"Reiche Vorstadt" wird zentraler Lebensraum

Stuttgart.  Seit zehn Jahren setzt sich ein Verein dafür ein, dass aus einer öden Geschäftsgegend in der Stuttgarter Innenstadt wieder ein lebenswertes Viertel wird.

Irgendwann in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde es den Grafen von Württemberg zu eng inmitten ihrer Mauern. Die Residenz, begrenzt durch Altes Schloß und die heutige Eberhard- und Obere Königsstraße, bedurfte der Erweiterung, zunächst in Richtung Süden. Auf die Esslinger oder St.-Leonhards-Vorstadt folgte alsbald im Norden der zunächst als Turnierackervorstadt bezeichnete Stadtteil, der nach der Reformation und wegen des 1536 zum Spital umgewandelten Dominikanerklosters Hospitalviertel genannt wurde.

Im Gegensatz zur Gegend um die Leonhardskirche, wo sich überwiegend weniger Begüterte - Handwerker, auch Weingärtner - ansiedelten, wurde das Hospitalviertel bald "Reiche Vorstadt" genannt, schrieb der Historiker und Archivar Paul Sauer (1931-2010) in seiner "Geschichte des Quartiers" für den vor zehn Jahren, im Januar 2002, gegründeten Verein Forum Hospitalviertel. Zwischen heutiger Theodor-Heuss-Straße, Schlossstraße und Rotebühlplatz/Fritz-Elsas-Straße soll es bald "die schönsten Häuser und lustigsten Straßen" der Landeshauptstadt gegeben haben, zitiert Sauer ungenannte Historiker.

Das Forum Hospitalviertel setzt sich dafür ein, dass das nach Krieg und nahezu völliger Zerstörung zu einem Büro- und Geschäftszentrum umgewandelte Gebiet wieder zu einem attraktiven Wohn- und Lebensraum in zentraler Innenstadtlage für eine wachsende Zahl von Bewohnern werden kann. Der Verein mit gegenwärtig 70 Mitgliedern sorgt auch für die Kommunikation mit der Stadt und informiert die Anwohner über den Fortgang der Sanierung.


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Autor: WOLFGANG RISCH | 04.02.2012

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