Tödlicher Stich während eines Zechgelages
Mannheim. Kein Motiv, keine Erinnerung: Ein 37-Jähriger soll im Rausch einen Zechkumpanen erstochen haben. Vor Gericht beruft er sich auf einen "Filmriss".
Als der 37-jährige Russlanddeutsche am nächsten Morgen auf einer Parkbank aufwacht, will er sich an nichts erinnern können. Von einem "Filmriss" sprach der Mann gestern vor Gericht. Erst zwei Tage später, als er gehört hatte, dass er wegen einer Bluttat gesucht wird, habe er sich bei der Polizei gemeldet. "Ich war total fassungslos und schockiert. Ich habe keine Erinnerung, dass ich ihn gestochen habe."
Seit gestern muss sich der 37-Jährige wegen Mordes vor dem Mannheimer Landgericht verantworten. Ende Mai 2011 soll er dem Opfer mit voller Wucht ein langes Küchenmesser in den Hals gestochen haben. Der Mann verblutete nach kurzer Zeit. Das Opfer und der mutmaßliche Täter stammen aus der früheren Sowjetunion, Tatort war der Balkon eines kleinen Apartments in Mannheim, wo der Cousin des Angeklagten wohnte. Dort hatten beide mit dem späteren Opfer und einem weiteren Kumpan kräftig gezecht. Dabei soll es zu einem Streit zwischen dem Angeklagten und dem Opfer gekommen sein. Der 37-Jährige bestreitet dies. "Es war alles normal. Es gab keinerlei Konflikt".
Das behauptete vor Gericht auch dessen Cousin: "Wir haben uns normal unterhalten." Und dabei mehrere Flaschen Wodka und diverse Biere geleert. Plötzlich sei das stehende Opfer umgefallen. "Da war überall Blut. Er hat nicht mehr geatmet", berichtete der Zeuge. Wie das passiert sei, habe er allerdings nicht bemerkt. Auch nicht, was sein Cousin zu der Zeit gerade tat. "Ich habe nicht gesehen, dass er gestochen hat", sagte er. Der Vorsitzende Richter vermochte dies nicht zu glauben und warf ihm vor, "Fabelgeschichten" zu erzählen.
Daran, dass der Angeklagte alkoholkrank ist, besteht offenbar kein Zweifel. So soll der 37-Jährige schon während des Verhörs bei der Polizei Entzugserscheinungen bekommen haben. Die Beamten hätten ihm damals Wodka zu trinken gegeben. Schon Monate zuvor soll der 37-Jährige versucht haben, seine Lebensgefährtin zu töten. Er habe im Streit ein Messer nach ihr geworfen - in Anwesenheit des gemeinsamen zweijährigen Kindes. Das Messer prallte von ihrer Kleidung ab. Dann ging er angeblich mit einem langen Küchenmesser auf das Opfer los. Dem Bruder der Frau sei es gelungen, den Angreifer zu stoppen.
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Autor: ULRICH WILLENBERG | 07.02.2012
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