Schneekanonen allein reichen nicht

Feldberg.  Die Kapriolen, die das Wetter in diesem Winter schlägt, sind als Folgen des Klimawandels anzusehen. Der Schwarzwald-Tourismus setzt zwar noch auf den Wintersport, doch die Suche nach neuen Ideen ist eröffnet.

Wintersport ist derzeit im Hochschwarzwald zwar möglich, die Bedingungen sind aber grenzwertig: Auf dem Feldberg liegen 30 bis 50 Zentimeter Schnee. Doch die Pisten sind vereist. Fast alle Lifte laufen, 35 Kilometer Loipen sind rund um den höchsten Berg des Landes gespurt, und weil über allem seit Tagen die Sonne von einem wolkenlosen Himmel strahlt, stürmen die Wintersportler den Berg trotz der Kälte. In den tieferen Lagen - etwa in Hinterzarten, Breitnau, St. Märgen und Titisee-Neustadt - liegen zwischen 15 und 35 Zentimeter Schnee. Viele Loipen sind gespurt, Eisbahnen geöffnet und die Winterwanderwege gewalzt.

Nur in Titisee heißt es noch warten. Wenn es weiter so kalt bleibt, ist dort in etwa einer Woche eine weitere Attraktion perfekt: Dann lockt der zugefrorene See wie im vergangenen Januar tausende Besucher aufs Eis. Die Wettervorhersagen stimmen hoffnungsvoll, doch welche Kapriolen das Wetter in diesem Winter schlägt, war um Weihnachten herum zu erleben: Vor dem Fest fiel Schnee in Hülle und Fülle, als sich dann aber viele auf eine weiße Weihnacht freuten, wehte ein laues Lüftchen und Regen ließ die weiße Pracht dahinschmelzen.

Erste Folgen der fortschreitenden Klimaerwärmung sind spürbar. Davon wird der Schwarzwald nicht verschont bleiben, auch wenn Experten für den Feldberg erst ab dem Jahr 2025 einen Rückgang der Wintersporttage prognostizieren. In tieferen Lagen wird der Schnee schon früher rar werden.

Für viele Gemeinden im Hochschwarzwald ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle - im Sommer wie im Winter. Bleibt der Schnee aus, bleiben auch die Gäste weg, zumindest die Tagesausflügler. Der Einsatz von Schneekanonen wird vor allem in niedrigeren Lagen auf Dauer keine Lösung sein. Deshalb sorgen die zehn Gemeinden, die sich zur Hochschwarzwald Tourismus GmbH zusammengeschlossen haben, vor. Seit Mai 2009 wird in Titisee an einem 37 Millionen Euro teuren Erlebnisbad gebaut, das ein wetterunabhängiges, touristisches Zugpferd werden soll. Der Friedrichshafener Josef Wund hat schon in Erding und in Bad Wörishofen mit Erfolg Thermen gebaut. Das Titiseer Badeparadies soll bis Weihnachten dieses Jahres fertig sein.

Einen neuen Anlauf für den Bau einer Skihalle gibt es derzeit nicht, bestätigt ein Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg. Nach zwei vergeblichen Versuchen in Sasbachwalden in der Ortenau und Todtmoos (Kreis Waldshut) scheint sich niemand mehr an ein derartiges Vorhaben zu wagen. Das Projekt in Sasbachwalden lehnte das Regierungspräsidium 2004 ab, das Aus für die Skihalle in Todtmoos kam 2007. Die Halle für den Ganzjahresbetrieb sollte 650 Meter lang, 35 Meter breit und 18 Meter hoch werden. Das Projekt widerspreche den Zielen der Landschaftsplanung und des Umweltschutzes, lautete die Begründung für das Nein.

Immer wieder werden im Hochschwarzwald noch ungewöhnlichere Ideen geboren, um Touristen anzulocken. So fanden sich vor einem Jahr sieben Bürgermeister aus Hochschwarzwald-Gemeinden zu einem Chor zusammen. Zu Werbezwecken nahmen sie ein Video auf, in dem sie - manchmal schräg, manchmal nicht ganz im Takt - das Badnerlied und "Schneeflöckchen, Weißröckchen" sangen. Das Video ist nach wie vor auf YouTube zu sehen. Ob die Aufnahme ihren Zweck erfüllt, ist nicht bekannt.


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Autor: PETRA WALHEIM | 07.01.2010

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