Piratenpartei peilt fünf Prozent an
Tübingen. Sie wollen 2011 in den Stuttgarter Landtag: Die Piratenpartei machte sich am Wochenende auf ihrem Tübinger Landesparteitag ans Wahlprogramm.
Auf den Tischen in der Tübinger Hermann-Hepper-Turnhalle stehen Laptops, die 170 Mitglieder der Piratenpartei sind drahtlos vernetzt. Ohne Internet geht nichts. Den Programm-Entwurf für den Wahlkampf haben die Piraten in einer 84-stündigen Online-Konferenz vorbereitet. Sie nutzen Programme, mit denen mehrere Computerbesitzer gleichzeitig Texte bearbeiten. Manche Mitglieder seien bis zu 18 Stunden am Tag im Internet, sagt der Tübinger Pressesprecher Frank Eric Stockmann.
Auch die Inhalte orientieren sich an den neuen Medien. Die Piraten fordern Datenschutz, wollen die Urheberrechte stärken. Sie verlangen Transparenz, der Staat solle die Internet-Kriminalität besser bekämpfen. Und sie sind für die Abschaffung der Studiengebühren, wie der Tübinger Kandidat Roman Kremer erklärt. Der 24-jährige Rhetorik-Student kommt von der FDP. Er saß im Landesvorstand der Jungen Liberalen. Ihn störte dann, dass sich dort die wirtschaftsliberale Richtung durchsetzte. "Die Politik hat sich von den Bürgern entfernt", sagt Kremer. Die Piraten treten deshalb für Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie ein. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt unter 30.
Man sieht viele Schüler und Studenten im Saal. Viele tragen Piraten-T-Shirts mit Aufdrucken wie "Klar zum Ändern". Abstimmungsergebnisse werden bejubelt. Bundesweit hat die Piratenpartei 12 000 Mitglieder, 1500 in Baden-Württemberg. Bei der Bundestagswahl 2009 holte die drei Jahre zuvor nach schwedischem Vorbild gegründete Partei aus dem Stand zwei Prozent.
Vor der Halle weht die Piratenflagge, im Foyer riecht es nach Pizza. 2011 will die Partei in den Stuttgarter Landtag. "Das Ziel sind fünf Prozent plus x", sagt der neugewählte Landesvorsitzende Sebastian Nerz. Der 26-Jährige studiert in Tübingen Bioinformatik. "Unser Wahlprogramm wird ganz anders sein als bei den etablierten Parteien", verspricht Nerz. Bisher seien die Piraten kritisiert worden, dass sie sich auf Themen wie Internet und Bürgerrechte beschränkten. Jetzt wollen sie das Bildungssystem umkrempeln und diskutieren über Modellversuche mit kostenlosem Nahverkehr. 50 eng bedruckte Seiten mit Änderungsvorschlägen fürs Wahlprogramm sollen auf einem zweiter Parteitag diskutiert werden.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: MATTHIAS REICHERT | 19.04.2010
| Artikel twittern |
|
|
MEISTGELESENE ARTIKEL
Schwein verursacht Unfall auf der B 30
Achstetten Auf der B 30 zwischen Achstetten und Donaustetten hat ein Schwein am Mittwochmorgen einen Unfall verursacht. Das Tier entkam aus einem Viehtransporter, lief auf die Fahrbahn und zwang zwei Autofahrer zu Ausweichmanövern. Ein dritter Autofahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte auf einen der vor ihm fahrenden Wagen.... mehr
Innenministerium stoppt Polizeieinsatz im Schlossgarten - Oppositon spricht von Skandal
Stuttgart Chaos um den Baufortschritt bei Stuttgart 21: Das Innenministerium hat den geplanten Polizeieinsatz im Park gestoppt. Die Opposition nennt das einen Eingriff in Polizeiarbeit - die Regierung dementiert.... mehr
Frontal gegen Lkw: 19-Jährige bei Ehingen tödlich verunglückt
Ehingen Eine 19-Jährige ist in Ehingen mit ihrem Auto frontal gegen einen Sattelzug geprallt und gestorben. Die Frau war am Freitag aus zunächst ungeklärter Ursache in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geraten.... mehr
Feueralarm bei Ikea in Ulm
Ulm Der Einkaufsbummel hat für die Ikea-Besucher am Mittwoch mit einem Schrecken geendet: Im Küchenbereich brach ein Feuer aus, das Möbelhaus wurde umgehend evakuiert.... mehr
Bahn legt Zeitplan für Bau des Albaufstiegs der neuen ICE-Trasse vor
Gruibingen Der Zeitplan für den Albaufstieg der Schnellbahntrasse steht: Im Herbst 2013 soll mit dem Bau der Tunnel begonnen werden. Ein Jahr später werden die Pfeiler für die Brücke über das Filstal betoniert.... mehr

ZURÜCK