Schwäbisch: Hoffähig oder nicht?

Im Internet sorgt derzeit ein Video für Lacher: Eine Flugbegleiterin begrüßt Fluggäste nach der Landung in Stuttgart auf schwäbisch. Schwäbisch? Lustig: ja. Beliebt und sexy: naja.

LYDIA BENTSCHE | 15 Meinungen
"Nach dem Flug mit AirBerlin von Hamburg nach Stuttgart war eine Stewardess gut gelaunt und 'verzählte' uns alles noch auf Schwäbisch ;) Das Video ist leider unscharf, aber es geht ja eh nur um den Ton", schreibt YouTube-Nutzer 13BigLu13 über sein Video, dass in vier Tagen mehr als 15.000-mal angesehen wurde. Damit auch Nicht-Schwaben verstehen, was die Flugbegleiterin nach der Landung erzählte, hat er ihre Worte "zum Nachlesen" daruntergeschrieben.



Wilhelm König von der Mundartgesellschaft Württemberg hat das Flugbegleiterin-Video noch nicht gesehen. Obwohl er sich für Mundart einsetzt, ist er davon nicht begeistert. Videos wie diese oder die Werbung von Schwabenbräu, die Schwäbisch in Lautschrift präsentiert, sollten witzig sein, würden jedoch nicht helfen. "Der Dialekt lebt von Dichtung, nicht von Gag-Äußerungen", sagt er. "Wir brauchen mehr Autoren und wieder richtige Bühnen." Denn Schwäbisch und alle deutschen Dialekte sollen gefördert werden.

Doch wie steht es mit Dialekten von Politikern, Nachrichtensprechern und Wirtschaftsmanagern? Dürfen sie schwäbeln, bayrisch, fränkisch, plattdeutsch oder sächsisch sprechen? "Natürlich dürfen sie das", findet Stefan Kleiner vom Institut für Deutsche Sprache. "Es geht beim Sprechen darum, dass man verständlich ist. Solange diese Hauptaufgabe erfüllt ist, ist es eher positiv, wenn man hört, wo jemand herkommt." Manfred Burkhart sieht das anders: "Öffentliche Sprecher haben eine Vorbildfunktion, eine pädagogische Aufgabe." Deshalb sollten sie die Standardlautung, das sogenannte Hochdeutsch, richtig sprechen, genauso wie sie auch richtig schreiben sollten. Das gelte auch für Flugbegleiterinnen.

Burkhart ist Sprechtrainer in Freiburg, der unter anderem Radiosprechern und Moderatoren hilft, ihre Dialekte abzutrainieren. Aber er findet Dialekte schön: "Jeder sollte seinen Dialekt pflegen und ihn zuhause sprechen." Auch in der Schule sollten Lehrer, die aber alle hochdeutsch können sollten, ihn nicht verteufeln. "Doch man kann Hochdeutsch lernen wie eine Fremdsprache."

Kleinert hingegen sagt: "Ich sehe keinen Grund, warum Politiker kein Lokalkolorit in ihrer Sprache haben sollten. Das sehen manche Sprechwissenschaftler anders, aber ich glaube, wir würden nur etwas verlieren." Im Gegensatz zu anderen Ländern, etwa Frankreich, gebe es in der deutschen Sprache noch eine große regionale Sprachvielfalt. Viele Menschen sprechen heute jedoch nicht Dialekt, sondern haben "nur" einen regionalen Akzent in der Standardsprache. Solche unterschiedlichen Akzente untersucht der Wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim im Projekt Variation des gesprochenen Deutsch.

In vielen Regionen sterben Dialekte aus. Als Gründe nennt Kleiner die "drei Ms": Medien, Mobilität und Mütter. Von Nachrichtensprechern bis zu Daily Soaps: Medien transportieren eine einheitliche Sprachform, die stark an die deutsche Schriftsprache angelehnt ist. Dort bleibe wenig Platz für regionale Eigenheiten, sagt Kleiner. Auch mit steigender Mobilität, dem "zweiten M", steige die Tendenz zu einer Standardsprache. Während Menschen früher mit anderen Regionen wenig in Kontakt kamen und es völlig genügte, ihren eigenständig entwickelten Dialekt zu sprechen, wollen heute Norddeutsche Münchner und Berliner Menschen von der Schwäbischen Alb verstehen. Daraus hat sich auch ein Gefühl entwickelt, dass die Standardsprache mehr Prestige hat als Dialekte, erklärt Kleiner. "Und das geht insbesondere jungen Menschen so." Warum? Auch weil ihre Mütter, das "dritte M", vor allem in Städten seit Jahrzehnten Wert darauf legen, dass Kinder angenähertes Hochdeutsch lernen.

In Deutschland unterscheidet sich nicht nur die Anzahl der Dialektsprecher je nach Region - auf der Schwäbischen Alb und im Bayerischen Wald gibt es noch viele, im Norden wenige, sagt Kleinert -, sondern auch die Beliebtheit einzelner Dialekte. Bayerisch und Norddeutsches Platt sind beliebt, Sächsisch ist unbeliebt, hat das Institut für Demoskopie Allensbach erfragt, zuletzt im Jahr 2008.

Dass Schwäbisch nur im Mittelfeld liegt, hängt für Kleinert nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit dem Bild "Spießbürger" zusammen, das von den Schwaben existiert. "Die Bayern haben ein positiveres Image von lustigen, geselligen Menschen, Tracht und Lederhose." Sächsisch schneide so schlecht ab, weil der Dialekt mit der DDR in Verbindung gebracht wird und sich bestimmte Lautstrukturen im Sächsischen auffällig vom Hochdeutsch abheben.
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15 Kommentare

04.09.2011 22:25 Uhr

lila - ach bei welcher airline denn "ZUM GLÜCK"

ICH FAND DAS GANZE IMMER RECHT NETT UND HABE KEINE NEGATIVEN AEUSSERUNGEN DAZU VERNOMMEN!!
MAL WAS ANDERES UND ZUM SCHMUNZELN!!

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02.09.2011 07:58 Uhr

nett...

nicht mehr und nicht weniger. Ich find's süß gemacht, die Stewardess hat das Ganze wirklich gut rübergebracht. Den Satz mit dem Kladderadatsch und der Schatulle find ich bezaubernd.

Ob Kalkül oder nicht ist doch egal, einen Zeitungsbericht hätte es aber mit Sicherheit nicht gebraucht zwinkern

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01.09.2011 21:50 Uhr

SCHWÄBISCHE BEGRÜSUNG DER AB STEWARDESS BEI ANKUNFT IN STGT

ES IST NICHT DAS ERSTE MAL DASS NACH EINEN FLUG NACH STUTTNART MAN VOR DER LANDUNG AUF SCHWÄBISCH VERABSCHIEDET WIRD: ICH HABE DAS SCHON ZWEI MAL ERLEBT - WARUM DIESES AUFHEBEN??

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02.09.2011 08:12 Uhr

Ach? Bei welcher Airline denn?

Denn ich hab das mal ganz sicher noch nie erlebt.
Zum Glück...

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02.09.2011 16:58 Uhr

Schwäbisch

Immer einen herablassenden Kommentar auf Lager, gell ? Ups, oder zählt das jetzt schon wieder als Beleidigung ?

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02.09.2011 06:28 Uhr

was soll denn das jetzt?

Ihre Shifttaste klemmt!

Oder was sonst soll es bedeutet dass dieser Beitrag in so schlecht zu lesender und ziemlich agressiv auftretender Großschrift geschrieben wurde?

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01.09.2011 21:42 Uhr

SCHWÄBISCHE BEGRÜSUNG DER AB STEWARDESS BEI ANKUNFT IN STGT

DAS WAR NICHT DAS ERSTE MAL; DASS BEI DER ANKUNFT EINES FLUGZEUGES IN STUTTGART DER/DIE FLUGBEGLEITER SICH AUF SCHWÄBISCH VERABSCHIEDET HABEN: HAB DAS SCHON ZWEI MAL ERLEBT!!

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01.09.2011 18:06 Uhr

Schwäbisch : Hoffähig oder nicht

Solange der Dialekt privat gesprochen wird ist das doch in Ordnung -
Oder aus Spass wie bei Air Berlin -

Solange nicht Landesfürsten wie zum Beispiel in Spanien die Kinder wieder in die Steinzeit führen und in den Schulen -
wie im Land Valencia - wieder Valenciano - also Dialekt einführen den kein Spanier versteht - ebenso wie Katalan in Barcelona u.s.w
geht das doch in Ordnung.
Diese Landespolitiker lassen sich mit dem Rückschritt die nächste Wahl sichern !!
Doch das schlimme dabei ist das die EU das finanziert !!
Welch ein Schwachsinn !!
Und Spanisch wird als Fremdsprache geführt -
Ein Minister will sogar das das Studium auf Valenciano abgelegt werden kann -

Wie verblödet wird langsam Europa -

Welch ein Scheiss finanziert Brüssel eigentlich noch !!

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01.09.2011 15:33 Uhr

Humor

Zur Abwechslung mal etwas Humor in der ansonsten doch eher bierernsten Zeit. Endlich mal einig mit dem Obenbleiber. Warom net, mir hat`s gfalla.

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01.09.2011 12:24 Uhr

Bayerische Verabschiedung wäre nicht in den Medien gelandet

Hätte sich die Flugbegleiterin in München auf bayerisch verabschiedet wäre dies vermutlich nie in den Meiden erwähnt worden.
Ich glaube die größten Kritiker des Schwäbischen sind wir selbst.

Ich nehme regelmäßig an Tagungen teil bei denen sich ca. 30 Leute aus allen Richtungen Deutschlands treffen. Da wird von einzelnen noch richtig schwäbisch, sächsisch und berlinerisch besprochen. Bisher haben wir uns noch alle wunderbar verstanden. Man muss eben die Ohren spitzen und gut zuhören, dann geht das schon.
Ich selbst rede auf solchen Veranstaltungen praktisch nur hochdeutsch. Da kann ich irgendwie nicht aus meiner Haut. In der Realschule wurde mir damals klar zu verstehen gegeben, dass schwäbisch nun überhaupt nicht mehr geht und das hat sich wohl sehr tief in mir verankert.
Mit anderen Schwaben, Daheim und v.a. mit meiner Tochter wird jedoch schwäbisch gschwätzt.

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01.09.2011 10:37 Uhr

Strike!

Jawoll, sowas ghört viel öfters gmacht!!

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01.09.2011 10:33 Uhr

Wohl eher kein PR-Gag

sonst wäre das nicht so unprofessionell mit Handy aufgenommen worden. Da hat sich von der Crew mal jemand was spontan einfallen lassen und schon sind wieder selbsternannte Kritiker zur Stelle. Der Schwabe an sich scheint sich im allgemeinen seiner Sprache zu schämen auch wenn er stolz auf sein Ländle ist. Uns wurde in der Schule noch verboten schwäbisch zu schwätzen und ich finde es an der Zeit zu seiner Herkunft und zu seiner Sprache zu stehen.

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01.09.2011 18:59 Uhr

Fernsehkamera?

Natürlich muss so was mit dem Handy aufgenommen werden, um spontan zu wirken. Bei ein Fernsehkameta hätte es wohl keiner geglaubt.
Merkwürdig, dass das Handy exakt währen der schwäbischen Ansage komplett aufgenommen hat.
Die Stewardess will berühmt werden, bittet einen Bekannten die Ansage aufzunehmen und stellt es auf Youtube. Ist doch alles Kalkül.

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01.09.2011 09:30 Uhr

Vorbereiteter Scherz

Es handelt sich hier um eine vorbereitete Rede,mit dem Ziel , in die Medien zu kommen. Was ja offensichtlich geklappt hat.
Keinesfalls eine originelle Spontanaktion, wie es den Anschein erwecken soll.

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31.08.2011 19:14 Uhr

Mir kennet elles außer Hochdeitsch!

Aber diese Verabschiedung auf Schwäbisch bei der Landung auf dem Stuttgarter Flughafen hört sich doch recht passabel an und wurde durch entsprechenden Applaus honoriert.
Weiter so Südwest-Presse, den Dialekt net verleugna ond schwätza wia oim d'r Schnabl g'wachsa isch.

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