Strenge Regeln im Wasserschutzgebiet

Für die alternative Bestattung in einem Wald sind erstmals in Deutschland Urnen aus Edelstahl vorgeschrieben. Die Auflage ist nötig, weil der "Ruheforst" bei Creglingen in einem Wasserschutzgebiet liegt.

HANS GEORG FRANK |

Alle Verlautbarungen der Ruheforst GmbH in Erbach (Odenwald) lassen keinerlei Zweifel aufkommen an den Modalitäten einer alternativen Beerdigung: "In einem Ruheforst können grundsätzlich nur biologisch abbaubare Urnen und Aschekapseln beigesetzt werden, welche sich innerhalb weniger Monate im Boden zersetzen." Nirgendwo wird erwähnt, dass im 36. "Ruheforst", der heute bei Creglingen (Main-Tauber-Kreis) eröffnet wird, dieses Prinzip der "Bio-Urnen" auf keinen Fall gelten darf. Der 14 Hektar große Wald, in dem zunächst auf 3,5 Hektar "Ruhebiotope", so heißen die Gräber, angelegt werden, liegt in einem 1995 ausgewiesenen Wasserschutzgebiet.

Das Landratsamt in Tauberbischofsheim hat seine "bestattungsrechtliche Genehmigung" vom 27. November daher mit strengen Auflagen verbunden, die dem üblichen Charakter einer Bestattung unter Bäumen nicht entsprechen. Im "Ruheforst Landhege" sind nicht die sonst vorgeschriebenen Urnen aus Maisstärke erlaubt. Dort müssen wegen des Wasserschutzgebiets der Zone II Urnen aus Edelstahl verwendet werden. Damit soll sichergestellt sein, dass keine Schadstoffe in die Quellen der Wasserversorgung für die Stadt Creglingen geschwemmt werden. "Es sind alle Vorschriften eingehalten", versicherte der Creglinger Bürgermeister Hartmut Holzwarth.

Die Urnen müssten "korrosionsbeständig und dauerhaft verschließbar" sein, teilte das Landratsamt mit. Die durch diese Anordnung notwendige Beschaffung des rostfreien Behälters verteuert sich das Begräbnis um 107 Euro.

Der Friedhof kam auf Wunsch der Stadt Rothenburg ob der Tauber zustande, ihr gehört der Wald im Gewann "Strick". Forstamtsleiter Daniel Gros war "von Anfang an bewusst, dass es sich um ein Schutzgebiet handelt", sagte er der SÜDWEST PRESSE. Die Hülle aus Edelstahl sei notwendig, weil die Asche Verstorbener Schwermetalle enthalte. Er verwies auf eine Studie des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitschutz. Demnach wurden bei 22 Proben aus elf Krematorien "vergleichsweise hohe Konzentrationen" von Mangan, Zink, Chrom, aber auch Nickel, Blei und Kobalt nachgewiesen. "Die dürfen alle nicht ins Grundwasser gelangen", sagte Gros.

Aus Sicherheitsgründen schrieb das Landratsamt auch vor, dass die Metallbehälter höchstens 50 Zentimeter tief versenkt werden dürfen. Normalerweise wird ein 70 bis 80 Zentimeter tiefes Loch ausgehoben. "Da ist schon der Grabungsaufwand nicht so groß", gewann der Förster dieser Auflage eine positive Seite ab. Der Ingenieur für Forstwirtschaft sieht wegen der Stahlbehälter "keine Gefahr für das Ökosystem Wald".

Bei der Friedwald GmbH in Griesheim, dem Vorreiter der Beisetzung unter Bäumen mit 29 Anlagen in Deutschland, stößt der "Fall Creglingen" auf ziemliche Verwunderung. "Bei uns würde so ein Projekt nicht weiterverfolgt, wenn die Fläche in einem Wasserschutzgebiet liegt", sagte Friedwald-Sprecherin Corinna Brod. Es gebe auch keinerlei Ausnahmen von der ehernen Regel, dass sich eine Urne auflösen müsse. Daher würde hauptsächlich das Material "Arboform" verwendet. Dabei handelt es sich um eine Art flüssiges Holz, das in Ilsfeld bei Heilbronn verarbeitet wird.

In der "Landhege" ist die erste Urne bereits beigesetzt worden - natürlich aus Edelstahl.

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