger Information kann keine Rede sein." Auch die von der Opposition kritisierte Abstimmungsfrage stelle keine Beeinflussung der Abstimmenden dar. Weber traut den Bürgern durchaus zu, dass sie begreifen, dass ein Ja zum Ausstieg ein Nein zu Stuttgart 21 bedeutet und umgekehrt.

Noch eine Schwierigkeit: Das Zustimmungsquorum. Nötig ist nicht nur eine Mehrheit, diese Mehrheit muss auch groß genug sein - mindestens ein Drittel aller Wahlberechtigten, gut 2,5 Millionen, müssen dafür gestimmt haben. Artikel 60 der Landesverfassung schreibt es vor: "Bei der Volksabstimmung entscheidet die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen. Das Gesetz ist beschlossen, wenn mindestens ein Drittel der Stimmberechtigten zustimmt." Dieses Quorum sei "unfair", sagt Reinhard Hackl von "Mehr Demokratie". Ein Drittel aller Wahlberechtigten haben im März nicht mal die neue Landtagsmehrheit gewählt. Das Verfahren, fordert die Initiative, gehöre reformiert. Bayern, zum Beispiel, verzichtet auf solch ein Quorum.

Die letzte Volksabstimmung in Baden-Württemberg scheiterte an der hohen Hürde. 1971 ging um die Neugliederung der Gemeinden und Landkreise. Der kommunale Neuzuschnitt war heftig umstritten. Gegner der Reform sammelten mehr als 200 000 Unterschriften für ein Volksbegehren. Eine Mehrheit von 54,4 Prozent der Wähler stimmte dann für die Auflösung des Landtags. Das Quorum wurde aber weit verfehlt: Nur 16 Prozent der Wahlberechtigten gingen zum Abstimmen.

Ein Volksentscheid ebnete auch den Weg zur Landesgründung. 1951 stimmte eine Mehrheit in Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern für den neuen Südweststaat. Die Südbadener votierten dagegen, sie erreichten vor Gericht auch eine erneute Abstimmung. Die wurde 18 Jahre verzögert. Erst 1970 stimmte dann auch der badische Landesteil für den neuen Südweststaat - mit fast 82 Prozent.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: ALFRED WIEDEMANN | 24.11.2011

Google 1+

VCD: Kein Geld für Züge wegen Stuttgart 21

Landkreis Der Verkehrsclub Deutschland VCD kritisiert, dass Gelder für die Regionalisierung des Bahnverkehrs nicht für besserr Zugverbindungen genutzt werden.... mehr

S 21: Abrissteil stürzt auf Frau

Stuttgart Bei den Abbrucharbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21 am Südflügel des Hauptbahnhofs ist am Samstag eine Passantin von einem Abrissbrocken getroffen worden.... mehr

Bahn: S 21 geht erst Ende 2020 in Betrieb

Stuttgart Laut Bahn-Vorstand Volker Kefer verzögert sich der Start von Stuttgart 21 um ein Jahr. Um die Mehrkosten aus der Schlichtung wird weiter gefeilscht.... mehr

Bahn vergibt S-21-Aufträge für 800 Millionen

Stuttgart Der Polizeieinsatz zur Räumung des Mittleren Schlossgartens in Stuttgart im Februar kostet das Land nach vorläufigen Berechnungen 7,7 Millionen Euro. Den größten Posten machten mit 6,2 Millionen die Personalkosten aus, wie das Innenministerium gestern mitteilte.... mehr

Was übrig bleibt

Stuttgart Matthias B. und Nina Picasso haben gegen Stuttgart 21 gekämpft. Während er nach dem Volksentscheid den Protest einstellt, denkt sie nicht ans Aufhören. Eine Geschichte über den Umgang mit Niederlagen.... mehr

Bahn will Aufträge für Tiefbahnhof bis Ende März vergeben

Stuttgart Nach mehrmonatiger Verzögerung will die Bahn alle ausstehenden Aufträge für den Bau des umstrittenen Tiefbahnhofs Stuttgart 21 bis Ende März vergeben.... mehr

ZUR PERSON: Tollkühner Kremlflieger

Vor 25 Jahren durchbrach der deutsche Pilot Mathias Rust die Luftabwehr der UDSSR. Um die Landung vor dem Kreml ranken sich bis heute Legenden.... mehr

Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil

Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr