Sarkophag für Heckler & Koch

Per Beton-Sarkophag plant eine Internet-Aktions-Gruppe, die Produktion des Rüstungskonzerns Heckler & Koch zu stoppen. Ein Scherz? Die Polizei beobachtet die Kampagne.

FABIAN ZIEHE |

Rotoren-Lärm hängt überm Schwarzwaldstädtchen Oberndorf. Hubschrauber werfen Sand und Blei über der Rüstungsschmiede Heckler & Koch ab. Eine Betonhülle wächst aus dem Boden, welche die Fabrik- und Verwaltungsgebäude einschließt wie der Sarkophag den havarierten Meiler in Tschernobyl. Dazu eine Stimme aus dem Off: "Dies ist kein Scherz: Die Katastrophe kann dauerhaft nur architektonisch, nicht politisch verwaltet werden."

Das YouTube-Video hat die Aktionsgruppe "Zentrum für Politische Schönheit" online gestellt. Nach eigenen Angaben soll sie 100 Sympathisanten stark sein mit einem harten Kern von gut 30 Aktivisten und 10 000 Facebook-Freunden. Sie haben deutschen Waffenexporteuren den Kampf angesagt. So war schon der Hersteller des Leopard-2-Panzers Krauss-Maffei Wegmann Ziel einer Kampagne.

"Die wahren Massenvernichtungswaffen sind aber die Kleinwaffen", sagt Philipp Ruch, der sich die Bezeichnung "Chefunterhändler" des Künstler-Thinktanks verliehen hat. Etwa 1,5 Millionen Menschen seien in den vergangenen 25 Jahren weltweit durch die Sturmgewehre G3 und G36 von Heckler & Koch gestorben. Diese Opferzahl vergleicht die Gruppe mit der von Tschernobyl.

Wenn der ukrainische Katastrophenreaktor eine Betonhaube brauche, dann auch Heckler & Koch, so die Logik der Aktivisten. Wenn "ein Heer von Arbeitern" die Hülle gebaut hat, wolle man deutsche Waffenlobbyisten über eine Rampe dem Sarkophag "zuführen".

Für diesen Plan hat die Gruppe im Netz gesammelt. Für zehn Euro Spende gibt es ein Plakat, das den Entwurf des Sarkophags zeigt. 3000 Euro waren veranschlagt, schon vor Tagen war das Spendenziel übererfüllt. "Wir werden damit einen Helikopter anmieten", versprach Ruch. Wann und wo, das wolle man nicht öffentlich sagen. Unter den Spendern seien sicherlich "Agenten von Heckler & Koch". Einen 70-jährigen Piloten habe man aber schon gefunden. Dem sei die Aktion wichtiger als seine Fluglizenz. "Praktisch kann man sich eine solche Aktion gar nicht vorstellen", sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Rottweil, die das Treiben im Netz beobachtet und mit Heckler & Koch in Kontakt steht. "Direkte Ermittlungen gibt es keine" - es fehle ein "begründeter Anfangsverdacht", auch eine Anzeige liege nicht vor. Dennoch: "Wir verfolgen das mit dem notwendigen Ernst."

Heckler & Koch hat gegenüber der SÜDWESTPRESSE nicht auf die Aktionsgruppe reagiert. Was nicht daran liegt, dass die Firma schon von einem Betonmantel daran gehindert würde - schließlich kümmert sich eine international aktive Unternehmenskommunikation um ihre Belange.

Viel zu tun hat diese freilich kaum. Die letzte Pressemitteilung von Heckler & Kock datiert vom 3. April dieses Jahres: Ein Widerspruch in 13 Punkten gegen den Vorwurf der Medien, ihr G36 büße bei Dauerfeuer Treffsicherheit ein.

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