Verband will mehr G-9-Schulen in Großstädten
Stuttgart. Der Städtetag streut Sand ins Getriebe der grün-roten Schulpolitik. Nach Kritik an der Gemeinschaftsschule ist jetzt der Schulversuch zum G 9 dran.
Die Auswahl der G-9-Schulen gefällt den Städten nicht. Norbert Brugger, Schulexperte des Städtetags, warnte Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD): "Es kann nicht sein, dass sich in Stuttgart 13 Gymnasien für eine verlängerte Schulzeit interessieren, aber die Landeshauptstadt genauso wie der kleinste Landkreis Hohenlohe behandelt wird." Stuttgart habe immerhin sechsmal so viele Einwohner wie der Hohenlohekreis.
Bis 1. März müssen Schulträger Anträge für neunjährige Gymnasialzüge beim Ministerium stellen. Nach einer Umfrage des Städtetags können sich in acht der neun Stadtkreise 17 Gymnasien einen längeren Weg zum Abitur vorstellen, auch zwei in Mannheim. In Heilbronn, Heidelberg, Karlsruhe und Ulm heißt es nach dieser Umfrage zunächst dagegen Fehlanzeige.
Bei den Städten herrscht vor allem über die Regel Verdruss, dass nur vierzügige Gymnasien einen Antrag stellen können. In den Ballungsräumen gibt es kaum Gymnasien mit vier Klassen pro Jahrgang. So hat von den 26 Gymnasien in Stuttgart kein einziges vier Züge.
Das Kultusministerium will insgesamt 44 Schulversuche für die 44 Stadt- und Landkreise genehmigen. Aus Sicht des Städtetags muss die Gesamtzahl gegebenenfalls erhöht werden. Der Zuschlag für die erste Tranche von 22 Modellschulen im Schuljahr 2012/13 sollte Einwohnerzahlen, Fläche und Interesse berücksichtigen, forderte Brugger: "Städte und Regionen müssen bei der Zuteilung gleich behandelt werden."
SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sagte, würden deutlich mehr Anträge als 22 gestellt, müsse man den Deckel eventuell überdenken. Dem widersprach aber die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser: "44 Schulen, dabei bleibt es. Wie das verteilt wird, darüber kann man diskutieren." Die Grünen-Fraktion hatte dem Versuch nur widerwillig zugestimmt, sie will vorrangig das achtjährige Gymnasium verbessern.
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Autor: JULIA GIERTZ, DPA | 10.02.2012
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